Dienstag, 22. September 2020

Atempausen

Da ist das Leben; der Wicht im Kopf; 24/7 mit mir ist die Hölle.
Da ist der Fuss, die zweite OP schon, Heilung verläuft schleppend, nicht so schnell wie erhofft.
Antibiotika, Schmerzmedikamente zusätzlich zur sonstigen, täglichen Medikation.
Müdigkeit, Erschöpfung, ein Kopf im Auge des Sturmes, umgeben von Wolken und Watte.
Nicht recht hören, was passiert, nicht recht sehen, was passiert, nicht recht verstehen, was passiert, aber dennoch akkurat reagieren sollen. Ein Seiltanz ohne Tanz, ein Seilakt.
Da ist plötzlich 39° Fieber, anhaltend über Tage, absolute Ermüdung, erschlagen-sein. Kopfschmerzen, Husten.
Ein Covid-19 Test Nachmittags um vier, "nur zur Sicherheit, ist vermutlich eine schlechte Reaktion auf das Antibiotika"
Augen, die nicht recht aufrichtig erscheinen, aber es ehrlich versuchen. Ein Kopf, ein Wicht mit Stimme der sowieso alles verdreht.
Wortmelodien, die Glocken läuten, schlagen sie Alarm? Sind es nur Klangschalentöne und ein "keine Sorge"?
Eine Deutung quasi unmöglich. Zu viel Watte. Zu viel Sturm.
Dann Krankgeschrieben, akute Erschöpfung. Keine Berufschule am Donnerstag. 
Wo Erleichterung eintreten sollte ist nichts ausser abgrundtiefe, nagende Angst die Ausbildung zu verlieren. Schuldgefühle. Verzweiflung.

Da ist grad so viel am passieren, am Laufen, so viele Energievampire die an mir nagen und ich will ihnen allen gerecht werden. Mir, dem Leben, der Ausbildung, meiner Gesundheit.
Keine Chance. 

Und dann ist da, einfach so, mitten in der Nacht ein leises Plopp und Zeilen, verschwommene Sicht durch WatteNebelSturmTränen, kurz, nur eine Sekunde lang: Ah. Ich habe Spuren hinterlassen. I matter.
Und inmitten all dem kann ich kurz aufatmen und mich selbst finden. Kurz, kurz - es geht gleich wieder weiter.
Bett, fiebern, Arzt, rumhumpeln, nicht einkaufen können, Umweltbewusst Abfall trennen, lieben Menschen schreiben, Entschuldigen, aufräumen, an Geburtstage denken, für die Schule lernen - ah.. 
Aber jetzt - in dieser Sekunde - ist es eine kleine Insel aus müdem Lächeln und einem Gefühl, dass keine Worte kennt.

Danke, Dome.
Alles Gute dir.
Danke.

Weiter, los, auf.
Leben ist ermüdend.

Mittwoch, 9. September 2020

Viva la Resignation

Leben ist Leiden,
weisst dus schon?
Auf grauem Laken
Blüht der Mohn

Am blauen Himmel
Stirbt ein Stern
Wie mein Gefühl
Genau so fern

In grüner Wiese
Sterbe ich
Nur leider grade
Jetzt noch nicht

Bin noch da
Für eine Weile
Schnaufe noch
Eine Meile

Beiss‘ ins Gras
Schmeckt widerlich
Da tanz ich lieber
Liederlich

Die nackte Haut
Ist was mir bleibt
Wenn sich mein Mond
Gen‘ Erde neigt.

Ein paar Tränchen
Och, man weint
Und der Scheissmond
ja, der scheint.

Sonntag, 6. September 2020

Speed-o'-Sound

And now, each night I count the stars,
And each night I get the same number.
And when they will not come to be counted,
I count the holes they leave.

Nobody sings anymore.


 
Preface to a Twenty Volume Suicide Note | Amiri Baraka