„We
may think that time flows evenly throughout the world, but dreams
[don’t always match up with the timeline of reality and so] let us know,
that in fact, time is nothing more than another function of our minds.“
panpanya - On the timeline of dreams
Träume,
Zeit, Vergangenes – diese Dinge begegnen mir in letzter Zeit wieder
häufiger. Ich meine, an sich begegnen sie mir immer, Zeit ist, was ich
sehe, erlebe,
fĂĽhle; ich bin Zeit, weil ich Vergangen bin, weil ich war, weil ich
morgen sein werde. Aber die Thematik begegnet mir, wie zufällig, in
Literatur, News, Erzählungen von Freunden. Man nimmt wahr was einen
beschäftigt, oder so ähnlich, aber was es auch ist –
es ist da.
Traum,
die verschobene Realität, die erwacht, wenn wir einschlafen; vielleicht
ist es auch gar nicht so zufällig, dass es mir viel begegnet. Literatur
ist Philosophie,
in jedem Winkel, jedem Satz, die Studie ĂĽber den Geist des Menschen,
der sie verfasst, der, der sie liest, der, der sie interpretiert.
Naturgegeben tauchen da Themen wie Träume häufiger auf.
Ich
habe immer viel geträumt, sehr lebhaft, manche Träume, die ich hatte,
als ich noch so klein war, das ich mich nicht mehr erinnern mag, wie
lange es her ist,
sind mir noch überpräsent, eingraviert. Weniger bildhaft, mehr
emotional, gefĂĽhlt, erlebt. So geht es mir eigentlich mit fast allen
Träumen. Ich erinnere mich nie daran, WO ich genau bin, keine Ahnung,
wie die Orte aussehen, die Menschen, kann mich nicht an
Farben oder Formen erinnern, grob an Architekturen von Gebäuden, wie
Strassen liegen, wie skizzenhafte Landkarten, aber niemals an eine
konkrete Umgebung; nur ganz selten ist es eine, die ich ĂĽberhaupt kenne,
in dieser anderen, der „eigentlichen“ Realität.
Aber ich erinnere mich immer genau an GefĂĽhle, an Wahrgenommenes, mein
Erinnerungstraum erhält Farben durch Emotionen, die ich mitgenommen
habe, wirkt fröhlich oder bedrohlich oder langweilig durch Empfindungen,
die mir geblieben sind, bleiben bis heute.
Vielleicht
ist es ein Spiegel dessen, wie ich bin, wie ich funktioniere in dieser
wachen Realität. Wenig Fokus auf Umgebung, wenig hinschauen, mehr herausfühlen.
SpĂĽren, wie die Welt heute aussieht.
Von
klein auf hatten Menschen in meinen Träumen keine Gesichter. Meistens
haben sie auch keine wirklichen Köpfe, oder nur verschwommen, oder
strichmännchenhaft
und fliessbandgleich Unbedeutend. FĂĽr
mich war – ist – das normal. In der Therapie wurde mir erklärt, dass es
daran liegt, dass ich Menschen in wachem Zustand nie in die Augen
schaue. Traummenschen
sind welche, die uns, wenn wir wach sind, begegnen, meist aber
Passanten, Hintergrundwesen die wir nicht bewusst wahrnehmen, die aber
für Träume recycled werden, weil unser Hirn nicht in der Lage ist, sich
Menschen aus dem Nichts auszudenken. Deswegen gibt
es auch keine wirklichen „Originale“ was gezeichnete Menschen angeht.
Unsere Vorstellung gibt uns automatisch das Bild eines real
Existierenden, wenn auch für uns bewusst völlig Unbekannten.
Menschen,
die andere nicht ansehen, haben entsprechend keinen solchen „Speicher“,
weswegen in Träumen nichts wiedergegeben werden kann. Ich weiss nicht,
ob das
stimmt, ich habe es nie nachgeschlagen oder nach wissenschaftlicher
Basis dazu gesucht. Alles, was ich weiss, ist, dass die Menschen in
meinen Träumen keine Gesichter haben, nie hatten.
Ich
spĂĽre meist eher, wen ich um mich habe, oder sie tragen besondere
Kleidungsstücke, die mein Gedächtnis eindeutig mit Person X verbindet,
oft ist aber nicht
mal das so.
Meistens
haben die Menschen, von denen ich träume, auch körperlich-äusserlich
wenig mit denjenigen zu tun, die sie im „wachen“ Leben sind, zu tun. Ich
weiss dann,
dass ist Person X, obwohl sie weder so gross ist noch in irgendeiner
anderen Weise an X erinnert. Ich habe gelesen, dass das aber tatsächlich
normal sein soll. FĂĽr einen Traum, das emotionale Verarbeiten ist es
unerheblich, „wer“ da konkret steht, solange
das unterbewusste Erleben weiss, „wer“ da steht. Irgendwie kompliziert.
Aber auch interessant. Woran „erkenne“ ich jemanden, wenn ich ihn nicht
„erkennen“ kann? Ich weiss, wer du bist, auch wenn du nicht du bist.
Dazu muss ich auch immer an den Anime „Kororo
Connect“ denken, und daran, dass dort die Frage aufgeworden wird, wer
der Mensch ist, wenn er äusserlich ein anderer ist, und innerlich nie
wusste, wer er war. Wenn ich immer nur Theater spiele, mich anpasse, und
dann plötzlich in einem anderen Körper stecke
– bin ich dann noch „ich“?
Aber
vermutlich spielt das alles gar keine so grosse Rolle in Träumen.
Vieles, was da logisch ist, erscheint höchst seltsam in wachem Zustand,
wieso also nicht
auch die Wahrnehmung von Menschen und ihrer Identität? Vermutlich
spielt nichts eine wirklich grosse Rolle. Und doch.. ich träume. Ich
träume und nehme wahr und erinnere mich Jahre später noch an dieses
Gefühl, trage diese Emotionen mit mir herum und möchte
manchmal weinen, weil es mir scheint, ich trage eine Ăśberlast an
vergangenen Gefühlen aus einer Zeit, einer Realität die nicht der
entspricht, in der ich mich gerade befinde. Und mit jedem Jahr wird
alles schwerer. Ich weiss noch nicht, wie ich loslasse. Aber
ich will es lernen.
Ein bisschen leichter gehen. Ein bisschen weniger denken.
Das wäre schön.