Ich mache für Linus einen Adventskalender mit 24 Buchempfehlungen. Also, ich gestalte einen Umschlag und pack einen Zettel rein, auf den ich die Buchempfehlung mit n bisschen Text und so schreibe.
Wir haben ein Buch gelesen von einem Literaturkritikerdude, der über 100 "lesenswerte" Bücher schreibt und das habe ich als Idee für den Kalender genommen. (Ausserdem ist er sehr... selektiv was Essen angeht, weswegen Knabberkram-Süssigkeiten auch nicht so praktisch sind)
Aber, ob es nun die Auswahl der Werke selber ist, die Gestaltung der Umschläge oder das Schreiben des Textes, ich komme einfach nicht drum rum, dass es so getränkt ist von meinen eigenen Ansichten und all dem, was ich mitbringe. Ich schreibe und verliere mich plötzlich in den Zeilen, weiss nicht mehr, ob das jetzt noch objektiv ist oder schon so sehr aus meiner Sicht heraus, dass es nur noch verzerrt ist. Und ich frage mich: Will er das überhaupt lesen? Setzt diese ganze Idee nicht voraus, dass er ein irgendwie geartetes Interesse an meinen Ansichten hat, was, wenn dass so gar nicht der Fall ist? Was, wenn ich mich komplett überschätze und das weder lesenswert noch irgendwie ansatzweise... passing ist?
Und trotzdem schreibe ich weiter, irgendwie getrieben, irgendwie verzweifelt, irgendwie hoffend, dass es ankommt. Und ich lerne über mich selber, ich lese was ich geschrieben habe und kann mich etwas besser sehen, für einen Moment nur, bevor ich wieder völlig verschwinde, verschwimme vor meinem inneren Auge, irgendwo zwischen Farben, Text und Ideen.
Pillar of Salt von Shirley Jackson macht den Anfang. Vorhang auf, für ein Ich aus Salz, aus Sand, wie in "Homunculus", ohne eigene Form, ohne Verständnis für Form, eine, die mir nicht schon vorgegeben wird.
Der Wahnsinn wie selbstverständlich verwoben mit dem Alltag, alles, was ich sehen kann, alles, was ich nicht sehen kann, nur fühlen, erfühlen, ertasten, aber niemals verstehen.
Angst hinter Fassaden, Wahn hinter Zeilen.
Also sind es irgendwie mehr Fenster in Umschlägen als Buchempfehlungen. Ich hoffe, er mag auch diese.
#1: Pillar of Salt von Shirley Jackson
