Moah, ich muss mal mit paar Dingen aufräumen.
Und nachdem ich jetzt ein paar hundertmal im Kopf diesen Text durchgespielt habe, bin ich auch bereit, ihn aufzuschreiben.
Wobei es eigentlich gar keine grosse Sache ist.
Mehrheitlich Dinge, ĂĽber die ich heute nur noch Lachen kann.
Habe Mittwoch(?)abend altes Zeugs auf meinem Rechner durchgeschaut,
und dabei echt altes, echt bescheuertes Zeugs gefunden^^
Zum Beispiel einen Text über Michèl und mich,
der war damals ein(?) Jahr unter mir und wollte Nachhilfe in Französisch von mir.
Relativ schnell hat sich aber rausgestellt, dass er eigentlich mehr an mir interessiert war,
genauer gesagt an der Tatsache, dass ich ein Mädchen bin.
Tatsächlich war das damals meine allererste "sexuelle" Erfahrung,
auch wenn wir nicht soweit gegangen sind, dass wir wirklich Sex miteinander gehabt hätten.
Eigentlich wollte ich das, was er da getan hat, gar nicht, und danach hatte ich furchtbar MĂĽhe damit,
und ich wusste ĂĽberhaupt nicht, wohin jetzt damit.
Ich weiss noch, dass ich irgendwo im SV einen absolut zerstörten Text dazu verfasst habe,
weil ich da drauf einfach nicht klargekommen bin.
Heute.. lache ich darĂĽber.
Ehrlich gesagt habe ich mich gar nicht mehr konkret an diesen Vorfall erinnert,
bis ich eben auf dieses Dokument in den Untiefen meines Lappis gestossen bin.
Ich meine.. mein Gott, das lässt sich wohl wirklich unter "wir waren Jung" verbuchen,
so richtig klassisch "jung und dumm".
Und dafĂĽr, dass ich mein Maul nicht auseinandergekriegt habe, kann er ja auch nichts,
insofern.. hefte ich die ganze Sache einfach ab und lege sie schmunzelnd beiseite.
Da sag doch nochmal jemand, ich sei nie jung gewesen!
Eine weitere Sache, ĂĽber die ich gestolpert bin, die ich schon fast wieder vergessen hatte,
war die Geschichte mit Robert und Niklas.
Streng gesehen sind das ja zwei verschiedene Geschichten, aber es geht ins Selbe hinein.
Robert habe ich komplett erfunden.
Den Mittzwanziger der mir was ĂĽbers Leben beigebracht hat, und dann gestorben ist, 2009.
Hah.
Den gabs tatsächlich nie, und ein bisschen peinlich ist mir das durchaus,
wenn ich mir vorstelle, dass ich einfach so einen Menschen und eine Geschichte erfunden habe.
Aus heutiger Sicht denk ich mir, vielleicht war es der Versuch einer Projektion meines Schmerzes im Bezug auf den Tod meiner Mutter.
Spannend ist nämlich, dass Niklas, und den hat es tatsächlich geben, ebenfalls 2009 gestorben ist.
Mit Niklas war ich im Firmlager in Fischingen,
ich hatte aber bis auf diesen Umstand keinen näheren Kontakt zu ihm.
Meinem (ersten) Internettagebuch im SMF habe ich aber erzählt, dass er mein erster Freund gewesen sei,
bis er dann gestorben ist.
Was.. chronologisch mal absolut nicht hinhaut,
zumal ich erst 2010 von seinem Tod erfahren habe.
Ich vermute, die Tatsache, dass ich den Tod meiner Mutter auf keiner einzigen Ebene irgendwie verkraftet habe, damals schon dreimal nicht, habe ich mir irgendwelche Sinnbilder gesucht,
etwas, wo ich so tun konnte, als wäre ich traurig,
damit ich mich nicht mit dem auseinandersetzen musste, was mich wirklich traurig gemacht hat.
Interessanterweise (oder logischerweise?) habe ich diesen Blödsinn aber nur meinem Tagebuch erzählt,
praktisch gesehen war das also wirklich nur eine Wahrheit fĂĽr mich alleine,
von der ich vermutlich eigentlich wusste, dass es nur ein Ersatz ist.
Irgendwo in besagten, leider nicht mehr existenten Onlinetagebuch fliegt auch ein Text rum, wo ich geschrieben habe, meine Mutter hätte mir irgendeine total schräge Geschichte erzählt und das ich daraus gelernt hätte, mich nicht umzubringen.
Absout melodramatisch, absolut kindisch und absolut nicht wahr^^
Es stimmt, die Geschichte gibt es, und es stimmt, ich hab sie mal gelesen.
Aber was meine Mutter in dieser Geschichte zu suchen hatte, verstehe ich heute selber nicht mehr.
Ich weiss auch gar nicht, wann das Ganze aufgehört hat.
Wann ich schlussendlich eingesehen habe, dass mir das nichts bringt.
Ich weiss nur, dass ich es nie vollständig "aufgeklärt" habe,
und das hole ich jetzt nach.
Ich kann echt nix tun ausser zu lachen, wenn ich das lese.
Ich mein', meine Güte Jin, das ist schon irgendwie ein bisschen erbärmlich.
Der Kopf tut echt seltsame Dinge, wenns um nicht aushaltbaren emotionalen Stress geht.
Wobei ich frĂĽher furchtbar viel gelogen habe,
um mich spannender zu machen oder weil ich nicht wusste, was ich sonst hätte sagen sollen.
Meine Mutter hatte furchtbar viel Ärger wegen meinen Lügereien,
das tut mir heute wirklich leid.
Und ich glaube, auch meine späteren Freunde konnten teilweise nur den Kopfschütteln über die Räubergeschichten,
die ich so erzählt habe.
Lustigerweise bin ich grausam mies im LĂĽgen, grade sowas wie Logik oder Chronologie passt da dann ĂĽberhaupt nicht zusammen.
Irgendwie ist das ja echt ein Geschenk.
Wie gesagt habe ich keine Ahnung, wann und warum genau das aufgehört hat.
Vielleicht habe ich irgendwann wirklich festgestellt, dass ich auch gemocht werde,
ohne das ich spannende Geschichten zu erzählen habe.
Eine schöne Erkenntnis.
Und ich bin allen dankbar,
die mich bis zu diesem Punkt nicht verlassen haben,
trotz meiner teilweise schon fast manischen LĂĽgen.
In diesem Sinne:
Machs gut, Robert. Du hast mir treu gedient, aber jetzt ist Zeit, sich zu verabschieden.
Machs Gut, Niklas. Ich hoffe, du verzeihst mir, dass ich die Wahrheit so ausgedehnt habe.
Rest in Peace.