Montag, 30. August 2021

Schein

Die Leute auf Arbeit sind so unfassbar nett. Ich kann das gar nicht in Worte fassen.
Wie können sie jemanden wie mich einfach so annehmen, sich zeit nehmen für mich und Lösungen finden.
Ich.. weiss nicht, wie mit all der Freundlichkeit umgehen die mir entgegenschlägt. Mit all dem Verständnis für mich und meine Erkrankung. Verständnis für all die Dinge, die ich mir selber nicht verzeihen kann.
Wenn ich nicht aufpasse, dann fang ich noch an ihnen zu glauben.
Das es Lösungen gibt. Das es selbst für jemanden wie mich einen Platz auf dieser Welt gibt.
Trotz all meiner Fehler, trotzdem das ich nicht 100% arbeiten kann, ab und an fehle weil ich unter Starkstrom stehe,
manchmal Dinge 50 Mal fragen muss und sie dann doch wieder vergesse,
ĂĽberemotional und "zu viel" bin. Trotzdem.. trotzdem? Trotz all dem?
Einen Platz fĂĽr mich.
Eine Zukunft.

Es ist so ein unfassbares Privileg das erleben zu dĂĽrfen.

 

 

Samstag, 28. August 2021

Faun II

Mein Therapeut wollte von mir wissen, was ich später gerne machen würde wenn ich frei von Allem wählen könnte.
Wenn ich mal träumen dürfte.

Eine schwierige Frage. Ich habe Mühe damit, mit dem Träumen. Hauptsächlich, weil ich Mühe habe mich selber realistisch einzuschätzen. Aus heutiger Sicht ist mir absolut klar, dass es vollkommen unrealistisch war, Lehrer werden zu wollen. Alles an und in mir ist so ziemlich das Gegenteil von dem was man sein und haben sollte für diesen Beruf. Trotzdem bin ich an die PH gegangen und habe es versucht, und ich habe es /wirklich/ versucht, nicht nur "einfach mal so". Aber manchmal reicht kein Fleiss der Welt aus um Träume zu erreichen. Das habe ich gelernt.
Ich habe mich überschätzt und mir Fähigkeiten zugesprochen die ich nie hatte. Ich war naiv.
Und oft genug bin ich es auch heute noch. Ich bemühe mich aber, mir das immer öfter bewusst zu machen und selber zu merken wenn meine Vorstellung wieder wenig mit der Realität zu tun hat.

Und dann kommt dieser Mann und will, dass ich einfach mal träume.
Ah.. wie weit? Wie sehr? Wie hoch? Wie lang?
In welcher Form soll ich träumen? In welcher Farbe?
Wie soll mein Traum schmecken, wie soll er sich anfĂĽhlen? Welche Grenzen sind ihm gesteckt, sind mir gesteckt?
Ich bin doch nur schon froh, wenn ich meine Ausbildung abschliessen kann, wenn ich es bis dahin schaffe. Wenn ich danach dann auch noch eine Stelle finde, ob auf dem ersten oder zweiten Arbeitsmarkt, eine Wohnung, Geld verdiene damit ich selbstständig leben kann.
Wenn doch nur all das irgendwie möglich ist, dann habe ich alles erreicht was ich möchte.
Ist das ein Traum? Ist das "einfach mal träumen"?
Darf ich.. mehr?
Unrealistisches Zeug.
Eine Mangabibliothek, oder ein Café. Ausgerechnet ich, die ich weder genau arbeiten kann noch irgendwelche Führungsqualitäten besitze.
Keine Erfahrung in dem Bereich - nur Manga, die hab ich.
Bibliotheken sind die letzten öffentlichen Orte wo von niemandem verlangt wird Geld auszugeben oder sich zu Sozialisieren. Es ist egal ob man sich stundenlang alleine in einem Buch vergraben will, ob man es lieber ausleiht und zuhause liest oder sich mit anderen darüber austauscht.
Es wäre ein Leichtes mehrere Räume einzurichten, einen stillen Raum für Menschen die Ruhe brauchen oder schnell Reizüberflutet sind. Eine Café-Ecke wo man alleine oder zu mehrt etwas trinken kann. Thematisch passende Getränke, mit einer Schablone Figuren und Zeichen auf den Kaffee zaubern.
Eine riesige Datenbank an Empfehlungen: "Wenn du XY mochtest gefällt dir vielleicht auch Werk Z."
Menschen, die man fragen kann wenn man nach etwas bestimmten sucht.
Immer jede Woche eine neue Empfehlung des Hauses, eine Art Spotlight für ein bestimmtes Werk. Dazu eine Tafel auf der Gäste ihre Meinung zu dem entsprechenden Manga hinterlassen können.

Und überall: Manga. Egal wo man ist, umgeben sein von diesen kleinen Büchlein die mich so sehr beruhigen und das vielleicht auch bei anderen vermögen - überall, alle Genre, verschiedene Sprachen, mit Doujinshi-Ecke und einer Artbook-Abteilung.

Irgendwie ist das Träumen doch etwas grösser geraten.
Ich weiss, dass es nicht realisitisch ist. Ich besitze kein Startkapital, keine Unternehmensfähigkeiten, kein Organisationstalent.
Ich weiss, dass es nicht realistisch ist, und doch.. kann ich nicht anders als davon zu träumen.
Unverschämt. Direkt. In grossem Stil.

Eine Mangabibliothek.. wär schön.

Mittwoch, 18. August 2021

Blue Phase

Ich liebe mein Buch der Wunder. Meine Erinnerungsenzyklopädie, mein Brockhaus meines Lebens.

Jede Seite ist ein Puzzleteil die im Ganzen mich ergibt, so viele Kleine und Grosse Gefühle die darin stecken. Manches bringt mich zum lächeln, manches zum weinen, manches macht mich melancholisch und manches ein bisschen stolz.
Dieses Buch, diese BĂĽcher sind mein Ich, zusammengefasst auf immer mehr Seiten.

Manchmal schlage ich zufällig eine Seite auf und erinnere mich. An den Moment, den Ort, die Person, den Tag.
Ein Eintrag, der mich jederzeit zum Lächeln bringt sind die zwei Dreads in einem kleinen Zip-Beutelchen.
Die Dreads, die mir Fiore eingehäkelt (??) hat.
Ich erinnere mich an den Abend, halbdunkel im Aufenthaltsraum der Station Pünt Nord in Littenheid. Die einzige Lampe ist die, die auf meinen Hinterkopf scheint. Es ist kalt draussen. Zwei Mitpatienten stehen auf dem Balkon und rauchen, durch die halboffene Tür dringt die Kälte in den Raum. Das macht aber nichts, wir haben Decken und Kissen die Warmhalten.
Im Fernsehen läuft eine Doku über russische Nationalisten, irgendwas sehr Verwirrendes mit für meinen Geschmack zu viel Gewalt.
Fiore sitzt hinter mir auf der Lehne des Sofas, ich spühre seine Schienbeine an meinem Rücken. Seine Hände fahren mir durchs Haar und werkeln mit dem kleinen Häckchen, manchmal zieht es ein bisschen, aber das ist okay. Neben uns sind noch zwei weitere Mitpatient*innen, ab und an kommentiert jemand das gesehene.
Es ist friedlich. Ruhig. Entspannt. Ein bisschen Wehmut liegt in der Luft - morgen ist Austritt. Nach eine langen, langen Zeit hier zurĂĽck in das Leben da draussen, anwenden was man hier gelernt hat. Mitnehmen was geht, emotional und zwischenmenschlich - und eben auch frisurentechnisch.

Diese Dreads werden ein Andenken sein. Nicht nur an diesen Ort hier sondern auch an den Menschen der sie mir gemacht hat, an Fiore. Wir werden nach dem Austritt nicht weiter Kontakt haben. Das wissen wir beide. Das ist aber nichts Schlimmes - es ist eben so. Ein bisschen traurig, man verstand sich ja gut, aber in Ordnung so. Manche Menschen sind nicht dazu bestimmt zu bleiben. Ich nicht in seinem und er nicht in meinem Leben. Ich weiss nicht recht, wie ich das beschreiben soll - eine merkwĂĽrdige Art von Freundschaft. Ist das Freundschaft? Ich weiss es nicht. Es spielt aber auch keine Rolle.

4 Jahre ist das jetzt her. Seither habe ich nichts mehr von Fiore gehört.
Aber jedes Mal, wenn ich die Dreads in dem Beutelchen in meinem Buch der Wunder sehe, muss ich lächeln.

Lieber Fiore

Das hier ist kein Brief. Denn es gibt nichts unausgesprochenes zwischen uns. Danke, dass du ein kleines WegstĂĽck mit mir gegangen bist. Danke fĂĽr die Zeit.
Ich erinnere mich gerne an dich.
Ich erinnere mich an dich.

Alles Gute,
Jin



Dienstag, 17. August 2021

Zusatzseite

 Randnotiz: Oben gibts jetzt den zweiten Inhaltsreiter "Anime Caleidoscope"
Da poste ich parallel zu meiner Facebookseite alles, was ich dort so veröffentliche, hauptsächlich damit nichts verlorengeht. (Facebook macht aktuell furchtbar komische Dinge und die gehen mir auf den Wecker, deswegen bin ich lieber safe than sorry)

Sind auf englisch und mein Englisch ist mitunter ein Abenteuer, sorry im voraus haha


Also Startseite -> Hauptblog, alles wie gehabt

Anime Caleidoscope -> Post-Archiv der Facebookseite

9 inches

 

Ich liebe diese Clowns. Danke, dass ihr Zeit mit mir verbringt. <3

(l.o: Bryn, l.u: Schweri, r.u: Nico)

Montag, 16. August 2021

Through the glass

 Lieber Martin

Heute Nacht habe ich von dir geträumt.
Es kommt sehr selten vor, das ich aktiv von Menschen träume die ich kenne,
in 99% aller Fälle sind es gesichtslose Massenprodukte ohne Namen die ich mehr gefühlsmässig wahrnehme als wirklich optisch oder auf einer Ebene die es mir erlauben würde gezielt einen (mir im wachen Zustand bekannten) Namen damit zu assoziieren.
Aber heute war das anders. Das warst ganz eindeutig du - oder eher, dieser du von vor so vielen Jahren.
Der du, wie du in meiner Erinnerung lebending geblieben bist. Und da war dieses alte GefĂĽhl zu Hause zu sein, egal wo und wann, solange nur du da bist.

Und doch war es anders. Denn wir sind weitergezogen.
Irgendwie, irgendwann ist es zustande gekommen, das wir uns getroffen haben, getroffen und geredet und irgendwie beide unseren Frieden geschlossen. Ich habe mich bei dir entschuldigt und dir gesagt, wie leid mir das alles tut. Was damals war, wie ich mich dir gegenĂĽber verhalten habe. Und ich merke - ja, das wĂĽrde ich dir gerne sagen.

Kein "Wär doch nur alles anders gekommen", kein "ich häng noch immer so sehr daran, dass ich an nichts anderes denken kann", einfach nur eine Entschuldigung. Eine Entschuldigung die nichts ändert, nichts ungeschehen macht, keinen Einfluss auf unsere aktuellen Lebenswege hat - die nur ein bisschen Ballast nimmt, von meinen und vielleicht auch von deinen Schultern.

Ist es egoistisch von mir, dass ich dir das gerne sagen möchte? Weil es mir helfen würde ohne zu wissen, ob es auch dir hilft? Ich weiss es nicht, aber es spielt auch keine Rolle - denn ich kann es dir so oder so nicht sagen. Der Wunsch bleibt, und deswegen tue ich es hier: Lieber Martin. Es tut mir leid. Ich habe mich furchtbar benommen. Es tut mir leid, dass ich dir das angetan habe. Du bist ein Teil meines vergangenen Lebens den ich niemals missen möchte, eine Erinnerung, die trotz all dem Schmerz so viel wunderschöne Gefühle in mir weckt. Du bist Vergangenheit, aber als solche unsterblich.
Es tut mir leid.
Ich erinnere mich an dich.

Alles Liebe,
Jin

Samstag, 14. August 2021

Shino's

 Seit Montag bin ich also nun in der neuen Abteilung und es ist alles so furchtbar.
Das ist grundsätzlich mal nichts Neues, alles was irgendwie anders is als vorher ist für mich ne Weile lang furchtbar, das ist ein Muster, das ich schon so oft an mir selber erlebt habe, dass es mich schon beinah langweilt.
Dennoch gibt es einige Dinge, die extra furchtbar sind.
Einerseits verstehe ich den Arbeitsrythmus und das Vergeben der neuen Arbeiten so 0.
Ich brauche ANWEISUNGEN. Erklärt mir doch mal, wo ich was finde und wo ich mich bedinene kann, wenn ich nichts zu tun hab. An wen wende ich mich damit? Gibts sowas wie ein "Für zwischendurch"? Was tu ich denn, wenn ich leerlauf habe?
Grundsätzlich sind das Dinge, die ich im Gespräch klären könnte. Leider bin ich ein bisschen dumm und hab mich direkt am ersten Tag davon verunsichern lassen, dass es hiess, sich nach Möglichkeit an Mitarbeitende zu wenden da die Teamleiter viel zu tun haben. Aaaah... ugh.

Ausserdem bringen die neuen Menschen wieder neue zwischenmenschliche Herausforderungen und ich bin wieder in erklärungsnot, hey Leute, ich bin nicht unhöflich, ich bin nur ein bisschen dumm. Hallo sagen, Auf Wiedersehen sagen, auf Leute zugehen und nachfragen, offen und souverän wirken und nebenher meinem Ruf als drittlehrjahr-Lehrling gerecht werden.
Wie verhalte ich mich? Hätte ich die erste Pause mit den anderen verbringen sollen?
Wirke ich unnahbar wenn ich immer überpünktlich bin? Ärgern sich die anderen im Büro darüber, wenn ich leise spreche?
Hätte ich die M&Ms annehmen sollen, die mir angeboten wurden? Hätte ich mich ins Gespräch einschalten sollen als sie sich Dinge zur Berufsschule gefragt haben, die ich gewusst hätte?
ist es ihnen unangenehm mit mir in einem BĂĽro zu sitzen Habe ich jemandem den Platz weggenommen der vor den Ferien schon in dieser Abteilung war?
Ein.
Abenteuer.
Ich habe wahnsinnig MĂĽhe mich zu akklimatisieren.

 

Wild.

Montag, 9. August 2021

Susume

Und wenn dann irgendwer von irgendwo aus irgendeinem Grund in den Untiefen des Internets auf ein Gedicht von mir stösst, einen meiner Texte liest und mir schreibt, dass es gefallen hat, dann weiss ich nicht, will ich lachen oder weinen - es hat jemanden erreicht.


Danke.



 

Donnerstag, 5. August 2021

Sweetness and Lightning

 



Amaama to Inazuma
 
 
Ist das so?
Lässt sich das so einfach sagen?
Ist es.. unverschämt von mir, nicht daran zu glauben? Das meine Eltern mich lieben?
Ich, der Störfaktor. Ich, das Zahnrad ausser Betrieb.
Ich, die ich euch nichts als Ärger gemacht habe. Gerechtfertigterweise.. habt ihr mich nie geliebt.
Es tut mir leid.
Ich will nicht unverschämt sein. Undankbar. Ich will nicht stören.
Es tut mir leid, dass ich ein so schwieriges Kind war, ein so egoistischer Mensch.
Das ich, obwohl ihr mich grossgezogen habt, obwohl es mir an nichts fehlte, nicht unkompliziert sein konnte.
Es tut mir leid.

Mittwoch, 4. August 2021

Melodie

Ah Welt
Ich trag einen wolkenlosen, blauen Himmel in der Brust,
ich atme die Melodie des Waldes am späten Nachmittag,
diese wundervolle Stille in all ihren Farben.
Ich sehe auf meine Hände und die Ketten,
die sie umschlingen sind nicht Eisen, sind Eis,
sie schmelzen dahin und ich gehe, laufe, erklimme eine Freiheit die sich mir nur in diesem Moment zeigen mag.

Steh auf, geh, geh! Die Weite duftet nach Regen und Tanz, das schwindende Licht,
es winkt am Horizont, Bäume, Felder - in langsamer Trance der Windströme versunken bilden sie Worte,
Sätze, Melodien die aus mir herausströmen, all diese wunderschönen Momente die mich zum überfliessen bringen, mehr, als ich auszudrücken vermag.
Und wenn der letzte Sonnenstrahl dahingeschieden ist, nicht gestorben, nur gegangen, im Laufe dieser Welt, nicht gestorben weil ich ihn gesehen habe - weil er gesehen wurde, nur vergangen - wenn dieser letzte Strahl aus der Wirklichkeit in mein Erinnern hinübergegangen ist, dann sehe ich die Nacht und weiss, nur heute, nur jetzt, nur grade jetzt kann ich unter diesem Sternenhimmel leben, aufsaugen, einprägen, denn nur jetzt ist hier und nur hier bin ich da. Lebe - erschaffe noch so viele Momente mehr, die in mir zu Worten werden und füllen, füllen, bis ich platze, bis ich überfliesse, auf ein Neues, ab all dieser Schönheit, die die Welt mir zeigt.
Ab all dieser Unendlichkeit, die als Foto in mir weiterleben, weiterscheinen darf.
Ah, Welt.

Manchmal
bin ich
gerne.

Dienstag, 3. August 2021

The cheerful one

Strich fĂĽr Strich
ein Wunder
Welt
auf Papier

Linien
Worte
Bilder
in mir

Die Schönheit
aller Dinge
jetzt genau
hier