Samstag, 28. August 2021

Faun II

Mein Therapeut wollte von mir wissen, was ich später gerne machen würde wenn ich frei von Allem wählen könnte.
Wenn ich mal träumen dürfte.

Eine schwierige Frage. Ich habe Mühe damit, mit dem Träumen. Hauptsächlich, weil ich Mühe habe mich selber realistisch einzuschätzen. Aus heutiger Sicht ist mir absolut klar, dass es vollkommen unrealistisch war, Lehrer werden zu wollen. Alles an und in mir ist so ziemlich das Gegenteil von dem was man sein und haben sollte für diesen Beruf. Trotzdem bin ich an die PH gegangen und habe es versucht, und ich habe es /wirklich/ versucht, nicht nur "einfach mal so". Aber manchmal reicht kein Fleiss der Welt aus um Träume zu erreichen. Das habe ich gelernt.
Ich habe mich überschätzt und mir Fähigkeiten zugesprochen die ich nie hatte. Ich war naiv.
Und oft genug bin ich es auch heute noch. Ich bemühe mich aber, mir das immer öfter bewusst zu machen und selber zu merken wenn meine Vorstellung wieder wenig mit der Realität zu tun hat.

Und dann kommt dieser Mann und will, dass ich einfach mal träume.
Ah.. wie weit? Wie sehr? Wie hoch? Wie lang?
In welcher Form soll ich träumen? In welcher Farbe?
Wie soll mein Traum schmecken, wie soll er sich anfĂĽhlen? Welche Grenzen sind ihm gesteckt, sind mir gesteckt?
Ich bin doch nur schon froh, wenn ich meine Ausbildung abschliessen kann, wenn ich es bis dahin schaffe. Wenn ich danach dann auch noch eine Stelle finde, ob auf dem ersten oder zweiten Arbeitsmarkt, eine Wohnung, Geld verdiene damit ich selbstständig leben kann.
Wenn doch nur all das irgendwie möglich ist, dann habe ich alles erreicht was ich möchte.
Ist das ein Traum? Ist das "einfach mal träumen"?
Darf ich.. mehr?
Unrealistisches Zeug.
Eine Mangabibliothek, oder ein Café. Ausgerechnet ich, die ich weder genau arbeiten kann noch irgendwelche Führungsqualitäten besitze.
Keine Erfahrung in dem Bereich - nur Manga, die hab ich.
Bibliotheken sind die letzten öffentlichen Orte wo von niemandem verlangt wird Geld auszugeben oder sich zu Sozialisieren. Es ist egal ob man sich stundenlang alleine in einem Buch vergraben will, ob man es lieber ausleiht und zuhause liest oder sich mit anderen darüber austauscht.
Es wäre ein Leichtes mehrere Räume einzurichten, einen stillen Raum für Menschen die Ruhe brauchen oder schnell Reizüberflutet sind. Eine Café-Ecke wo man alleine oder zu mehrt etwas trinken kann. Thematisch passende Getränke, mit einer Schablone Figuren und Zeichen auf den Kaffee zaubern.
Eine riesige Datenbank an Empfehlungen: "Wenn du XY mochtest gefällt dir vielleicht auch Werk Z."
Menschen, die man fragen kann wenn man nach etwas bestimmten sucht.
Immer jede Woche eine neue Empfehlung des Hauses, eine Art Spotlight für ein bestimmtes Werk. Dazu eine Tafel auf der Gäste ihre Meinung zu dem entsprechenden Manga hinterlassen können.

Und überall: Manga. Egal wo man ist, umgeben sein von diesen kleinen Büchlein die mich so sehr beruhigen und das vielleicht auch bei anderen vermögen - überall, alle Genre, verschiedene Sprachen, mit Doujinshi-Ecke und einer Artbook-Abteilung.

Irgendwie ist das Träumen doch etwas grösser geraten.
Ich weiss, dass es nicht realisitisch ist. Ich besitze kein Startkapital, keine Unternehmensfähigkeiten, kein Organisationstalent.
Ich weiss, dass es nicht realistisch ist, und doch.. kann ich nicht anders als davon zu träumen.
Unverschämt. Direkt. In grossem Stil.

Eine Mangabibliothek.. wär schön.

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