Donnerstag, 5. Mai 2022

Rogue

 Es sind nun bald zwei Wochen seit Paddy wieder da ist.
Die erste Woche kam ich mir vor wie in einem Traum, ich konnte gar nicht recht erfassen, was da eigentlich passiert. Langsam kommt es an, dass es wirklich so ist: Er ist wieder da. Mein Paddy. Paddy, den ich all die Jahre nie vergessen habe, eines von zwei grossen Leeren in mir. Er ist da. Ich kann ihm schreiben. Jetzt in dem Moment kann ich ihm schreiben, ihn anrufen. Einfach so. Einfach so.
Aber mit der Realisierung kommt auch die Angst. Die Angst, dass es nicht so bleibt. Das er geht. Er sagt mir, er sei nicht mehr so unreif. Er sagt mir, er gehe nicht wieder. Er sagt mir, dass er bleibt. Und ich lese das, ich höre das und kann nicht aufhören mich an den Moment zu klammern. Den Moment, in dem er noch da ist.
Es erschreckt mich - mir war nicht bewusst, dass ich ein derart grosses Problem mit Vertrauen habe. Mir war nicht bewusst, wie sehr ich mich und meine Welt kleinhalte, abdämpfe, runterschraube, nur um nicht verletzt zu werden. Das ist ein bisschen erbärmlich. Ich hatte mich für einen mutigeren Menschen gehalten. Jemand, der auch wagt, ohne zu wissen, wies ausgehen wird.
Daran möchte ich arbeiten. Ich möchte nicht mit dem absoluten Minimum an Vertrauen, Erwartungen, Hoffnung auskommen.
Ich möchte das ändern.
Ich schaff das.