Sonntag, 19. September 2021

Moondust

Glaubst du, wir können einen Unterschied machen?
Glaubst du, wir können etwas bewegen?
Angesicht zu Angesicht mit der Welt und unserer unglaublich insignifikanten Existenz.
Wir, ich, das kleine Wesen das im Laufe der Gezeiten nur für einen Hauch eines Momentes überhaupt da ist.
Was braucht es, dass ich bleiben darf?
In Erinnerung, in der Erinnerung der Welt. Nicht nur der Menschen, denn auch sie sind wie ich nur für den Augenblick eines Augenaufschlages hier, ihre Erinnerung ist löchrig und endlich. Die Welt um mich herum aber erinnert sich für immer.
Was braucht es, um nicht vergessen zu werden?
Was braucht es, um Sinn zu finden? Zu sehen? Zu erfassen?
Alles was ich sehe ist durch meine Wahrnehmung verändert, verdreht, verflüchtigt. Alles, was ich wahrnehme ist vielleicht gar nicht wirklich so, wie ich das glaube. Nichts davon. Nie.
Um zu erkennen, wo ich wann wie bin muss ich so unglaublich nah heranzoomen das ich manchmal gar nicht mehr weiss, warum überhaupt. Wenn doch alles so unendlich kurz ist, meine Zeit hier, die Zeit der Me- |


Mein Kopf stockt. Ich weiss nicht, wohin ich mit diesen Gedanken will. Nicht weit. Denn sie sind zu schwer um weit getragen zu werden.
Ich fessle mich selber.
Und doch kann ich nicht anders, jetzt, in diesem Moment.
Nur für eine Sekunde.
Fullstop.

Samstag, 4. September 2021

Barfuss

Ich habe heute Jay getroffen. Mein Jeremy. Dieser wunderbare Mensch der all diese Jahre an meiner Seite geblieben ist, durch Höhen und Tiefen.

Und ihn zu sehen und zu reden hat mich einmal mehr vor Augen gehalten: Ich lebe. Ich habe überlebt, alles, was ich dachte, werde ich nie durchstehen. Ich lebe, ich rede, ich stehe heute hier und erinnere mich mit ihm, an all den Kram.

Mit Jay war ich das erste Mal richtig schlimm betrunken. Das erste und einzige Mal. Jay war der erste Onlinefreund, denn ich ohne Begleitung besucht habe. Durch Jay hab ich mit dem zocken angefangen (zumindest so halb, als "Zocker" würde ich mich bis heute nicht bezeichnen) und durch ihn hatte ich auch meine abenteuerlichste musikalische Phase überhaupt.
Er hatte viele Probleme mit Drogen, vor allem Alkohol, und ich war so oft hilflos weil ich nicht wusste, was tun. Ich hatte Probleme mit dem Essen, und er war so oft hilflos, weil er nicht wusste, wie er mir helfen kann.
Wir waren beide hilflos, uns selber und uns gegenseitig gegenüber, und doch haben wir trotzdem allem eines getan: Weitergemacht. Irgendwie.

Durch Jay habe ich Hoffnung gefunden wo keine mehr war. Wir haben uns in einem Selbstmordforum kennengelernt, vor etwas über 11 Jahren. Wir wollten beide sterben. Doch was ein Ende hätte werden sollen wurde zu einem Anfang. Der Anfang des Weges, den wir zusammen beschritten haben und noch immer beschreiten. Wir leben. Beide.

Wir haben beide keinen Ausweg gesehen, unser "daheim" war kein Zuhause, wir haben mit uns und der Welt gehadert, all diese Gefühle, die die Welt uns hinwarf nicht verstehen und einordnen können, standen 24/7 und Hochspannung ohne zu wissen, was mit uns passiert. Selbstverletzung, Selbstmordversuche - unsere Biografien waren in vielem ähnlich. Und vor allem waren wir uns darin einig, dass wir keine Zukunft haben. Wir werden nie 20, das waren wir uns sicher. Wir beide wurden 20. Wir wurden 25. Und langsam, ganz langsam können wir glauben, dass wir vielleicht auch irgendwann 30 werden. 

Wir können heute den See entlang laufen und uns erinnern und ein bisschen lachen, weil wir dachten, dass es noch so unendlich lange geht bis wir 18 werden, dass wir nie eine Ausbildung werden machen können, dass wir niemals ein Leben werden führen können.
Das wir heute ein Leben führen. Das wir leben.
Und ich bin so unendlich froh, dass es so gekommen ist.

Lieber Jay

Danke, dass du diese abertausend Schritte an meiner Seite gegangen bist.
Danke, dass du mir so viel Mut und Zuversicht gibst.
Danke, dass es dich gibt.
Danke.

Donnerstag, 2. September 2021

Achtsamkeit

Die Welt ist
schwer
zu tragen
er
tragen
Es ist still.

Weit weg
sein
nicht seufzen
verlaufen
in mir.

Leise jetzt
denn Lärm
ist Realität
die sich bewegt

Realisieren
ich
existiere

immer noch.