Montag, 29. Februar 2016

Tag 4

Erdöl ist irgendwann aufgebraucht.
Wälder sind irgendwann restlos abgeholzt.
Auch Salz- und andere Vorkommen sind irgendwann ausgeschöpft.
Nur die Hoffnung ist unendlich da.


Mein Leben chaotet lustig vor sich hin,
was irgendwie unterhaltsam wäre, würds nicht mich betreffen.
Eigentlich war heute sehr gut.

Angefangen hat der Tag mit... verschlafen!
Yay!
Glücklicherweise nur eine Stunde, aber verschlafen ist eben verschlafen und mein Pflichtgefühl bleibt eben mein Pflichtgefühl, und das pflegt amok zu laufen in solchen Fällen.
Na gut, damit kann ich leben.
Heute war verhältnissmässig wenig los, hatte Einzeltherapie bei meinem zuständigen Psychologen.
Der hat mich beim letzen Aufenthalt schon betreut und ich komm super zurecht mit ihm.
Haben über das Thema Schlaf und dessen Leidigkeiten geredet.
Und ich hatte einige "Aha"-Momente, das war faszinierend.
Es ging darum, dass jeder Mensch sowas wie ein natürliches Radarsystem hat,
das sichert uns ab vor Gefahren wenn wir grade nicht bei vollem Bewusstsein sind.
In anderen Kulturen, beispielsweise welche, die vor offenem Feuer schlafen,
ist es durchaus sinnvoll, nicht allzutief zu schlafen, um im Notfall schnell wach zu sein.
In unserer Westlichen Gesellschaft ist dieses Radarsystem ziemlich durcheinandergeraten,
nicht nur weil wir den Anspruch haben "so jetzt ich Bett und schlafen", sondern auch weil wir uns in vermeintlicher Dauer-Sicherheit befinden.
Wir müssen nicht achtsam sein wenn wir schlafen, weil wir Türen und Schlösser und Alarmanlagen haben,
und der die Wahrscheinlichkeit, dass wir im Schlaf sterben sehr gering ist.
Umso dramatischer ist es, wenn etwas diese Sicherheit durcheinanderbringt.
Beispielsweise ein Einbruch, wenn Feuer ausbricht usw.
Da kann es schnell passieren, dass man quasi dauerhaft auf Alarm eingestellt ist,
obwohl gar keine Gefahr droht.

Das ergibt.. irgendwie total viel Sinn o.o
Die Frage wäre jetzt nur, was zum Teufel treibt mein inneres Alarmsystem dazu, andauernd abzugehen?
Aber es ist ein.. sehr gutes Gefühl, ENDLICH, nach Jahren ohne oder mit nur wenig vernünftigem Schlaf eine Erklärung zu haben,
die über "Joa is son Psycheding, ne?" ausgeht.
Etwas, dass in meinem Kopf wirklich logisch erscheint.
Jetzt heissts, sich damit auseinanderzusetzen woher das wohl kommen könnte.

Der Psychologe hat mir auch angeboten, eine Hypnotherapie zu versuchen,
das ist sowas wie Hypnose, nur ohne.. Hypnose.. :D
Man bringt sich in einen Zustand des Halbschlafes, weil man "da eine ganz andere Logik besitzt als sonst. Das kann sehr viel aufdecken."
Aha, das heisst, im Halbschlaf bin ich total logisch veranlagt, da ich im wachen Zustand gar keine Logik besitze? :D
Spass beiseite. Klingt interessant, aber irgendwie auch gruselig. Ich lass es mir durch den Kopf gehen.

Danach musste ich ins Labor (LABIR) um Blut abzugeben,
die zuständige Pflegerin war erst sehr kritisch, weil man an meinen Armbeugen null garnix sieht,
und dann sehr begeistert, weil mein Blut gut fliesst..^^
Seit jeher habe ich null Probleme mit Blutabnahme, vorallem in der Armbeuge juckt mich das keinen Milimeter.
Es tut nicht mal weh oder ist gruselig.
Aber selber könnte ich mir wohl keine Spritze geben.

Zuletzt hatte ich noch ein Vorgespräch für die Psychodrama-Gruppe.
Wir haben beschlossen, dass ich vorerst nicht teilnehmen werde, da ich als zu instabil befunden wurde,
sowohl von der Gruppenleiterin als auch von mir selber. Macht nix, daran kann man arbeiten.
Mit der Psychologin, welche die Gruppe leitet, hatte ich bisher nie viel zu tun,
hab aber zum Schluss trotzdem die sehr offene Rückmeldung gekriegt,
dass ich total verändert wirken würde, im Vergleich zum letzen Aufenthalt.
Viel offener und irgendwie würde meine Ausstrahlung... leuchten.
Das sei sehr schön.

Ich glaube, ich weiss auch, was sie meint.
Und ich glaube auch, dieses "Leuchten" gegen aussen ist das, was ich an soraka immer total bewundert habe,
es ist so ein.. ein natürliches Verständnis für sich und sein Umfeld.
Das ist etwas sehr wunderbares.
Man strahlt von Innen heraus nach Aussen, wie eine bunte, leuchtende Rüstung die nicht nur mich selber schützt und stärkt,
sondern auch für andere sichtbar das Leben heller macht.
Das ist ein unglaublich schönes Gefühl.

Das Leben ist wertvoll.


Freitag, 26. Februar 2016

Tag 3

Gehirngulasch, wie Dreamer das so reizend formulierte, ist das was mich grade sehr beschäftigt.

Es ist manchmal echt ein Kreuz mit einem Kopf wie meinem.

Habe meine BP (=Betreuungsperson aus dem Pflegeteam) auf den Blog hier angesprochen,
ich wollte einfach sicher sein, dass das Rechtlich soweit okay ist oder ob die das von der Klinik her eher nicht wünschen.
Sie hat ganz normal geantwortet, dass sies bis Dienstag noch genau abklärt und ich dann meine Antwort kriege.
Und jetzt sitze ich hier seit diesem Gespräch und denke mir, ich lass den Blog am besten wieder verschwinden und das es ne selten dämliche Idee war,
und wie ich es mir nur anmassen kann, meine BP drauf anzusprechen.

JESUS!

Generell zerdenke ich grade wieder so unglaublich viel triviales, dass man meinen könnte mir ist zu langweilig im Leben.
Dinge, die mich aktuell akut beschäftigen:


  • Gespräch mit BP wegen Blog; Angst, "wichtigtuerisch" gewirkt zu haben
  • Dumm rumgestanden im Flur; Angst, so gewirkt zu haben als würde ich.. mich nicht trauen XY anzusprechen oder als hätte ich auf wen gewartet
  • Witz vom Pfleger am Morgen; Angst, dass er denkt ich sei merkwürdig weil es so gewirkt hat, als hätte ich den Witz nicht als solchen verstanden
  • Gehen, ohne allen Tschüss zu sagen; Was denken die denn jetzt von mir?
    Zuviel von XY geredet; lieber mal nichts sagen, keiner interessiert sich für XY
  • Im PSE nicht ausgesprochen was ich gedacht habe
  • Ex-Mitstudierende getroffen; Angst, mich seltsam aufgeführt zu haben


Nicht genug, das ich irgendwie mal lernen könnte, nicht so viel drauf zu geben was andere von mir denken,
WIDERSPRICHT sich das auch noch.
Anscheinend kann ich mir selber grundsätzlich nichts richtig machen,
wenn ich was sage ist dumm, wenn ich nichts sage auch.
Juhu!

Aber sonst wars heute ganz gut soweit.
Ich war nur zum gemeinsamen Frühstück da, sonst hatte ich therapiefrei.
Bin aber noch etwas dageblieben, hab mit Menschen geredet und die Baustelle nebenan vom Fenster aus mit Seifenblasen beglückt.
(Stell ich mir generell spannend vor, als Bauarbeiter neben einer Klinik. Lauter lustige Aktionen)

Die Klinik gibt mir einen Rahmen, eine Tagesstruktur. Und wenns halt nur zum Frühstücken ist, ich hab eine fest Zeit zu der ich aufstehe und mehr oder weniger auch eine, wann ich ins Bett muss.
Ich hab feste Aufgaben und einen Wochenplan, der mir genau sagt was wann ist.
Das ist gut, sowas fehlt mir im Moment sehr.
Es gibt Halt.

Wäh.

Donnerstag, 25. Februar 2016

Tag 2

Tag eins existiert nicht.
DIE WELT GEHT UNTER!

Naja, nicht ganz.

Aber die Idee zu diesem Blog kam erst an Tag zwei, deswegen lebt damit c:

Dies hier soll.. ein Kliniktagebuch sein,

ein Versuch meinerseits.
Ausdrücke für Eindrücke finden, Begegnungen und Erlebnisse festhalten und hervorheben,
aufzeigen, wie unglaublich spannend Menschen sein können.
Wie unglaublich freudig manche Tage sind.
Wie unglaublich traurig manche Tage sind.

Berichten, was passiert, in mir und um mich herum.

Das ist nicht spannend, macht euch keine Illusionen.
Aber es ist ehrlich.

Ich bin jetzt seit zwei Tagen (ach ne) hier, als neue Wiederkehrerin, die vor einem Jahr schon einmal die Ehre hatte, diese heiligen Hallen zu bewohnen.

"Hier" ist eine psychiatrische Tagesklinik, heisst, die Patienten sind Tagsüber hier und schlafen zuhause.
Es gibt eine Vielzahl an Therapien, viele Gruppenangebote, einige Einzeltstunden.
Und ganz ganz viel Begegnung mit anderen Patienten, Menschen.

Was mir immer als erstes einfällt, wenn ich eine Klinik betrete, ist, dass diese Einrichtungen immer ein Ort des Lachens sind.

Natürlich wird auch geweint, gebangt, verzweifelt.
Aber es ist der Klang von vielstimmigem Lachen, welcher so viel mehr bleibt.
Es ist so viel einfacher, zusammen ehrlich zu lachen wenn man davor zusammen geweint hat.
Es ist alles so.. offen. So ehrlich. Hier kannst du dich nicht verstecken, du bist offen wie ein Buch, für jeden.
Aber das macht (mir) nichts. Es schafft eine einzigartige Atmosphäre.

Heute hatte ich ein Gespräch mit einer Mitpatientin, die geschätzt älter ist als meine Mutter heute wäre,

die einfach so auf mich zugekommen und mir von sich erzählt hat.
Davon, dass sie solche Angst hat, sich zu öffnen und zu erzählen,
dass sie sich so schnell in die Ecke gedrängt fühlt und denkt, dass sie nichts erzählen darf.
Es war ein sehr intensives Gespräch, über ihre Situation, ihre Tochter und wie schwierig es für sie hier ist.
Zuhören, die Hände der Gegenüber beobachten, wie sie fahrig nach einer Aufgabe suchen,
wie sie sich entspannen und wie ein Strahlen auf das Gesicht tritt, Stolz, Zufriedenheit wenn es um das eigene Kind geht,
Augen die sich niederschlagen, es ist eben doch nicht so einfach, eine (kranke) Mutter zu sein.

Begegnung.

Das macht das Leben reich.