Sonntag, 4. Dezember 2016

Death Parade

Es ist grade so viel los, das ich gar nicht wirklich weiss, wo mir der Sinn steht.

Ich mache mir viele Gedanken um Nicola (ich habe beschlossen, keine Nicknames mehr zu verwenden. Das ist unpersönlich und verwirrt irgendwie nur. Ausserdem können das hier sowieso nur Leute lesen, denen ich vertraue.), vorallem darum, dass er sich zuviele Gedanken macht, über alles und jeden.
Manchmal denke ich mir, er muss sich so tief in fremden Leben und Problemen vergraben um einen Sinn im eigenen Leben zu finden.
Auch wenn ich das natürlich nicht zu 100% weiss.
Ich möchte ihn gerne mehr unterstützen bei seinen Problemen und Sorgen,
aber er ist, wie schon seit eh und je, oft sehr verschlossen und knapp angebunden.
Auch wenn ich ich das Gefühl habe, dass es besser geworden ist über die Monate.
Zumindest was gemeinsame Bekannte angeht, redet er schon viel offener.
Ausserdem rechne ich es ihm nach wie vor sehr hoch an, dass er mich ins Vertrauen gezogen hat was seine Vergangenheit und die damaligen Schwierigkeiten angeht.
Vielleicht auch ein bisschen deswegen will ich ihm so unbedingt zur Seite stehen,
weil ich unbedingt verhindern will, dass es ihm jemals wieder so schlecht geht.
Das hat niemand verdient, und schon gar nicht jemand, der mir wirklich wichtig ist.

Was mich schon zum nächsten bringt, Yami, der ebenfalls Teil von Nicolas Sorgenberg ist.
Dieser Junge ist erst 13 und schon ungefähr so weit im schwarzen Teil des Lebens wie ich in dem Alter.
Ich mag den Jungen sehr, er ist so.. eigentlich ist er so unschuldig und sensibel,
aber mehr und mehr fürchte ich, verlassen diese Eigenschaften ihn.
Und es ist so schwer, an ihn ranzukommen, entweder er verweigert die Aussage total oder er sagt nur Standartzeugs, bei dem ich sofort merke, dass es nicht wahr ist oder eine sehr ausgedehnte Wahrheit.
Ich will ihm wirklich helfen, aber ich weiss nicht wie.

Das betrifft auch alle anderen Leute von Helarion, mit denen ich aktuell täglich zu tun habe.
Dazu kommt natürlich auch immer wieder mein total bekloppter Schädel, der mich glauben macht,
dass ich, wenn ich mal nicht sofort zur Verfügung stehe, vergessen werde von den Leuten.
Manchmal bin ich ein bisschen neidisch auf Nicola, dass er den Kindern da soviel näher steht als ich.
Ich komme mir ein bisschen vor wie hinter einer Glasscheibe.
Ich sehe sie und kann mit ihnen interagieren, höre vielleicht auch was geredet wird,
aber die wirkliche Nähe zueinander fehlt.
Vielleicht ist das auch der Tatsache geschuldet, dass ich die fixe Vorstellung einer familienähnlichen Bande, zumindest im Helarion-Team, habe.
Auch wenn das wohl nicht wirklich fair ist, nur weil ich zuhause oft überfordert bin und nicht weiss,
wie ich mich meiner Familie entgegenstellen soll, versuche ich dieses Bedürfnis nach sowas anderswo zu stillen.
Das wird eh nicht funktionieren und ist irgendwie auch falsch.

Nichtsdestotrotz ist mir dieser Server ein Zuhause, auf eine merkwürdige Art und Weise.
Aber ich bin die Älteste da, ich gebe Zuneigung und Ratschlag, darf aber keine zurück erwarten.
So ist das eben.

Manchmal bin ich auch neidisch auf Kai, weil es ihm irgendwie so einfach fällt, mit Menschen Kontakt zu haben.
Ich meine, ich hätte gerne zu Person x und Person y gerne Kontakt, aber irgendwie klappt das einfach nicht,
und er kann das irgendwie ein fach so.
Vielleicht denkt er auch einfach weniger nach als ich und tut einfach.
Das er manchmal einfach so von Desirée angerufen wird, hat mich ziemlich schockiert.
Ich weiss selber nicht recht, wieso.

Irgendwie krieselts grade wieder ein bisschen in meinem Kopf,
was meine Identität angeht.
Ich fühle mich manchmal so unsichtbar, wie das alte Phantom, das ich so lange gewesen bin.
Ein paar hundert Namen online, ohne Stimme und ohne Gesicht.
Alles, was da ist, sind die Worte, die Buchstaben und das kalte, grau-blaue Gefühl, alleine zu sein.

Manchmal wünsche ich mir echt, meine Komplexe wären nicht so schlimm.
Das entspricht absolut nicht meiner Vorstellung eines guten Menschen.
Meine Betreuerin predigt mir immer, dass nicht existentes Selbstvertrauen eben nicht über Nacht wächst,
und ich dem ganzen ganz viel Zeit geben und Geduld haben muss.
Das weiss ich ja auch, und ich will dem auch Zeit und Geduld widmen.
Aber das ändert nichts dran, dass ich nicht der Mensch sein kann, der ich gerne wäre.

Wäre ich denn wirklich gerne so?
Ich meine.. wenn ich es durchs Fernglas betrachte, sehe ich, das mein Idealbild arg mitgenommen ist.
Es funktioniert eben einfach nicht mehr so.
Ich kann mich nicht mehr komplett emotional abschotten und nur der Zuhörer sein,
ich bin eben nicht die stille, aufmerksame Person der ich lange entgegengestrebt habe.
Ich bin eben einfach nicht so.
Und mehr und mehr weiss ich nicht mehr, ob ich das eigentlich wirklich sein will.
Ich weiss, das es total ungesund ist, sich nur um andere zu kümmern und sich selber zu vergessen,
das ist ja auch das, was ich Nicola immer predige. Oder generell allen, die mit sowas zu mir kommen,
Es ist ja auch wahr so.

Manchmal denk ich mir, wer ich eigentlich bin, dass ich anderen sowas rate, obwohl ichs selber nicht kann oder weiss.
Vielleicht bins ja auch viel eher ich, die sich in die Leben anderer flüchtet.
Keine Ahnung.

Aber es ist eine neue Runde Minecraft-Varo gestartet und da gucke ich gerne zu.
Das ist schön.

Ansonsten.. ist es im Moment echt kalt.
Noiz versteht mich.

(Wer rennt hier eigentlich vor was weg?)





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