Samstag, 16. September 2017

Die Aliens

“Probably,” He admits. “I think…I’m still struggling with what’s inside my heart of hearts.”
“Heart of hearts?”
“You know—like, the deepest part of myself. What will make me happiest? If I’m not doing what makes me totally happy—if I know for sure I would be happier doing something else, could I still live a satisfying life?”
“How do you figure that out?”
“I mean…some people don’t.” It’s true. It’s scary, too. “I think it’s really hard for people to know what they really want. But I also think that anyone can do it. I just haven’t yet.”


The Next Serveral Months Are Very Confusing | miyaji_08 | archiveofourown.org




Die letzten Tage waren kompliziert.
Am Dienstag hat Jil sich erneut versucht das Leben zu nehmen.
In ihrem Zimmer auf der Station, quasi direkt vor meinen und Yasemins Augen.
So halb.

Ich kenne leider die genauen Details nicht, weil sie sich seither komplett weigert, mit mir zu reden.

Alles, was ich weiss, ist das wir sie den ganzen Tag kaum gesehen haben,
und irgendwann hoch sind um nachzuschauen.
Sie meinte, sie kommt gleich raus und ging noch kurz ins Bad,
wobei sich "kurz" als.. keine Ahnung, das waren etwa 15 Minuten (?) herausstellte.
Als sie dann wirklich die Tür geöffnet hat, sah sie sehr.. daneben aus?
Ihre Augen  waren völlig unfokussiert, sie konnte kaum zwei zusammenhängende Wörter sagen
war nicht in der Lage, auf unsere Fragen logisch zu antworten und konnte sich nicht gerade auf den Beinen halten.
Als wir dann gehen wollten, meinte sie plötzlich, sie gehe doch wieder zurück und hat uns die Tür vor der Nase zugeknallt.
Ach, genau.
Und sie meinte, sie fĂĽhle sich irgendwie sehr.. tod.

Und weil das bei uns alle Alarmglocken hat klingeln lassen sind wir zur Pflege und haben gemeldet,
das sie irgendwie sehr komisch wirkt.
Spätestens als die eine Pflegerin in ihr Zimmer ist und mit ihr geredet hat, wieder rausgekommen ist und uns weggescheucht hat, wussten wir, das wirklich was nicht stimmt.

Offenbar, und diese Info haben wir von einer Drittperson erfahren,
hat sie zuerst haufenweise Medis geschluckt und weil das offenbar nicht schnell genug einen Effekt gebracht hat,
hat sie, als sie "kurz" im Bad war, eine halbe Flasche Shampoo getrunken.
Ich meine... holy fuck, als ich mich damals mit Putzmittel umbringen wollte hab ich vielleicht.. einen viertel getrunken, maximal, und da war es mir schon komplett unmöglich nicht zu erbrechen,
ich habe nicht die geringste Ahnung wie sie das hingekriegt hat.

Ja, auf jeden Fall wurden wir weggescheucht und um uns abzulenken sind wir spazieren gegangen,
Milosh hat sich angeboten auch mitzukommen.
Als wir zurĂĽckkamen war Jil weg und keiner konnte uns irgendwas genaues sagen.
Das war grossartig.
Nicht.

Später haben wir dann von Sabrina erfahren, dass sie gesehen hat,
wie sie zur Akutstation rĂĽbergebracht worden ist.
Wir wissen allerdings bis jetzt nicht, ob sie vorher im Krankenhaus war oder nicht oder was ĂĽberhaupt irgendwie gelaufen ist.
Wir wissen eigentlich GAR nichts.

Wir hatten sehr gehofft, dass sie auf der Akuten bleibt.
Sie hat mich später am Abend dann noch angerufen und war sehr verwirrt,
konnte zwar wieder vernĂĽnftiger sprechen aber war nicht in der Lage, logisch zu denken.

Am nächsten Morgen hat sie sich dann selber entlassen und ist Nachmittags mit ihrem Vater nach Hause gefahren.
Das ist so grossartig, ehrlich.
Dieses Mädchen hat sich innerhalb von zwei Wochen zweimal versucht das Leben zu nehmen,
und kann sich einfach so selber wieder gehen lassen.
Wow, gg

Und das ist jetzt eigentlich die Situation.
Mehr als das wissen wir nicht, weiss eigentlich keiner, mit dem wir geredet haben.
Das mit den Medis und dem Shampoo haben wir von Lucy erfahren,
und Gott allein weiss, warum sie das IHR erzählt hat, ausgerechnet, und nicht uns oder was-weiss-ich-wem.
Milosh von mir aus, oder Virginia oder so.
Aber warum tf jemandem, der weder involviert war noch irgendwie speziell nahe stand zu ihr?
's ergibt einfach 0 Sinn.

Und jetzt.. ja, wir schreiben schon, aber sie will ums verrecken nicht sagen,
was da genau los war und sowieso.
Yasemin meint, sie hat wohl einfach ein schlechtes Gewissen.
Aber ehrlich mal, ich hab Jil jetzt wirklich gut genug kennengelernt, um einigermassen einschätzen zu können was grade los ist wenn ich sie um mich habe.
Aber das ist einfach so.. ein complete void und es macht mich wahnsinnig.
Ich "empfange" nichts von ihr, keine GefĂĽhle, kein gar nichts und das ist so friggin irritierend und... es macht mich wĂĽtend?`
Vielleicht?
Vielleicht macht es mich auch traurig.
Irgendwie hab ich den Zugang, den ich die letzten Wochen zu mir hab schaffen können, relativ instant wieder verloren.
Und ich fĂĽhle eigentlich gar nichts wirklich.

Am Donnerstag hatte Yasemin dann Austritt und um vier nach der Gruppe kam Virginia zu uns und meinte, sie sei eben rausgeworfen worden und gehe jetzt.
Ich meine.. was?
Und die Geschichte ist zusätzlich so unglaublich verworren weil Virginia und die Pflege unterschiedliche Stories erzählen und letzlich haben wir eben tatsächlich keine Ahnung wer sie eigentlich ist.
Wir sind nur Menschen die das Schicksal fĂĽr 8 Wochen unter dasselbe Dach gewĂĽrfelt hat,
und wir mögen uns oder mögen uns nicht, manche sind wir froh wieder loszuwerden und an anderen hängen wir verzweifelt.
Aber eigentlich.. wissen wir bei beiden nicht wirklich, wen wir vor uns haben.
Diese Menschen können alles sein und nichts.
Sie können uns alles erzählen und nichts.
Ich mag Virgy absolut total gerne, sie ist so ein Schatz.
Aber ich kann nicht mit gutem Gewissen sagen, sie zu kennen.
Und das ist das Problem an der Sache.
Während andere ganz klar ihre Position beziehen, gegen das Team wettern oder sich klar vor das Team und ihre Entscheidung stellen, steh ich irgendwo dazwischen.
Ich mag sie, aber ich weiss auch, dass das Team nie einfach so aus einer Laune heraus entscheiden wĂĽrde.
Und wir wissen nicht was dazwischen alles gelaufen ist.
 Kompliziert.

Ausserdem wurde mein Antrag auf einen zweiten Aufenthalt so halb stattgegeben.
Ich krieg keinen direkten Wiedereintrittstermin, sondern werde auf "Probe" rausgeschickt,
und wenns nach zwei, drei Wochen nicht funktioniert kann ich zurĂĽck, und ansonsten.. bleib ich draussen.
Ich kann die Entscheidung nachvollziehen und bin dankbar fĂĽr die Chance, die ich erhalte.
Es ermutigt mich, das diese Menschen daran glauben, das ich es schaffen kann.

Und trotzdem bin ich ziemlich zusammengebrochen als meine Bezugsperson mir das so gesagt hat,
es war einfach.. alles etwas viel?
Erst Jil, dann Virginia, dann der Antrag und die generell gespaltene Stimmung in der Gruppe.
Auisserdem befĂĽrchte ich Druck von meinem Vater und seiner Frau,
weil sie wollen das ich sofort wieder Arbeiten gehe oder es zumindest versuche und mich direkt da reinschmeisse und ich mich dazu einfach noch nicht bereit fĂĽhle.
Ich habe mich wegen Freiwilligenarbeit erkundigt, und in der Umgebung gibts genau.. sich mit einem PandakostĂĽm am WWF-Lauf blicken zu lassen (kein Witz) und die Spuren der Biber suchen und protokollieren (auch kein fuckin' Witz). Wow, danke, das will ich unbedingt machen.
Die Dargebotene Hand hätte ein Angebot für den Telefondienst, aberrrrr... in Biel und dafür müsste ich Französisch können. Was ich nicht (in diesem Masse) kann.
Ich werd da die Tage noch mal nachschauen, in der Hoffnung, das sich was intelligentes findet..^^

Plus der Austritt von Yasemin, der schon.. rigendwie schwierig war fĂĽr mich.
Der von Jil natürlich auch, unbeachtet der restlichen Umstände.

Immerhin habe ich jetzt 13 Wochen 24/7 mit diesem Mädchen zusammen verbracht,
mit Ausnahme der letzten 7 Wochenenden und den 8 Tagen die ich dazwischen zuhause war.
Aber es ist schon.. wenn du so lange auf relativ engem Raum (zuerst im selben Zimmer, dann einfach auf derselben Station) zusammenlebst, dann.. lernst du dich schon rigendwie sehr gut kennen.
Und Jil ist schon was besonderes fĂĽr mich.
Es ist so.. einfach(?) mit ihr, die Kommunikation ist so freaking easy, ich hatte von Anfang an nie irgendwelche Bedenken oder Ängste ihr gegenüber.
Ich kann mit ihr umgehen und reden wie ansonsten eigentlich nur mit Menschen die ich 10+ Jahre kenne.

Aber auch hier - so nahe man sich auch zu stehen glaubt,
wir sind letztlich nur flĂĽchtig Bekannte, die eine kurze Strecke ihres Lebens miteinander geteilt haben.
Es gibt absolut keine Garantie dafĂĽr, was jetzt, nachdem wir uns nicht mehr dauernd sehen, wird.
Es gibt keine Garantie fĂĽr garnichts.

Ich hab heute auch mit Yasemin darĂĽber geredet.
Vorallem auch darĂĽber, wie das irgendwie.. was anderes ist fĂĽr uns.
Sie hat ihrer Mutter von Jil und ihrem Versuch erzählt,
und die Mutter war sehr geschockt und traurig, aber eben auf einer anderen Ebene wie wir.
Ja klar, wir waren auch entsetzt und getroffen, aber.. irgendwie ist es trotzdem so, als hätten wir es insgeheim erwartet?
Ich glaube, der Preis unserer Welt ist, das wir insgeheim wissen, das jeder Mensch, oder fast jeder, seinen Tag X hat, und wenn er da ist, dann nehmen wir ihn mit einer Stärke, die wir uns ewig lange im voraus aufgebaut haben, aus dem Wissen, das dieser Tag irgendwann da sein wird.
Es ist einfach so.. du bist schon entsetzt, aber du hast es auch irgendwie erwartet.

Vielleicht kĂĽhlen wir auch nur blitzschnell unsere GefĂĽhle um ein paar hundert Grad runter,
um nicht zu spĂĽren, was es mit uns macht,
und reden uns dann ein, das wir es erwartet haben.

Wer weiss schon, was wirklich stimmt?


DafĂĽr hatte ich heute eine sehr nette Unterhaltung mit meiner kleinen Schwester,
ĂĽber Manga und Oikwa und Anime und Oikawa und Flachwitze und so.
Das war toll.
Auch wenn Brigitte uns am Tisch immer wieder Blicke zugeworfen hat,
und ich mich gefragt habe, ob sie jetzt sauer ist, weil wir ne "Ego"-Unterhaltung fĂĽhren,
oder ob das Zufall ist.
Ich habe mich nicht getraut, offen nachzufragen.

Aber das Gespräch (Die Gespräche?) war sehr positiv und hat mich sehr gefreut.





Long live Oikawa!




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