So viele Farben und Geräusche und Gerüche und Dinge die wahrgenommen werden wollen,
das macht so müde.
Es fühlt sich an wie körperlicher Schmerz mit Menschen in Kontakt zu kommen,
es ist so anstregend das alles im Leben ein Muster hat.
Der Baum mit seinen Ästen und die Äste mit den Blättern dran und die Blätter mit ihrer Grünfärbung,
und die Ente auf dem Fluss hinterlässt kleine Wellen die sich brechen an Steine die wiederum ein Muster in sich selber ergeben.
An der Uni haben sie uns beigebracht, dass wir die Kids auf die Muster der Natur aufmerksam machen sollen,
weil Mathe und so dann später einfacher ist, da auch das Muster folgt.
Ganz ehrlich, klingt gut, aber manchmal ist dieses Musterzeugs soo eine Last.
So anstregend und auslaugend.
Es ist so anstregend all diese Gefühle wahrzunehmen und einzuordnen,
es ist so anstregend das auf alles unmittelbar eine Reaktion folgt.
In solchen Momenten wünsche ich mir von Herzen auf Kaitos Bett zu liegen und einfach zu sein.
Kai liegt neben mir oder liest was oder erzählt was, Kaito ist am zocken und es läuft Rage oder Duskmachine oder so im Hintergrund.
Zwischendrin Gelächter und Stille.
Es ist einfach so... friedlich und nicht überfordernd.
Sie fühlen wie ich und wissen es zu schätzen wenn die Welt kurzzeitig ausgesperrt wird,
wenn wir in diesem luftleeren, weltlosen Raum einfach nur sind.
Wo ich die Augen schliessen kann ohne das mir mein Kopf dumme Bilder schickt,
wo ich in Gedanken jedes Szenario durchspielen kann ohne das es kaputt geht.
Sonst hab ich damit viel Mühe,
wenn ich mir vorstellen will, wie jemand rennt, dann fällt die Person immer um.
Wenn ich mir vorstelle, wie ein Pferd über einen Zaun springt, ist es plötzlich Stacheldraht und das Pferd verletzt.
Wenn ich mir vorstelle wie jemand einen Stein in die Hand nimmt, zerbricht er immer.
Da ist das nicht so.
Und ich muss nicht reden, aber ich darf.
Und ich muss nicht wach sein, aber ich darf.
Und ich muss nicht fröhlich sein, aber ich darf.
Und ich muss nicht erwachsen sein, aber ich darf.
Ich bin da frei.
Frei meine Kuscheltiere zu lieben und die Welt mit Händen zu erkunden,
das liebe ich so.
Ich erlebe die Welt furchtbar gerne mit den Händen,
es gibt so viel Spannendes zu ertasten.
Oberflächen, Formen, Muster, Temperaturen und Materialien,
und es überfordert mich so nicht.
Mit geschlossenen Augen nur mit den Fingern ist mir die Welt am liebsten.
(Lustigerweise fände ich es sehr schlimm wenn ich permanent blind wäre, einfach nur weil es ein Sinn ist, der mir, jetzt wo ich ihn habe, als wichtiges Übel zum Zweck erscheint.)
Ich hab in der Klinik eine Fühlbox gebastelt wo ich ganz viel verschiedenen reingepackt habe.
Stoff, Sand, Muscheln, Holz, Filz, Moos und Tannenzapfen.
Wenns mir scheisse geht dann schliess ich die Augen und greif da rein,
und es beruhigt mich total.
Ich mag es auch total die Ärmel vom Alienpulli um meine Handgelenke zu ziehen und den Stoff auf der Haut zu spüren, ihn einfach wahrzunehmen.
Tatsächlich mag ich es auch, Dinge über meine Lippen zu spüren.
Ich glaube, das liegt einfach dran dass es eine sehr sensible Stelle ist.
Es ist mir peinlich, zuzugeben das ich das mag, es gilt als "unschick" und kindlich.
Ich kaue auch gerne an meinen Nägeln, weil ich dann eine relativ akzeptable Ausrede habe warum ich meine Finger im Mund hab.
Ich weiss nicht, entweder bin ich zeitweise einfach auf dem Stand eines Kleinkindes oder.. ich weiss nicht. Bin eben doch nicht so ganz 100 im Kopf.
Ich hab mich einfach furchtbar dran gewöhnt so zu tun als wär alles okay das das alles gegen aussen gar nicht wirklich bemerkbar ist.
Diese Seite an mir kennen nur die Kais, weil sie so offen und ehrlich gleich sind.
Nur das sie es nicht verstecken.
Kaito geht einfach nicht zur Schule/Arbeit wenn ihn am Morgen das Universum erschlägt,
Kai stellt sich in aller Öffentlichkeit vor mich hin und stupst mich mit der Nase an weil er das mag.
Sie sind so ungezwungen in dem was sie tun das ich sie so hart beneide das es manchmal schmerzt.
Und gleichzeitig ermöglicht es mir ihnen gegenüber zu 100% offen zu sein.
Ich teile so viel mit diesen Menschen das ich meine Gefühle ihnen gegenüber gar nicht ausdrücken kann.
All die Zeit die wir zusammen verbracht haben, der Sommer bei Alpha als ich Kai zum ersten Mal gesehen hab,
das erste Sylvester bei Kaito wo sich seine Ex in seinem Bad umbringen wollte,
als Kai endlich beim Vater ausziehen konnte und die Uni beginnen,
als ich fast einen Monat im Sommer bei Kaito war, nachts wach geblieben bin um sicherzugehen das er sich nicht am nächsten Balken aufhängt, und geschlafen habe wenn er tagsüber unten bei seiner Mutter oder in der Schule war.
Als Kai Nachts um 4 fast den Krankenwagen gerufen hätte weils ich so schlimm dissoziiert bin und nicht mehr ansprechbar war.
Als Kaito seinem dunklen Ich begegnet ist und schreckliche Angst vor sich selber hatte.
Als es mir richtig dreckig ging in der Beziehung mit Vin und Kai immer ein offenes Ohr hatte für mich,
obwohl er selber in mich verliebt gewesen war,
als Kai seine innere Wüste überwunden hat und endlich mit sich selber ins Reine gekommen ist.
Als wir Nachts um zwei im Wald Wettrennen gemacht haben und am See fest überzeugt waren,
dass uns die Welt nichts anhaben kann.
Nachts ist alles so schön ruhig und dunkel.
(Gleichzeitig habe ich furchtbare Angst im Dunkeln, es ist ein Traum)
Ich hab so viel erlebt mit diesem Menschen und ich fühle mich ihnen so nah.
Sie sind mein sicherer Hafen.
Interessanterweise fühle ich mich auch Weena wieder so viel näher seit wir kein Paar mehr sind.
All diese positiven Gefühle sind wieder voll da und ich geniesse unsere Kontakt so.
Es freut mich von Herzen das wir trotz der Trennung unsere Beziehung auf diesem Level weiterführen.
Er ist so ein unglaublich wichtiger Teil meines Lebens!
And I need a friend, oh I need a friend,
to make me happy,
not stand here on my own.
[...]
You know it feels unfair,
there's magic everywhere.
[...]
No need to run and hide,
it's a wonderful, wonderful life!
Wonderful Life - MajorVoice
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