Dienstag, 7. Juli 2020

Lichtermemory

Langsam, ganz langsam und still beginne ich zu verstehen, dass ich das erste Lehrjahr geschafft habe.
Zum ersten Mal in meinem Leben. Es ist ein bisschen Licht in dieser Dunkelheit,
ein bisschen Zuversicht inmitten von Sturm.
Sturm ist nicht nur schlecht, er ist gewaltig und energiegeladen und schafft Ansporn für Neues,
er trägt Altes mit sich fort und fegt auch noch die hinterste Ecke aus, aber er ist auch tosend Laut und omnipräsent und ermüdend ewig.
Ich lebe im Sturm und lerne, den Wetterbericht zu manipulieren, damit keiner aussen merkt das mein Kopf in den Wolken und mein Herz zwischen Donnerschlägen festhängt.
Ich lerne ein Mauer zu errichten die nicht alles ein und aussperrt sondern durchlässig ist, ein Gewitterkabinett das mir den Blick nach draussen ermöglicht, aber keinen Einblick nach innen zulässt.
Das ist mein Schutzwall, meine Absicherung das niemand erkennt wie es wirklich steht um mich,
das sich niemand sorgt wo Sorge nicht verändern kann ausser zum negativen. Wo ich nicht umzugehen weiss mit den Blicken die mir sagen, dass sie alle hilflos sind weil sie nicht wissen womit sie das Feuer hinter meinen Augen löschen sollen, denn; das müsst ihr nicht.
Es ist niemandes Aufgabe ausser die meine dafür zu sorgen, dass die Flammen genährt werden von dem was ich zu fühlen vermag. Das sie nicht überspringen und meine Umgebung mitverbrennen, wütend immer grösser werden und alles verschlingen.
Es ist niemandes Aufgabe ausser die meine dafür zu sorgen, dass Wind und Wetter und Regen und Blitze in meinem Kopf stattfinden dürfen ohne alles unter Wasser zu setzen was völlig unbehelligt trocken bleiben soll. Was nichts mit meinem Sturm zu tun hat.

Ich habe das erste Lehrjahr geschafft.
Ich habe auch für meine zweite Semesterarbeit eine 6 erhalten.
Ich stehe überall auf einem 5.5 Schnitt in der Schule.
Ich habe viel Lob erhalten für meine Arbeit.

Der Wind heult um meine Ohren und ich höre nichts, vernehme nicht wohin ich gehen soll; aber ich sehe und ich verstehe denn die Worte sind Neonschrift auf Reklamebretter, ein Time-Square nur für mich, Shibuya meines Inneren mit Bilder und Worten und blinkenden Lichtern: ES IST OKAY SO

Und für diesen einene Moment vermag ich das zu glauben. Kurz die Augen schliessen und die Sonne auf der Haut fühlen die durch das Glas meiner Balkontüre fällt, innen ist Sturm, aber mein Wetterbericht steht - für heute - auf Sonne.

Es ist okay so.

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