Für den Deutschunterricht mussten wir einen Text "über uns" schreiben.
Halb zum kennenlernen, halb um noch eine Note zu kriegen, aber ohne grosse Vorgaben und Bestimmungen.
Ich will den Text hier teilen
Die Versuchung, diesen Text mit dem Wort «Ich» zu beginnen, ist gross. Schliesslich soll es darum ja gehen, um mein «Ich». Dass Sätze aber nie mit Ich beginnen sollten, weil das ein Zeichen von Egoismus ist, habe ich irgendwann einmal gelesen, gesagt oder eingebläut gekriegt – deswegen erscheint mir «Die» ein guter Ersatz.
Wer ist das denn, dieses «Ich»? Annährend 27 Jahre unterwegs mit mir selbst scheinen nicht auszureichen, um darauf eine spontane, passende Antwort zu haben.
«Ich» hat viele Seiten, viele Gesichter, viele Ausdrucksweisen. «Ich» ist mehrdimensional, etwas, das mir nur mit Worten wiederzugeben annähernd unmöglich erscheint. Ein bisschen Freude, ein bisschen Trauer, ein bisschen «Damals», «Jetzt» und «Morgen» fliessen da mit ein, ein bisschen bescheuert-sein und ein bisschen Schwermut. Letzteres mag dafür verantwortlich sein, dass ich mich der Farbe Indigoblau besonders zugetragen fühle. Nichts so richtig, weder blau noch violett, aber doch eigenständig mit eigenem Namen. Dass das Blau im Namen erhalten blieb erscheint mir passend – Blau, die Ballade unter den Farben die gleichermassen Wehmut und Freiheit symbolisiert.
Blau wie das augenscheinliche
Wasser, dieser Lebensquell, das mit seinen Gezeiten und seinem unbeugsamen
Existieren eine besondere Faszination auf mich ausübt.
Ich bin gerne am Wasser und
empfinde dessen Geräuschkulissen als sehr beruhigend. Allgemein kann ich mich
wohl als ein eher auditiver Mensch bezeichnen. Mich begleitet nicht nur das,
was allgemeingültig als Musik bezeichnet wird, ständig, sondern auch die Geräusche
aller Dinge. Diese ganz eigene Melodie, die jeder Sache innewohnt und dazu
einlädt, kurz zu verweilen. Ich mag es, Dinge zu hören und zu erspüren, sie zu
erfahren mit mehr als blossem Auge. Taktil-Affinität ist es wohl auch, die mich
dazu bringt, die Welt in all ihren Konsistenzen, Oberflächen und Materialien
erfahren zu wollen – diese Welt, die aus so unendlich vielen verschiedenen
Aspekten besteht und so viel mehr ist als ich nur zu sehen vermag.
Diese Welt und ihre Eigenheiten an andere weitertragen war auch einer der Beweggründe, weshalb ich mich für ein Studium in Sonderpädagogik entschied. Jungen Menschen auf ihrem Weg in diese Welt unterstützend zur Seite zu stehen erscheint mir als eine ehrenwerte Aufgabe, insbesondere für diejenigen, die nicht an der Startlinie anfangen konnten sondern weit dahinter, weil die Rahmenbedingungen einen «normalen» Start nicht erlauben konnten. Freundlichkeit lehren, Freundlichkeit und Gutherzigkeit vor allen Dingen. Denn Freundlichkeit ist wie Schnee, es macht alles, das es berührt so unendlich viel schöner.
Dieser innige Wunsch, den jungen Menschen Werte mitzugeben, die sie über die Schulzeit hinaus mitnehmen können, ist mir bis heute geblieben, auch wenn der Weg zum selbst Unterrichten nicht so funktioniert hat, wie ich mir das vorgestellt hatte. Denn wie könnte ich auch anderen Wege aufzeigen die ich selbst noch gar nicht gefunden habe? So bin ich irgendwie in dieser Ausbildung gelandet – eine Tasche voll mit Erfahrungen und Wünschen aus meinem Studium, meiner Schulzeit an der Fachmittelschule Schaffhausen und all den Büchern, die ich verschlungen habe in der Hoffnung, dass sie mir ein Stückchen mehr von diesem «Ich» zeigen können, das ich doch suche.
Jin - «Ich» – Bücher, Musik, hören und spüren, Lyrik und ein bisschen Melancholie – vor allem aber der Wunsch nach mehr Liebe auf dieser Welt. Das bin ich.
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