Sonntag, 17. April 2022

Dragons lair

 Ich will mehr schreiben.


Wenn ich für jeden Post, den ich schon so angefangen habe, zehn Euro kriegen würde, könnte ich mir mittlerweile vielleicht nicht direkt n Haus, aber zumindest n neues Bücherregal kaufen. Ich will ja auch kein Haus. Ich bin sehr zufrieden in meiner kleinen Wohnung. Die fast einen Ticken ZU klein ist, zu voll mit Dingen. Aber ich mag das genau so. Es beruhigt mich. Es beruhigt mich von meinen Büchern umgeben zu sein, nicht allzuviel Platz zu haben, nicht allzuviele leere Wände. Es hat eine Weile gedauert, bis ich rausgefunden habe, dass das so ist.
Von Zuhause her habe ich gelernt, dass Ordnung halten sehr wichtig ist, und es gab immer und immer wieder Ärger mit meinem Vater weil ich es nicht geschafft habe, mein Zimmer ordentlich zu halten. Damals konnte ich noch nicht in Worte fassen, worin das Problem für mich bestand - das es mir vorkommt, als würde ich mich auflösen wenn da nichts ist, an dem ich mich festhalten kann. Dass sich die Leere im Raum in mir wiederspiegelt, dass sich diese Leere tief in mich hineinfrisst und mich selber ganz leer und verlassen zurücklässt.

Ich brauche eine Höhle, ein Bunker, einVersteck. Ich muss mich auf den Boden legen können und jederzeit Bücher in Reichweite haben. Ich muss mich verstecken können, zusammenkauern, mit meinen Händen die Wände und den Boden anfassen, fühlen, spühren - hier bin ich zuhause. Hier darf ich sein.
Mein Zuhause lebt. Ich lebe.

Alle paar Wochen kriege ich nen Rappel und räume um, schmeisse weg, sortiere, ordne, tausche die Poster und Bilder an den Wänden - aber es muss klein bleiben. Klein, ein bisschen verschachtelt, warm.
Die Bücherstapel geben mir Wärme. Sicherheit. Ich bin sicher, hier in meiner Dachzimmerhöhle. Hier inmitten meiner Drachenschatzbücher.

Auch mein Bett ist klein, grade gross genug für mich. Es steht in der Ecke an der Wand unter dem schrägen Dach, da, wo ich mich winzig klein machen kann, da, wo mich Wände festhalten, Ecken über mich wachen. Ich brauche dieses "verkriechen", auch wenn ich selten auf Verständnis stosse damit.

Ich merke, es tut mir gut. Und endlich darf es das auch. Ich darf mich so wohlfühlen. Ich darf es so haben. Ich muss keine Worte dafür haben - Worte, die ich mittlerweile hätte. Lustig, dass genau jetzt, wo ich sie nicht mehr brauche, die Worte dafür da sind. Ich darf einfach so sein.

Unordnung, so mag es anderen erscheinen. Zugestellt. Voll. Für mich ist all das ein Segen. Ich bin sicher. Bewacht. Beschützt.

Ich fühle mich wohl hier.

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