Wundervoll, er spielt 100 Rollen: Schauspieltalent
Einziges Problem ist, dass er sich jetzt auch nicht mehr kennt
Vor lauter Ichs ein frei austauschbarer Mensch
Tua - Feindbild
Meine Welt besteht aus Gegensätzen, und es scheint egal wie sehr ich mich auch um eine Mitte bemühe, sie will einfach nicht gelingen, diese Mitte. Es reicht halt nicht aus, zwischen Gute Nacht, PunPun und Sparkly Lion Boy einfach Sweetness & Lightning zu stellen. Zwischen 1984 und Bis(s) zum Morgengrauen diesen echt weirden japanischen Roman über einen Insektensammler in der Wüste, dessen Name ich vergessen habe, zu platzieren. Symbolisch okay, aber gefühlt? Der Mitte in mir drin ist das egal. Mein Herzschlag-Metronom, dieses niemals stillstehende, zu beiden Seiten ausschlagende Gerät, tick tick tick, tick tack, der Pendel meiner Seele, im zick-zack dazwischen, irgendwo, Ich.
Ganz nach dem Motto «Stillstand bedeutet das Ende» kann auch ich nicht aufhören, immerzu die Seiten zu wechseln, Dinge umherzuschieben, zu werfen, mich selbst umherzubewegen und niemals niemals stehenbleiben – schon gar nicht mittig. «Schwarz-Weiss» denken, die grosse Überschrift, der Aufhänger vieler literarischen Werke, die sich mit meiner Erkrankung auseinandersetzen. BPD – das Leben in Extremen, in Schwarz und Weiss.
In mir ist nichts Schwarz und Weiss. Der Nachthimmel ist Schwarz und Schnee ist weiss, Bücher die ich lese sind Schwarz auf Weiss, aber ich selber? Ich bin nichts so eindeutiges, habe keine klaren Outlines, nichts, was mir mit Kontrast dabei hilft, hervorzustechen.
In mir drin gibt es viele Farben oder gar keine. Ohrenbetäubendes Bunt, totenstilles Nichts, Ganz oder gar nicht – schon eher. Auch wenn «gar nicht» nicht auf derselben Skala stattfindet wie «Ganz». Es sind keine Pole, keine Enden derselben Linie, mir scheint, als existierten beide Zustände in verschiedenen Universen. Als existierte ich in verschiedenen Universen. Jede Emotion eine andere Welt, ein anderes Ich, jeder Moment eine andere Version von mir selber. Tausendfach, Millionen Mal Ich, nicht gespiegelt, eher nachgezeichnet, nicht identisch, aber beinah. Jede dieser meiner Versionen ist als Ich erkennbar, aber trägt doch auch eindeutig die Handschrift des jeweiligen Künstlers, ich, die Idee, die Ausführung.. ich weiss es nicht.
Manchmal weiss ich es einfach nicht. In welchem dieser Ichs stecke Ich? Welche dieser abertausend Seelen ist meine, wirklich, wahrhaftig die, die ich bin? Sind sie es alle, bin ich die Summe dieser Karikaturen, bin ich nicht eins, sondern alle?
Steckt in jeder dieser Abbilder ein Stück meiner Seele? Und sind diese Stücke im Kern alle gleich?
Kann ich mir aussuchen, wie auf Hochglanzbildchen, in Prospekten, welches Kleid ich heute tragen will, welche Seele ich heute nutzen möchte?
Mir die ansehnlichste herauspicken, mit meinen Augen, meinem Empfinden; heute mal so tun als wäre ich Ich?
Heute mal so tun, als wäre ich.
Wer wäre ich, wenn ich nicht jeden Tag aufs Neue nach mir suchen müsste?
Wer bin ich?
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