Donnerstag, 13. Oktober 2022

Milchglasmauern

 Bevor ich mich beschweren kann, dass ich in mancher Menschen Leben keinen Platz mehr habe, sollte ich erst Mal selber Platz für andere schaffen.

Oder eher den Platz auch freigeben, keine Leere horten. Sie kann mich nicht ausfüllen.

Einmal mehr wird mir bewusst, wie kilometerhoch und -dick die Mauern sind, die ich um mich gebaut habe. Mein eigenes kleines Gefängnis aus venezianischen Spiegeln, Wände aus Silberbliss. Ich sehe hinaus, aber keiner sieht hinein, und manchmal vergesse ich das.
Manchmal vergesse ich, dass mich keiner hört, wenn ich still bin, das mich keiner versteht, wenn ich nicht die richtige Sprache wähle.
Das mich keiner sieht, solange ich keinen Schritt nach vorne mache.

Aber ich weiss nicht, wie. Ich weiss nicht, wo anfangen und wo wieder aufhören. Ich weiss nicht, wie das geht; Kontakt. Ich weiss nicht, wie ich diese Mauern eingerissen kriege. Und vielleicht, vermutlich, irgendwie finde ich die Vorstellung auch ein bisschen zum fürchten. Es ist halt so bequem hier, einsam, aber sicher. Aber wovor denn eigentlich sicher? Der, der mir am meisten zusetzt, bin ohnehin ich selber. Ich bin nirgends sicher. Nur alleine - das bin ich hier.

Alle diese wundervollen, wundervollen Menschen, die nie aufgehört haben, mit mir zu reden, auch wenn sie mich schon lange nicht mehr sehen konnten, weiter vor den Mauern sassen und mich, das Phantom, nie zurückgelassen haben - all diese grossartigen Menschen; ich danke euch. Von Herzen.

Ich will mutiger werden. Ich will nicht weiter auf Mauern weiterbauen. Ich will auf Beziehungen bauen. Auf Menschen. Ich will Beziehungen aufbauen.

Ich weiss einfach nicht wie.

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