Sonntag, 21. April 2019

Kafka Asagiri

Nachts, wenn die Gedanken am ungehemmtesten und die Gefühle am tiefgreifendsten sind, so tiefgreifend das ich mir sicher bin, dass sie mich doch bald vollständig ausgehöhlt haben, stelle ich mir Fragen, erinnere ich mich an Antworten, an Dinge, die so furchtbar unwichtig sind.

Und jetzt sitze ich auf Liedern die seit Jahren nicht mehr zu meinem Leben gehören und kreise um Gefühle die nicht mehr zu dem passen, als das ich mich heute erlebe.

Blöde Facebookchallenges, blöde Social Medias, blödes Ich, der ich auch noch mitmache.
Alte CD-Cover posten, Melodien vergangener Tage ausgraben und beinah daran ersticken.
Walzer, zu denen mein Herz tanzte, die mir heute die Beine verknoten.
Ich bin ein bisschen blöd.
Uff.

Auf einem Tischchen neben mir liegt ein Manga, irgendein blöder Yaoi ohne Plot, und "Nora: Ein Puppenheim" von Ibsen.
Und ich schaue auf diese unfassbare Kluft der Ansprüche und frage mich, wo dazwischen ich eigentlich bin.
Wer von diesen Extremen ich sein will, wer ich sein kann ohne früher oder später wieder mit dem Mich-selber-neu-Erfinden anzufangen,
weil ich mir selber hinten und vorne nicht passe.

Ich stelle allerdings fest, das ich wohl doch irgendwie an einen Gott glaube.
Nicht im streng-hingebungsvollen Sinne, eher im.. verzeifelt nach etwas Suchen, das vielleicht gar nicht da ist.
Ich lache über dumme Memes von Jesus und unschmeichelhafte Verunglimpfungen Zeigefinger schwingender Bibelsprüche.
Ich benutze "Amen" öfters als beiläufiges Wort als im wirklich christlichen Sinne.
Aber.. ich glaube, das es einen Gott gibt. Er ist nur nicht so, wie ihn sich die Bibeltreuen vorstellen.
Mein Gott ist ein bisschen moderner. Ein bisschen weniger Mensch.
Der Konstruktivismus flüstert mir, dass diese beide Versionen von Gott - diese alte, bärtige Opa-like und die übermenschliche, wahrlich "göttliches" Wesenartige - nebeneinander existieren, solange auch nur einer an sie glaubt.
Es gibt tausende Götter, millionen. Denn jeder hat seinen eigenen Gott. Jeder hat seine eigene Bestimmung und Hoffnungen, Gott ist nichts Fassbares.
Und ich frage mich, warum mir dieses Thema so auf den Sack geht.
Und seit ich Bungo Stray Dogs weitergelesen habe, weiss ich, warum.
Ich fürchte mich davor, dass es Gott wirklich gibt. Das es ihn gibt, dass er vielleicht auch nur annähernd so ist, wie ich ihn mir ausmale.
Dass es ihn gibt, er mich aber nicht liebt.
Ich fürchte mich zutiefst davor, dass er mich nicht als "Schaf" sieht, in Ermangelung eines besseren Ausdruckes. Dass er mich schlicht und ergreifend nicht liebt, so wie einem erzählt wird, er liebe die Menschen.

Diese Furcht frisst mich auf.
Das ist so dämlich.


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