Donnerstag, 10. Oktober 2019

Schatten

Seit ich angefangen habe, die Welt und die Menschen besser zu verstehen denke ich mir immer öfter, dass ich das doch lieber gelassen hätte.
Ich habe das gefĂĽhl, je mehr ich verstehe, desto weniger verstehe ich.
Je mehr ich höre, desto weniger höre ich.
Je mehr ich fĂĽhle, desto weniger fĂĽhle ich.
Je mehr ich lebe, desto weniger lebe ich.

Ich habe das gefĂĽhl, je mehr Sinn ich im Kleinen finde, umso weniger Sinn ergibt das Grosse.

Ich fühle, mir kommt die Fähigkeit zu kommunizieren, in Kontakt zu bleiben, abhanden.
Ich fĂĽhle, ich werde mehr und mehr Teil dieser grossen Masse an Menschen die nich besonders schlecht und nicht besonders gut sind.
Solche, die nichts verändern, nichts bewegen, nichts verhauen, nichts verlieren.
A waste of space; par excellence

Ich fĂĽhle ich werde ein Mensch, der so neutral ist, dass es eigentlich gar keine Rolle spielt, ob er da oder weg ist.
Jemand, der nichts mehr hinterlässt, weder Gutes noch Schlechtes, nicht in der Welt und nicht in seinem Umfeld.
Was bin ich denn?
Wer bin ich denn?
WorĂĽber habe ich frĂĽher mit Freunden geredet?
Wie habe ich mich frĂĽher verabredet?
Wie habe ich frĂĽher Kontakt gehalten; so viel geschrieben?

Ich fĂĽhle; ich bin leer.
Nichtig.

Plötzlich hat die Woche zu viele Tage, mein Herz zu viele Schläge
plötzlich wird die Stunde zu schwer.
Und plötzlich weiss ich nicht mehr, wer ich bin und vor allem, warum ich bin.
Meine müden Hände klagen der Tastatur ihr Leid, suchen Wörter und Buchstaben und Symbole für etwas,
dass keine Worte und Buchstaben und Symbole hat.

Ich bin mĂĽde.

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