Ich habe versucht, mir zu erklären, warum ich manchmal viel lieber einen Stream von einem Menschen oder Videos angucke als direkt mit Menschen zu interagieren.
Und ich glaube, es liegt daran, dass es eine Einbahn-Strasse ist.
Es gibt mir irgendwie das Gefühl, nicht alleine zu sein, aber ich muss nicht mit meinem "Gegenüber" interagieren. Ich bin anonym, gesichtslos, Wesenslos und es wird auch nicht von mir erwartet, dass ich angebracht auf die mir entgegengebrachten Inhalte reagiere.
Ich kann etwas lustig finden wenn mir danach ist, ich kann aber auch einfach stumpf zusehen ohne dabei viel zu empfinden und es ist in jedem Falle richtig.
Mit Menschen direkt ist das anders. Da lebt die Interaktion von gegenseitigen Reaktionen und das ist etwas, was ich nicht jederzeit leisten kann.
Diese Menschen in diesen Videos tun genau das, was sie tun, was aufgezeichnet wurde, immer un dimmer und immer wieder ohne auch nur einen Milimeter von dem abzuweichen, was ich schon kenne. Weil es eben ein Video ist. Und manchmal ist mir das der grösste Segen.
Wenn ich müde bin von Menschen und dem Leben, wenn ich mich selber grade nicht finden kann sind diese Inhalte trotzdem da wie immer.
Ist das traurig?
vielleicht.
Ich vermag nicht wirklich darüber zu urteilen.
Bei meinem letzten Termin hat mir mein Psychiater eröffnet, dass es vielleicht nicht reicht.
Das ich vielleicht nicht reiche.
Für den ersten Arbeitsmarkt, mein ich.
In Anbetracht meiner Geschichte, der Schwere der Erkrankung und den Entwicklungen des Arbeitsmarktes kann es sein, dass ich nicht das Level erreiche, das ich brauche, um auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuss zu fassen.
Das ist.. schwierig.
Es stand für mich nie ausser Frage dass der Weg dahin führt. Es stand für mich nie ausser Frage dass sich das alles irgendwie einrenkt wenn ich nur hart genug an mir arbeiten.
Wenn ich mir nur genug Mühe gebe und tue was man mir sagt, dann wird das bestimmt werden.
Aber so funktioniert das Leben nicht.
Das habe ich zwischenzeitlich ausgeblendet.
Ich verstehe, was mein Psychiater meint, wenn er sagt, dass es keinen Sinn ergibt auf Biegen und Brechen etwas durchsetzen zu wollen, sondern das es Wichtiger ist, Bedingungen zu schaffen unter denen ich so stabil wie möglich leben kann.
Und wenn diese Bedingungen Teilrente heissen, dann sei das vollkommen in Ordnung.
Ich verstehe es, rational, aber ich will es nicht begreifen.
Ich will nicht einsehen, dass ich gescheitert bin.
Ich weiss nicht, wie ich damit umgehen soll.
Noch habe ich 1 1/2 Jahre vor mir in denne sich noch viel verändern kann.
Vielleicht reicht es ja doch.
Vielleicht aber auch nicht.
Mir bleibt nichts als mich nach Kräften zu bemühen.
Ich bin müde.
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