Ich habe so viele Briefe, die ich schreiben möchte. Briefe, die nur hier ihren Platz finden. Ungeschickte und ungeschickte Briefe.
Aber grade finden meine Finger den Zugang zu den Worten in meinem Herzen nur schlecht.
Der Sommer steht an, der Abschluss der zweiten Lehrjahres und der Anfang des dritten, letzten. Eine Zeit voller letzter Male bricht an. Die letzten Sommer-Betriebsferien. Der letzte Abteilungswechsel. Die letzte Schulwoche mit zwei Schultagen. Die letzte IKA-Lektion.
Später - der letzte Herbst. Der letzte Winter. Das letzte Weihnachten in dieser Wohnung. Das letzte Wochenprotokoll schreiben, die letzte Semesterarbeit.
Ich fürchte mich davor.
Letzte Male machen mir Angst, fast mehr noch als die ersten Male.
Mein Kopf, der am Besten funktioniert wenn Dinge ihren gewohnten Lauf gehen, wenn ich mich auf den Rhytmus meines Alltages verlassen kann, streikt, beim Gedanken an all diese Veränderung.
Und doch, all diese Dinge passieren laufend um mich herum, viele ohne das ich sie bewusst bemerke. Das letzte Mal Produkt X gekauft - weil es danach aus dem Sortiment verschwindet. Das letzte Mal Ort Y besucht - weil ich danach plötzlich keine Verbindungen dahin mehr habe.
Das letzte Mal meinen Lieblingsstift benutzt, weil er dann plötzlich leer oder kaputt geht.
Manchmal macht mich dieser Gedanke verrückt.
Was bleibt? Sich auf das berufen, was bleibt. Das, was nicht geht, kein letztes Mal, kein erstes Mal, clockwork-rhytmisch immer gleich.
Schritte, immer weiter.
Bücher, die um mich herum stehen und liegen, aufgetürmt und eingeräumt, meine Fixpunkte und ich, mitten drin. Die Bettwäsche, die immer gleiche, nach dem Waschen direkt wieder drauf - damit es immer gleich bleibt.
Kleine Dinge, die geflochtenen Armbänder von meiner Schwester und von Yasi, die ewig halten, mich verankern in Momenten in denen ich wegzufliessen drohe.
Die Tattoos, ohne Licht doch Flutscheinwerfer, erhellen den Leermond in mir.
Und immer wieder Bücher. Bücher - hauptsächlich Manga - überall, immer mit dabei, überall, jederzeit.
Felsen sein. Gestein, stetig geschliffen und zurechtpoliert, Felsen sein in den ever-changing Wogen.
Sein.
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