Ich bin dünnhäutig, kaum Papier bedeckt mich, jeder Hauch, jeder kleinste Pieks dringt direkt zu mir durch, und ich habe Mühe all diese Gefühle zu sortieren und wegzupacken.
Wenn ich lese erspüren meine Fingerspitzen die Leidenschaft und die Zeit die in diese Bände investiert wurde, in jeder Linie, jedem einzelnen Punkt steckt so viel Liebe dass ich überfliesse und minutenlang nicht weiterlesen kann, diese Figuren anstarre die so so geliebt werden. Nicht untereinander sondern von ihren Urhebern, den Verlagsleuten, den Lizenzzuständigen, all den Fans.
So viel Begeisterung, so viel Gefühl steckt in jeder einzelnen Seite das ich sie fast nicht umblättern kann, und ich möchte weinen ohne genau zu verstehen wieso.
Auch anderes - alles - ist mir so überbewusst. Jedes Kleidungsstück, jedes Lebensmittel - sie alle wurden hergestellt, geerntet, gepflückt, Maschinen bedient, verpackt - sie haben so viele Hände gesehen. Das ist mehr als ich fassen kann. Und dann stehe ich ewig lange vor der Aubergine und traue mich nicht, die Hand danach auszustrecken, meine kleine unbedeutende Endverbraucherhand, eine mehr in der Reihe aller Hände - all das zu tragen traue ich mir fast nicht zu.
Und immer wieder denke ich an Menschen, an die Menschen die ich kenne und kannte, die Menschen die schon so lange in mir wohnen, als Bild, als Zeichnung, als Empfindung einer Berührung oder dem Klang einer Stimme. Melodien, Bilder die sich niemals ändern, weil die Zeit für uns stehen geblieben ist. Menschen, die heute vielleicht ganz anders sind, aussen und innen, Menschen die so viel gesehen und erlebt haben in der Zeit seit unser Uhrwerk aufgehört hat zu ticken.
Ich erinnere mich an euch, und mein Kopf ist so voll mit Wörtern an euch, Briefe die ich schreibe um mein Herz ein bisschen leichter zu machen, aber immer wieder kommen die Gefühle angeschwemmt, ein niemals endender Strom aus Dingen, die ich euch mitteilen will. Ich weiss, dass es bei vielen nicht mehr geht. Das mir bei einigen das Recht fehlt, bei manchen der Mut.
Ich will mich entschuldigen, will erklären, mich bedanken. Und immer und immer wieder betonen: Ich habe euch nicht vergessen. Nie.
Es tut mir leid was alles war. Es tut mir leid - so vieles, das ich bereue, so vieles, das ich für immer behüten und beschützen werde. Ich habe euch nicht vergessen.
Lieber Robert, lieber Alex, lieber Benjamin, lieber Martin, liebe Simone, lieber Chris, liebe MoD, lieber Chrono, lieber Lasse, lieber Paddy, lieber Mark, liebe Sybille, lieber Vincent, lieber Sven, lieber Yami, lieber Ratte
Es ist so lange her.
Ich erinnere mich an euch.
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