Seit August 2022 lebe ich nun weitestgehend selbstständig, ohne Betreuer*innen. Ein Fazit?
Ich glaube, es ist an sich okay. Es gibt Dinge, die mich immer noch schwer überfordern, ich hab Mühe, wirklich ordentlich zu leben, Ordnung herzustellen und sie dann auch zu bewahren. Aber, wie mein Betreuer schon sagte: Es ist nicht ordentlich, aber sauber, und das ist die Hauptsache. Manchmal wünschte ich mir, es würde mir besser gelingen, aufzuräumen, Dingen einen Platz zuzuweisen, und nicht so verloren zu sein damit. Es fehlt mir manchmal, dass das jemand mit mir angeht, mir erklärt, drei, vier, fünfmal erklärt, wie das geht, wie man das macht, jemand, der die Geduld und das Verständnis hat, dass ich kein Gefühl für Ordnung habe, einen gewissen Rahmen brauche, Hilfe bei so simplen Dingen. Wenn ich es dann doch schaffe, von ganz alleine, die Wäsche nach dem waschen in den Schrank zu packen, ordentlich, anstelle davon sie an Ort und Stelle stehen zu lassen, irgendwo mittendrin, dann bin ich ein bisschen zufrieden mit mir.
Wenn ich es
nach Wochen schaffe, die Kiste, die schon gepackt seit Ewigkeiten im Weg
rumsteht, in den Keller zu tragen, dann denke ich mir: Ich kann das doch. Aber
schon am nächsten Tag bin ich wieder verloren und überfordert damit, meine
Schuhe ordentlich hinzustellen, oder die kaputte Glühbirne im Bad
auszuwechseln.
Ich weiss
manchmal nicht, ob das an meinem schlechten Charakter oder an meinen Erkrankungen
liegt, aber ich weiss, dass ich es eigentlich schaffen sollte, selbstständig zu
sein, Ordnung zu halten. Fast dreissig, aber mit dem kleinsten Blödsinn überfordert.
Dafür schäme ich mich ein bisschen.
Und doch: Irgendwie
geht es.
Es ist
unordentlich, überall liegen Bücher, die Wäsche steht herum, Pappe wartet
darauf, entsorgt zu werden, die eine Lampe geht nicht mehr – aber es ist
sauber, gesaugt, die Küche gemacht, das Bad geputzt, die Wäsche ist gewachsen,
es ist eingekauft und der Weihnachtskaktus ist gegossen. Ich bezahle meine
Rechnungen, stehe morgens auf, kann zur Arbeit gehen und meinen Tag
strukturieren, ich kann rechtzeitig ins Bett gehen, mir Tee machen, meine
Medikamente besorgen und gewissenhaft nehmen. Manches könnte besser sein, aber
vieles könnte auch schlimmer sein.
Ich glaube,
das Fazit der letzten Monate ist neutral. Ich komme nicht sehr gut oder perfekt
zurecht, aber eben auch nicht schlecht oder gar nicht. Es geht. Es ist okay.
Das ich manche Dinge nicht kann, ist okay. Weil es dafür ganz viele Dinge gibt,
DIE ich kann.
Ein kleines Leben führen.
Das ist die Hauptsache.
*findet sich sehr in "Keinen Sinn für Ordnung haben" wieder* <3
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