Dienstag, 25. Juli 2017

Graustufenregenbogen


Ich habe keine Ahnung was die Animetrulla da daneben soll,
aber der Spruch ist sehr wahr.

Ich habe ein furchtbar schlechtes Gewissen, den ganzen Abend schon.
Ich war noch kurz bei Anna heute, meine 98347 Pakete abholen und mir eingestehen, 
das ich ein fucking Problem mit Geld habe.
Also.. mit dem Umgang mit Geld. Ich bin so furchtbar, ehrlich.
Aber, worums mit eigentlich ging.. 

Meine Schwester meinte, als ich wieder ging, dass unser Vater ihr letzthin am Telefon offenbar ganz bewusst, fast etwas übertrieben, "ICH wünsche dir auch eine schöne Zeit" gesagt haben.
Mit Hintergrund des grossen Theaters das wir hatten, weil angesprochen wurde, dass wir uns mehr "ich" und weniger "wir" wünschen würden, hat mich das richtig hart getroffen.
Eigentlich ist mein Vater so ein armer Kerl. Er VERSUCHT es so sehr, er versucht wirklich alles um jedem irgendwie gerecht zu werden und alles irgendwie zusammenzuhalten.
Und ich danke es ihm, indem ich aktuell kaum ein Wort mit ihm wechsle und den näheren Kontakt ganz bewusst ablehne.
Es ist so scheisse, ehrlich.
Auf der einen Seite habe ich aktuell WIRKLICH die Schnauze voll und ich will mich nicht dauernd drum sorgen wie sich andere grade fühle.
Aber gleichzeitig kann ich es auch einfach nicht lassen.
Ich habe meinen Vater und seine Frau bewusst angelogen und behauptet, ich hätte ne Gesangsstunde am Mittag, und deswegen zum Essen nicht da.
Dabei war ich da gar nicht. Ich war mit Schweri essen, zum einen weil ich gerne mit Schweri unterwegs bin,
und zum anderen weil ich nicht zuhause sein wollte.
Aber ich kann ihnen das nicht sagen, weil sie das verletzen würde, deswegen lüg ich halt lieber.
Es ist so dumm, aber ich komm aus dem Muster nicht raus.

Mein Vater ist eigentlich wirklich ein lieber Mensch.
Er hat seine Ticks, okay, aber die hat ja jeder, oder?
Ich ertrage das nicht.
Ich ertrage es nicht, dass ich ihn nicht ertrage.

Ich habe mich wieder geschnitten, am Arm und am Bein.
Was soll ich dazu sagen? Ich kann jetzt theoretisch Tic Tac Toe auf meinem Bein spielen.
Das war zwar nicht geplant, aber es gibt mir jetzt die Möglichkeit darüber zu lachen.
Obwohl mir eigentlich zum heulen zu mute ist.
Ich fühle mich verantwortlich für die Schlechte Stimmung zuhause,
ich fühle mich verantwortlich für die Tränen meines Vaters und seiner Frau,
ich fühle mich verantwortlich für die bösen Worte, die heftigen Gefühle.
Ich fühle mich verantwortlich.

Morgen ist Eintritt auf der Püntstation und ich hab gemischte Gefühle.
Einerseits freue ich mich dem Dilemma hier zu entkommen, andererseits habe ich es so satt.

Lange Flure, Desinfektionsgeruch, Schreie, Lachen, ein Handy piepst.
Medikamente, Verbände wechseln, zur Therapie, aus der Therapie,
spazieren, Wald, Sonne, Regen, Tränen, der Typ neben mir singt.
"Schauen Sie auf sich", "Bleiben Sie bei sich", "Sie haben ihren Kopf grade ganz woanders",
Fortschritt, Rückschritt, Rückschritt, laufen gehen, hoffen, Morgen erleben, weinen,
schreien, das Gras spüren, Gespräche, Augen zu, um 3 Uhr Morgens umherirren,
müde bis Mittags, hellwach, erschöpft, Entscheidungen treffen, motiviert, am Boden zerstört.
Stillstand, Stillstand, vorwärts, zurück,
mein Glück?
Ich habs verloren.

Der neben dir heult,
die Umarmung gewollt,
nicht wirklich, aber was bleibt denn auch?

Grau, Grau,
Abgestürzt,
verloren und wiedergefunden.

Schwarz und Weiss,
bleib auf dem Boden,
Tränen auf Wangen sind heiss.

Ich hab es so satt.
Argh.


Jay hat am 18.8 ein Erstgespräch für die Klinik bei ihm in der (nicht) Nähe.
Ich bin froh, dass er den Schritt geht, ich bin froh, dass für ihn geguckt wird,
jetzt, wo ich das so glorios nicht kann.

Ich bin dankbar für die Menschen um mich,
und ich bin dankbar für jeden Moment im Licht.

Und ich suche Halt und Hoffnung in meinen Figuren,
und Geschichten und all dem alten Wahnsinn.
Ich will neue Wege gehen, aber ich weiss nicht wos durchgeht,
drum laufe ich alte Pfade entlang, und hasse sie, und liebe sie und weiss nicht wohin.

's wirr.
Aber wird schon.
Irgendwann.



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