Mittwoch, 19. Juli 2017

Nimmste das M weg, haste Arschmellow

Irgendwie hat es mein Leben geschafft, in den letzten vier Tagen zu 3498% Shit zu werden.

Von Vorne.
Eigentlich hat mir der Klinikaufenthalt gut getan, ich hab ganz viel lernen und verstehen dĂĽrfen,
bin wieder ein StĂĽck weiter.
Aber dann hat meine Familie, namentlich mein Vater und seine Frau, beschlossen, dem absoluten Wahnsinn zu verfallen,
und jetzt... ist alles tot.

Als ich in der Klinik angekommen bin, hat mir meine Ärztin empfohlen,
eine Art Kontaktsperre zu meinem Vater und seiner Frau aufzubauen,
einfach um Ruhe in die Situation zu bringen,
und mir und auch ihnen die Zeit zu geben uns zu sammeln.
Okay, hat mein Vater nicht ganz so gut aufgefasst und mich erst mit Smsen bombadiert,
ob das denn meine Entscheidung gewesen sei, dass ich doch immer willkommen sei zuhause und so weiter.
Danach hat er die Strategie umgekehrt und mich komplett ignoriert.

Es ist nichts Neues für mich, das ein Elternteil von mir sich absolut ambivalent verhält,
insofern.. okay, wenn das seine Art ist damit umzugehen, ist das wohl so.

Dann war relativ lange Funkstille und wir hatten dann ein Familiengespräch, was, der Meinung waren sowohl ich als auch meine Betreuerin und meine Ärztin, eigentlich gut gelaufen ist.
Wir konnten einiges klären und eine Strategie ausmachen für zuhause.

Und dann.. ging entweder der akute Elternwahnsinn um, oder.. keine Ahnung.
Ich schwöre, ich habe KEINE AHNUNG was zur Hölle eigentlich passiert ist.
Angefangen hat es damit, dass ich letzen Samstag zum ersten Mal nach der Kontaktsperre so richtig zuhause war,
und ich habe mich drauf gefreut und eigentlich war alles easy.
Wobei, das stimmt nicht mal.
Ich war das WE davor schonmal zuhause zum Mittagessen, und das lief voll okay,
zumindest habe ich es so aufgefasst.

Ja, gut, letzen Samstag waren dann aber nur Tayuya und mein Vater zuhause.
Auf Nachfrage, wo denn Brigitte sei, meinte mein Vater nur, dass sie Auswärts ist.
Ja, okay, ich hab mir ehrlich nichts dabei gedacht.
Vielleicht war sie ja eingeladen, hat was abgemacht oder musste irgendwie notfallmässig zu einem Patienten ins Katharinenthal.
Sie ist da ja seit kurzem Seelsorgerin und so wie ich sie kenne ist sie sehr dedicated und nimmt ihren Job ernst.
Kann ja easy sein das da wer im sterben liegt und gerne ihre Begleitung hätte oder so.

Generell habe ich meinen Vater aber sehr angespannt erlebt,
habe auch da nicht viel bei gedacht, ich meine, der Mann hat auch ein Leben,
weiss der Geier was da los gewesen sein könnte.

Dann, kurz bevor ich wieder los zur Klinik wollte, wirft er mir so im gehen hinterher: Brigitte ist übrigens heute nicht da, weil sie es am Tisch mit dir nicht aushält. Weil sie die Stille nicht aushält.
(Welche verfickte Stille? Irgendwer an unserem Tisch redet immer wie ein fucking Wasserfall)

Wow.
Woooooow.

Ich habe keine Ahnung, was meinen Vater dazu bewogen hat, mir das doch noch zu sagen.
Es war.. ich glaube, dafĂĽr gibts nicht mal n Wort.
Und in dem Moment.. es war.. SCHULD, brennende, heisse, schmerzende Schuld die mich gefressen hat,
das Wissen, das ich sie quasi aus ihrem Haus vertrieben habe,
weil ich krank bin, weil ich kein verfickter normaler scheiss Mensch sein kann.
Danach kam die Wut, der Schmerz des abgewiesen werdens, und mein Kopf ist irgendwie explodiert und ich hatte nen Bilderbuch-Nervenzusammenbruch bei uns im Hauseingang.
Als ich wieder angefangen habe, meine Umgebung wahrzunehmen sass mein Vater neben mir auf dem Boden und wir haben beide geheult und er hat sich fĂĽr irgendwas entschuldig was ich nicht gerallt habe und ich war einen kurzen, wahnsinnigen Moment versucht laut zu lachen,
weil das so typisch mein scheiss Leben, so typisch meine scheiss erbärmliche, fehlerhafte Existenz ist.
Aber ich habs nicht hingekriegt.
Irgendwann hat mir mein Vater die Hand hingestreckt und ich hab keine Ahnung ob ich ihm was versprechen sollte oder was das gesollt hätte, aber ich hab sie genommen und irgendwie hat mich das ein bisschen zurück in die Realität gesnappt.
Ich bin dann total verheult und Banane in der Birne raus und zu meiner Schwester,
mit dem festen Vorhaben, so zu tun als wär alles in Ordnung und Sonnenschein.
Es hat.. wunderbar nicht funktioniert.
Nachdem ich auch meine Schwester zugeheult habe, ist es irgendwie schräg ehrlich geworden.
Ich hab einfach geredet und erzählt und meine sonstige Mauer aus None of this Shit ever happened war irgendwie ein bisschen durchsichtig und ich hab ihr einfach alles erzählt, von unserer Mutter und wie ich sie erlebt habe,
wie ich unsere Kindheit generell erlebt habe und wie scheisse das alles war und ist,
weil es mich nicht loslässt, diese Ohnmacht, weil keiner Schuld ist, aber ich einen Schuldigen brauche,
diese Wut, diese Angst, alle diese nie ausgesprochenen GefĂĽhle.
Und ich bin bei Gott DANKBAR dafĂĽr das sie mich weder ausgelacht hat noch mir gesagt hat,
dass ich die einzige bin, die das alles so erlebt hat.
Es.. macht die Dinge zwar irgendwie realer, wenn man hört, das es jemand genauso in Erinnerung hat,
aber es tut gut, weil es mir die Sicherheit gibt, das ich das nicht einfach alles geträumt habe.
Da mein Vater die Tendenz zum "Das ist nie passiert, das habe ich nicht gemacht/gesagt" und ich bis vor kurzem der festen Ăśberzeugung war, dass das Wort meines Vaters absolut ist,
habe ich ständig im Klinsch mit mir selber gelebt.
Ist das, an das ich mich erinnere, wahr?
Spinne ich einfach nur rum?

Ich glaube, irgendwie hat es gut getan, das mal alles zu sagen?
Es tut mir auf jeden Fall bei Gott leid, dass meine Schwester sich das anhören musste,
aber es hat gut getan, verdammt nochmal.
Wir haben uns dann auch noch mit Tayuya getroffen die eine Freundin dabei hatte,
und es war mir so scheiss egal das da wer dabei war der eigentlich gar nichts damit zu tun hatte,
aber ich musste einfach reden reden reden nachfragen, erleben, mich selber ĂĽberprĂĽfen.
Ich war so voll in diesem Film drin, ich glaube, ich hätte selbst vor einer riesigen Menschenmenge weitergeredet.
So im Nachhinein macht es mir Angst und ich bereue es, es ist mir total unangenehm wenn Menschen, die damit nichts zu tun haben, da so halb mit reingezogen werden.
Aber im Nachhinein vor etwas Angst zu haben, was halt schon passiert ist, ist so dermassen dumm,
das ichs lieber gelassen habe, oder es zumindest versucht habe.

Auf jeden Fall hat Tayuya dann erzählt, dass sie einen Teil des Gesprächs zwischen unserem Vater und seiner Frau mitgekriegt hat, kurz bevor ich dann zu besuch gekommen bin,
und sie halt wirklich meinte, dass sie es nicht aushält mit jemandem der sich weigert zu kommunizieren und so.

Das ist so.. so UNFAIR das ich schreien will.
Ehrlich, das regt mich so auf.
Das ist doch genau mein PROBLEM, verdammt noch mal.
Das ich lernen muss, zu komunizieren, und was zur Hölle denkt die eigentlich tu ich in dieser blöden Klinik,
und in diesen blöden Therapiestunden?
Urlaub?
Kaffeklatsch?
Das hat mich wirklich wirklich wĂĽtend gemacht.
Vorallem weil sie mir nichtmal eine CHANCE gegeben hat zu zeigen, das es vielleicht nach der Klinik ein bisschen besser geworden ist.
Nein, sie muss sich einfach verpissen und so tun als wär das die ultimative Lösung.

Ich weiss, das ich mit diesen Worten unfair bin.
Ich meine.. JA, ich verstehe es doch, wenn sie und mein Vater ĂĽberfordert sind.
Ich bin doch mit mir selber ĂĽberfordert, halleluja, wer kann das also besser nachvollziehen als ich?
Auch kenne ich das BedĂĽrfniss, einer Situation einfach entgehen zu wollen, weils nicht mehr geht.
Aber zum Teufel, genau DAS ist mir ja zum Vorwurf gemacht worden.
Das ich mich zurĂĽckziehe wenn ich was nicht aushalte.
Das ich mich dann nicht am Familienleben beteilige.
Und nachdem wir Wochenlang Stress wegen dem Scheiss haben, geht sie hin und tuT GENAU DAS?
Was ist das denn bitte?
Ich weiss echt nicht ob ich lachen oder heulen soll.

Und ich schwör, ich habs so satt immer die Klappe zu halten.
Ich habs so satt immer erst alles durch die vier Filter gehen zu lassen, ehe ich es sage,
ich will einfach mal austicken und ihnen alles an den Kopf schmeissen was mir einfällt,
einfach mal ungefiltert ausrasten.
Aber ich bin beherrscht, ich habe gelernt, meine Impulse im Griff zu haben.
Ich habe gelernt, Menschen und ihre Ticks zu verstehen.
Ich bin in der Lage, nachsichtig zu sein, wenn jemand nicht mehr kann.
Und im grunde genommen.. bin ich das auch.
Ich VERSTEHE es wirklich, dass sie eine Auszeit davon brauchte,
ich verstehe es, dass mein Vater am Limit läuft, das sie beide nicht mehr wissen was noch machen.
Ja man, ich versteh das doch.
Aber ich bin es so leid.
Ich bin es so leid alles zu verstehen und hinzunehmen und zu schweigen.
Ich bin es so verdammt leid erwachsen und beherrscht zu sein.

Seit diesem Zusammenbruch habe ich permanent das GefĂĽhl, schreien zu mĂĽssen/wollen.
Ich versuche es mit Singen zu kompensieren.

Ich bin dann am Samstag zurĂĽck in die Klinik und relativ sofort ins Bett.
Am Sonntag habe ich mich dann an eine Pflegerin gewendet und um ein Gespräch gebeten,
einfach um zu verstehen was da passiert ist und weil ich wirklich, WIRKLICH verstehen will,
warum die Frau meines Vaters so gehandelt hat.
Wir haben dann ausgemacht, dass ich meinen Vater anrufe und versuche die Sache zu klären.
ZurĂĽck im Zimmer hatte ich direkt zwei verpasste Anrufe meines Vaters, einen meiner Schwester, eine Sms von meinem Vater und eine von seiner Frau.
Juhee..

Da wars dann irgendwie schon wieder fertig.
Einfach ĂĽberfordert.
Die Frau meines Vaters schrieb das es ihr ja leidtue, dass sie Grenzen habe,
aber sie halte es nicht aus das ich alle Annäherungsversuche abblocke und sowieso.
Argh.

S
C
H
U
L
D
G
E
F
Ăś
H
L
E

Ich hab dann meine Schwester angerufen, und sie meinte, Vater sei gar nicht mal so begeister gewesen von der Idee einer Familientherapie.
Dann ruft mein Vater direkt nochmal an, und ich bin rangegangen.
Es ist eskaliert.
Es ist so verdammt eskaliert, und ich versteh nicht wieso und es tut weh und ich bin ĂĽberfordert und hab furchtbare Angst vor meinem Vater und seiner Frau.
Es hat.. irgendwie darin geendet, dass ich meinem Vater alles erzählt habe was meine Mutter so angestellt hat,
dass ich Angst habe vor seiner Frau weil sie technisch gesehen in der Position meiner Mutter steht und ich auf das nicht wirklich klarkomme,
dass ich mich so verraten gefĂĽhlt habe von ihm frĂĽher, weil er nie da war und wenn er da war,
hat er mir verbal eine runtergehauen.
Mein Vater meinte dann, ja, also, er erinnert sich, dass er uns zweimal eine Kopfnuss gegeben hat,
und das tue ihm sehr sehr leid, das sei ein grosser Fehler gewesen.
Bitch.
Zwei Mal.
Alter was?
Ich erinnere mich daran, das ich quasi in konstanter Angst davor gelebt habe,
eins aufs Dach zu kriegen wegen allem Möglichem.
Das ist so.. Shizo, ohne Witz.
In was für einer Realität lebt der Mann denn?
Wahrnehmung ist verdammt gruselig.

Wir kamen auch darauf zu sprechen, dass es uns, meinen Schwestern und mir, das hatten wir sogar noch besprochen am Tag vorher, komisch reinkommt,
dass er und seine Frau nur noch als Kollektiv existieren.
Das wir uns unseren Vater als Vater wünschen, und es schön fänden, wenn er von sich und seine Frau von sich spricht,
und nicht einer von beiden fĂĽr beide.
Das hatte sogar meine Schwester vorher am Telefon mit ihm angesprochen.
Und dann ist die Frau meines Vaters total ausgerastet.
Meinte, dann könne sie ja direkt ausziehen,
sie sei ja eh nur das fĂĽnfte Rad am Wagen und so weiter und so fort.

Ehrlich.
WIE geht man damit um?
Es.. hat mich unfassbar wĂĽtend gemacht, weil sie meinenVater damit in die Position zwischen ihr und uns katapultiert.
Es hat mir wehgetan, weil ich sowas ausgelöst habe.
Ich hatte SchuldgefĂĽhle, weil ich es angesprochen hatte.
Es war alles so dermassen daneben, und ich hab keine Ahnung wie und wann wir dieses verflixte Gespräch beendet haben,
ich weiss nur, das ich geheult hab wie eine Bekloppte und festgestellt habe,
dass wenn ich mir Mister Superflausch ins Gesicht halte beim heulen Fusseln im Gesicht habe.
(Mister Superflausch ist ein Kuscheltier das ich von Kaito geschenkt gekriegt habe. Er ist.. nunja, superflauschig. Obviously.)

Ja, gut, okay.
Nicht okay.

In dem Moment wollte ich einfach nur noch sterben.
Wegen MIR ist alles so ausser Kontrolle geraten, nur weil ich existiere und Krank bin geht es jetzt meinem Vater und seiner Frau so schlecht.
Es ist alles meine Schuld, und dieses Wissen ist so hervorragend.
Yay.
Ich hab das so auch der Pflegerin formuliert.
Ausserdem auch, das ich unter keinen Umständen nach Hause kann für die Acht Tage bis ich auf die andere Station kann.
Meine Ärztin meinte am Montag dann auch, dass das vermutlich eine ziemlich dumme Idee ist,
und wir haben versucht, irgendwas zu organisieren.
Erst hiess es, ich kann zu meiner Schwester, dann doch nicht,
dann meinte mein Vater plötzlich "Komm bitte ohne Angst am Dienstag nach Hause"
Wow, danke, als ob ich die Angst absichtlich mitnehme.
(Ich weiss, es ist nicht so gemeint. Aber mein Kopf interpretiert das falsch.)
Als ich am Montag ins Bett gegangen bin, wusste ich nicht, wo ich am Dienstag hinsoll.
Das ist unheimlich beruhigend. Nicht.
Und bis um Neun Uhr Morgens wusste keiner, ob ich jetzt wirklich Entlassen werden kann oder nicht.
Sie dürfen mich halt nicht entlassen wenn ich nirgends hinkann und/oder suizidgefärdet bin.
Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung was zweiteres betrifft,
ich will wirklich aktuell nicht mehr leben, weil ich mich so dermassen im Weg fĂĽhle.
Aber ich bin auch wĂĽtend, so so sehr wĂĽtend, weil man mir als Kind soviel angetan hat,
ich Null fĂĽr meine Krankheit kann, und jetzt auch noch an der Scheisse Schuld sein soll.
Ich bin hin und hergerissen.

Meistens bin ich aber einfach nur rigendwie Gefühlsmässig tot.
Ich habe in den letzten Tagen riesige RĂĽckschritte gemacht, ich erreiche meine GefĂĽhle gar nicht mehr.
Ich erreiche mich selber nicht mehr, und halte mich die meiste Zeit irgendwie aufrecht,
indem ich dissoziiere oder mich in die warme Sicherheit meines Kopfes zurĂĽckziehe.
Ich nehme gar nichts wahr.
Aber hey.
In einer Woche kann ich wieder in die Klinik und vielleicht wird es dann besser.

Ich fühle nichts, aber mein Körper reagiert mit Angst,
mit beschissener Angst vor den kommenden Tagen,
vor meinem Vater und seiner Frau, vor der Situation.
Es ist furchtbar.

Und das furchtbarste ist, dass keiner was dafĂĽr kann.
Maximal ich.

Es ist alles so kaputt grade.
Und ich sitze nur inmitten all der TrĂĽmmer und spiele mit den Scherben meines Verstandes.

Aber die aktuelle Animeseason hat einen sehr vielversprechenden Drama/Romance-Anime und einen sehr tollen Sportanime, mit grossartigen Synchronsprechern.
Ausserdem habe ich zwei sehr rare Merchandiseobjekte auf ebay geschossen,
fĂĽr nur knapp 20€ inklusive Versand.

Es sind die kleinen Dinge im Leben.

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