Manchmal frage ich mich, ob mein Vater früher, wenn er einen stressigen Tag im Büro hatte, mit Freude nach Hause kam, weil er sich auf seine Familie gefreut hat.
Ob er die Arbeit vergessen konnte, sobald er über die Schwelle getreten ist.
Oder ob er eine weitere Maske aufgesetzt hat um den Familienvater zu spielen und sich seinen Frust nich anmerken zu lassen.
Ob er manchmal lieber noch einen Trinken gegangen wäre oder ist, weil zuhause auch nur stress auf ihn wartete.
Ich frage mich, ob er wirklich glücklich war über sein Leben, ob er sich und seine Situation jemals hinterfragt hat.
Ob er seine Frau geliebt hat und stolz drauf war, der Vater ihrer Kinder zu sein.
Ob er zufrieden damit war, dass er erreicht hatte, was er wollte; eine Familie, ein Haus, ein Sparkonto.
Ob er sich nie gefragt hat, ob das alles war, was er wollte.
Oder vielleicht hat er sich das gefragt?
Und festgestellt, dass er eigentlich verdammt unglücklich ist. ABer weil er nie daran geglaubt hat, dass er etwas verändern kann, hat ers gelassen und eine Rolle eingenommen, die er nach Jahren des Theaterspielens nicht mehr ablegen konnte.
Ich frage mich, ob mein Vater nach dem Tod meiner Mutter erleichtert war, dass sich dieses "Problem" von selbst erledigt hat.
Ob er traurig war weil er nicht wusste wies weitergehen soll, oder ob er traurig war weil er meine Mutter wirklich geliebt hat.
Hat er sich diese Fragen gestellt?
Hat er seine Kinder danach alleine mit Liebe grossgezogen, oder weil er in der gesellschaftlichen Vorstellung gelebt hat, dass das halt so muss?
Hat er sich nach Liebe gesehnt? Hat er an sich gezweifelt? Hat er einfach gemacht?
Als er seine neue Frau getroffen hat, ist ihm da aufgegangen, dass er sein bisheriges Leben gar nicht wirklich gelebt hat?
Bereut er, meine Mutter geheiratet zu haben?
Hätte er lieber andere Kinder?
Denkt er wirklich, dass er uns falsch erzogen hat?
Ist er jetzt da angekommen, wo er hinwollte?
Wie sieht mein Vater das Leben heute?
Und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr fällt mir auf, dass ich diesen Mann nicht kenne.
Das er, all die Jahre über, ein Fremder geblieben ist.
Und ich fühle mich schuldig, weil ich es versäumt habe, ihn kennenzulernen.
Es tut mir leid.
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