Manchmal denke ich an all die Orte die ich geliebt habe und die ich nie wieder sehen werde.
Das alte Haus meiner Grossmutter wo wir früher immer Ostern verbracht haben.
Der riesige Garten mit diesen kleinen Sträuchern wo manchmal Monate danach noch Schokolade drin aufgetaucht ist.
Jetzt, wo die Osterglocken blühen und die Farben der Erde zum Leben erwachen denke ich besonders oft an diesen Ort.
Ich war gerne da, auch wenn ich als kleines Kind meine Grossmutter und ihr grosses Holzkreuz im Wohnzimmer immer ein bisschen gruselig fand.
Und die Tatsache, dass wir Bilder haben, wie mein verstorbenen Grossvater in genau dem Bett liegt, vor dem ich grade stehe. So als existerten wir in Welten parallel voneinander, aber am selben Ort.
Dieses Haus klang wie Kasperle-Kassetten und roch wie Frühling.
Ich denke an den kleinen stickigen Raum unterm Dach in Kaitos Elternhaus.
Wo frühmorgens alle schlafen, beschienen vom ersten Morgen.
Dieser Raum, grade noch genug Kinderzimmer um mich kurz wieder wie 12 zu fühlen, aber genug Zeugnis eines heranwachsenden jungen Mannes um mir klarzumachen, dass die Zeit nicht stehen bleibt.
Der Stoff der Bettdecke und die friedliche Wärme eines Armes, der um mich gelegt ist.
Dieser Ort ist war bisschen Zuhause.
Ich erinnere mich an unser altes Haus im Altparadies, diese alte, zerschunde Schrottmühle, voll mit knarrenden Türen und Löchern durch die die Ameisen in die Küche gelangen.
Einem Dachboden wo die toten Wespen am Boden liegen, direkt neben dem Wäscheständer.
Dieses alte Haus mit seiner bröckeligen Fassade und seinem ausladenden Dach.
Der Rasen der unter jahrelang spielenden Kindern gelitten hat.
Der Apfelbaum, der knorzig in der Ecke steht und im Abendrot ein bisschen unheimlich leuchtet.
Dieses gottverdammte Haus das ich so geliebt habe.
Mein Zimmer oben mit dem lebensgrossen Poster eines Falabellafohlens am Schrank.
Ein Haus gefüllt mit Lebendigkeit und dem Gefühl, nichts wert zu sein.
Ich erinnere mich an Ferienhäuser mit Zimmern in denen ich mich wohl gefühlt habe,
an das Haus meiner Brieffreundin Sarina, das alte, bevor sie umgezogen sind.
Wo jede noch so kleinen Fläche vollgestellt war mit Überraschungseierfiguren; auf den Fensterbänken, auf dem Briefkasten, auf dem Kühlschrank, zwischen den Zahnbürsten.
Das spartanisch eingerichtete Zimmer auf der Akutstation, mein und Jils Bett abgetrennt durch ein einfaches Regal, die Welt ausgeschlossen hinter Glas.
Das kleine Zimmer von Mark, wo grade mal sein Bett, ein Schrank und sein PC reingepasst hat.
Die Hotelzimmer im Tödiblick in Braunwald, umgeben von Schnee.
Das Zimmer mit Balkon im Altenheim in Frankreich.
Die riesige Herberge in dem Ort wo unsere welsche Austauschklasse gewohnt hat.
All die Massenlager auf Wanderungen.
All die Orte, Häuser, Räume die ich verlassen habe, ohne darüber nachzudenken, dass ich sie vielleicht nie wieder sehen werde.
Ich bin erfüllt mit Freude und mit Trauer. Darüber, dass ich schon so viele Orte gesehen habe, und darüber, dass ich schon so viele Orte verlassen habe.
Ich bin gefüllt mit Gefühlen.
Leben ist eigenartig.
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