"Ich habe den Eindruck, dass ihr Vater einfach selber soziale Defizite hat und klare Regeln für sich selber aufgestellt hat, nach denen er leben kann, das macht es ihm einfacher. Wenn Sie mit ihm reden, dann müssen sie möglichst keine Anklagen machen, sondern darauf achten, dass Sie sich im Rahmen dieser seiner Regeln befinden, damit er annehmen kann, was sie ihm sagen wollen. Versuchen Sie, sachlich zu bleiben."
"Also Vater, dein Verhalten löst in mir die Empfindung aus, dass du leider ein Vollidiot bist."
Amen to that.
Ich will aber verdammt noch mal nicht nach seinen Regeln spielen.
Ich will konstruktiv und vernünftig reden, aber ich will nicht darauf achten müssen,
was ich wie sage, damit der Herr auch ja versteht was ich meine.
Ich will, dass er merkt, das er Schaden angerichtet hat und ich will, dass er das eingesteht.
Ich bin wütend. So unfassbar wütend weil er so ein Knallkopf ist und so hart in seiner eigenen, kleinen Welt lebt.
oeruighöaeorgaeoi.
Ich will ihm erzählen, dass ich den Lehrvertrag unterschreiben durfte, aber ich will nicht wieder in alte Muster zurückfallen und mir brav Lob für die Dinge, die er wichtig findet abholen, während alles andere einfach keine Rolle spielt.
Ich will, dass er sich meldet und nachfragt, aber ich will, dass er bitte ja nicht nachfragt.
Ich will in aller ruhe stinkig auf ihn sein, ich will ihn anschreien, ich will ihn beschuldigen, ich will ihm sagen, dass ich ihn gerne hab, ich will ihm sagen, dass ich Hochachtung vor ihm hab, ich will ihm sagen, dass er das Leben verdammt noch mal nicht verstanden hat.
Ambivalenz.
Ich bin so dermassen ambivalent, dass es selbst meine perfekt eingeübten Schachzüge fast auseinanderreisst.
Selbst schwarz und weiss liegt eben nur so viel auseinander, und mehr verträgt es nicht.
Es macht mich wahnsinnig.
Eine die mit mir im Vorbereitungsmodul in unsrem Betrieb is, musste wieder in die Klinik weil sie einen psychotischen Schub hatte.
Das Mädchen ist 17.
Das ist so fürchterlich, so ein junger Mensch.
Es beschäftigt mich.
Es beschäftigt mich.
Es beschäftigt mich.
Es beschäftigt mich.
Ich wünsche ihr von Herzen, dass es ihr bald wieder etwas besser geht,
und dass es lange lange Zeit dauert bis zum nächsten Schub.
Mir wird auch bewusst, wie verschieden Psychosen sind.
Mein Exfreund war in schlimmen Zeiten komplett von der Rolle und hat seiner eigenen Logik gefolgt,
die ausser ihm niemand verstehen konnte. Er hatte die ganze Zeit über furchtbare Angst vor allem.
Der eine Typ, der mal mit mir in der Klinik war, wurde extrem aggressiv und hat Gegenstände durch die Gegend geworfen und geschrien.
Ein guter Freund von mir erzählte mir, bei akuten Schüben habe er plötzlich das Gefühl gehabt, alle würden über ihn reden, selbst die Nachrichtensprecherin im Fernsehen.
Sie, die mit mir im Vorbereitungsmodul ist, hat einfach nur einen Input-Overload gekriegt, fremde Gedanken die sich mit ihren eigenen vermischen die sie nicht mehr in angemessenem Tempo verarbeiten konnte.
Es erinnert mich dran wie vielseitig alle psychischen Erkrankungen sind, dass es so viele Varianten wie Menschen, die an ihnen leiden, gibt.
Und ich habe Hochachtung vor den Psychiatern und Psychologen, die in diesem ganzen Gewimmel das richtige herauspicken müssen.
Kein Wunder gibt es so viele Fehldiagnosen.
Aber eines haben alle - haben wir alle - gemeinsam. Es sind Dinge da, mit denen wir nicht fertig werden.
Nur eben andere Dinge, oder auf eine andere Art.
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