Samstag, 17. August 2019

Du willst wissen wie ich mich fühle? Ich will wissen wie ich mich fülle

Ein arbeitsloses Kind trauert der Sonne nach,
die im Abendrot versinkt
Es kommt grad vom Büro heim, fühlt sich so klein,
während es die letzten Wohnheimstufen erklimmt,
dabei wollte es so groß sein
unter die Dusche springt, den Dreck der ganzen Welt abwaschen,
auch wenn der Versuch misslingt, es besser als die Eltern machen
[...]
"Träume sind Bäume, man opfert sie für Papier",
denkt sich das Kind, aus dem 11ten Stock starrend
Graugelber Himmel umgibt sein 1-Zimmer-Apartment
Sich fragend "Was ist ein Kind wert, das arbeitslos ist?"
[...]
Bunte Tränen kullern unverschämt Richtung Neuanfang
und in der Weite da erblickt es die Seifenblasenfabrik
Taghell, es brennt meistens abends noch Licht

Zukunftsträume kann man nicht rebooten
Sie sind nur Trailer, gehen immer nur n paar Minuten
"Ab der Jugend gehören Seifenblasen der nachfolgenden Generation",
weint das Kind gedankenlos in seine Fertignudeln
Es fühlt sich gerade so nutzlos,
wünscht sich aus dem Hochhaus in einen schwarz-weißen Vergnügungspark
Manchmal malt es aus Spaß seinen Namen auf ein anonymes Grab
Zur zeit bereit alles einzutauschen für die Leidenschaft eines Psychopathen
Lang ist es her, da hat es das Plastikgewehr in der Ecke platziert,
jetzt wurde es wegrationalisiert
Ex-Mitarbeiter der Seifenblasenfabrik
und Erwachsene auf der Straße hören mit ihrem Handy Musik
und zwar dieses Lied.


Seifenblasen platzen nie | Maeckes



Maeckes ist der Soundtrack meines Jungseins,
er ist das weisse Rauschen meiner schlaflosen Nächte.
Wenn ich heute, nach Jahren, wieder die alten Lieder hervorhole,
dann merke ich, ich bin heute an einem anderen Ort,
aber diese dunkle, etwas eingestaubte Ecke,
diese emotionale Dystopie in meinem Herzen gibt es noch.
Es ist so leicht, diese Tür wieder zu öffnen,
sie ist nicht vernagelt, sie ist nicht mal abgeschlossen; ich glaube,
es gibt auch gar keinen Schlüssel.
Aber ich kann lernen, sie zu ignorieren, stattdessen Fenster zu öffnen und kurz durchzuatmen,
wenn mir mein Leben zu stickig wird.
Ich bin ein bisschen traurig.

In Momenten wie diesen, wo ich mir sicher bin,
dass ich niemand bin, niemand sein kann,
wo ich über diese zwei Tage Berufsschule nachdenke,
die mir wie ein unüberwindbares Hinderniss erschienen im vornherein,
dann merke ich einmal mehr: Ich mag die Person nicht, die ich bin, wenn ich unter Leuten bin.
Das bin nicht ich.
Ich rede so viel, ich lache viel, Zeug, das ich gar nicht will.
Natürlich, es ist gut, dass ich mittlerweile so viel lockerer bin um Menschen rum,
vor allem auch um welche, die ich noch gar nicht kenne.
Aber dieses Locker-sein geht mir auf die Nerven.
Ich bin doch nicht so. Ich bin still und zurückgezogen und ich höre lieber zu als selber zu reden.
Was davon bin denn nun ich?
Was ich fühle, was ich tue, was dazwischen?
Ist es nicht eher eine Frage des "Wer will ich für andere sein"?
Ich weiss es nicht.
Aber es ist ein Riesenakt, von Morgens bis Abends um Leute zu sein,
ich will mich gerne zurückziehen, zumindest Mittags, kurz die Fenster öffnen und die Tür ignorieren,
etwas Musik hören, etwas lesen.
Aber ich will auch nicht der komische Separatist sein, der immer alleine ist, selbst wenn es aus freien Stücken geschieht.
Ich will teilhaben, will mit dabeisein, ich will.. ich weiss es nicht. 
Ich denke mir; die wollen doch sowieso nichts mit mir zu tun haben,
ich bin mir sicher, so sicher, dass ich mir sowieso nur einbilde, ein Teil dieser Gruppe zu sein.
Weil ich zu viel rede, weil ich merkwürdig bin, weil sie besseres zu tun haben mit ihrer Zeit.
Und dann will ich gehen und mich bewusst separieren und die Augen schliessen und diese Berufsschulzeit einfach vorrüberziehen lassen.
Aber; nein, eigentlich will ich das nicht.
Was will ich?
Ich glaube, dass ist ein Schlüsselpunkt des Ganzen.

Ich bin müde und mit den Klängen der gleichmütigen Melancholie von Maeckes Worten weine ich mich einmal mehr in den Schlaf.

Ganz schön melodramatisch.

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