Aufdröseln.
Verstehen, woher die Zusammenbrüche kommen,
was Öl ins Feuer gegossen hat.
Gestern war fürchterlich.
Ich habe geträumt, wieder so real und greifbar, dass ich lange nicht verstehen konnte,
es ist nicht wirklich. Es ist okay nicht darüber nachzudenken, es war nur ein Traum.
Ein Mädchen in meiner Berufsschulklasse heisst so, wie ich früher hiess, vor der Namensänderung.
Und das macht mir offenbar unbewusst viel mehr zu schaffen als ich dachte.
Ich.. fürchte mich vor ihr. Nein, nicht vor ihr als Mensch, vor dem Namen.
Wenn sie gerufen wird kriege ich für eine Sekunde Panik, dass ich gemeint bin.
Dass ich wieder jemand sein muss, der ich eigentlich nicht bin.
Ich träume davon.
Dass ein gesichtsloser Mensch, ein wichtiger Mensch, zu mir kommt und mir sagt,
dass es ein Irrtum war, dass meiner Namensänderung stattgegeben wurde, und dass ich leider wieder zurück muss.
Dass ich wieder dahin zurück muss, wo ich nie wieder hin will. Nie wieder hin kann, wenn ich leben will.
Und ich will leben.
Es verunsichert mich, wenn meine Lehrerin mich fragt "Heissen sie denn wirklich so?"
Und ich antworte "Ja, steht auf meinem Ausweis."
Ich meine, es STEHT da, und trotzdem fürchte ich, dass es nicht reicht.
Das es nicht gültig ist, dass ich nicht gültig bin.
Vielleicht ist das Ganze schwer zu verstehen, wenn man nicht ich ist.
Aber diese Namensänderung war für mich wirklich die Chance, die ich gebraucht habe,
um mir ein Leben aufzubauen.
Dieses Ich von früher, dass gar kein Ich war; dieser Mensch, der nichts war, ich konnte es zu Grabe tragen.
Und das hat mir Flügel geschenkt.
Früher, als ich noch keine Verbindung zu mir, zu MIR hatte, zu meinen Gefühlen,
da war ich.. nicht.
Es ist schwierig zu erklären.
Weil ich nie wirklich da war, weil Erlebnisse zwar abgespeichert aber nie emotional verbunden habe, sind auch meine Erinnerungen durcheinander.
Ich weiss nicht, wie alt ich wann war oder wie ich mich in Situation xy gefühlt habe.
Weil ich da nicht gefühlt habe.
Emotionen war für mich die zweckmässige Wiedergabe dessen, was ich dachte, würden andere jetzt wohl empfinden.
Und wenn tatsächlich mal MEINE Emotionen irgendwo durchkamen, war das so ein unglaubliches Chaos dass es für keinen der Beteiligten gut geendet hat.
Einmal, ich war entweder in der 7. oder 8. Klasse, da hatte sich eine Freundin meinen iPod geliehen. Und ich wollte ihn wiederhaben, aber aus irgendeinem (höchstwahrscheinlich) legitimem Grund wollte sie ihn noch kurz behalten, und ich bin völlig ausgetickt. Ich bin furchtbar wütend geworden, hab geschrien und bin weggelaufen.
Das ist eine der wenigen Erinnerungen an "meine" Gefühle. Intensiv, übergross, unendlich.
Zeitweise hatte ich mich so sehr von meinen Gefühlen entfremdet, das sie mir wie eigene Persönlichkeiten erschienen,
Wesen in mir drin die Dinge bewirken, die ich nicht will, die mir Dinge zuflüstern die ich nicht einordnen kann.
Gefühle waren für mich wortwörtlich die Teufelchen und Engelchen, die merkwürdige Dinge von mir verlangen.
Nur, dass es keine Teufelchen oder Engelchen waren, sondern körperlose, wesenlose Stimmen, Empfindungen in mir drin.
Das hat mich wahnsinnig gemacht.
Heute ist es knapp zwei Jahre her seit ich aktiv eine Verbindung zu meinen Gefühlen habe,
diese besser verstehen und kanalisieren kann, wenn auch noch lange nicht so, wie ich es gerne können würde.
Ich explodiere nicht mit, implodiere aber auch weniger, ich kann herleiten, wo ein Gefühl herkommt und was ich damit anstellen kann, ohne die Welt um mich herum in die Luft zu jagen.
Und meine Namensänderung war ein unglaublich wichtiger Schritt dabei.
Nicht nur, dass "mein" Name nun geschlechtsneutral ist und ich nicht mit all den Traumas von früher verbinde,
nein, es ist für mich auch ein neues Sein, ein Versprechen an mich selber.
Die Anerkennung, dass ich gewachsen bin, dass ich weiterwachse und das ich /lebe/.
Das ich leben will.
Und es wirft mich so dermassen aus der Bahn, den "anderen" Namen zu hören.
Das ist seltsam, denn als ich noch amtlich so hiess, war es nicht so schlimm.
Das ist irgendwie erst, seit ich offiziell ich bin.
Und ich krieg die Krise damit.
Was soll das denn?
Diese Ausbildung ist eine Challenge, und die grössten Hürden warten überhaupt nicht da,
wo ich sie erwartet hätte.
Kleine Schritte; Verhaltensanalysen.
Verstehen lernen, damit grosse Schritte möglich werden.
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