Donnerstag, 13. Mai 2021

Passage

 "I never had a morning where [...] I didn't had a letter to write"

Whispers | Chillyman & Melanie


Ich will mich entschuldigen. Beim Team von Green Survivors, bei Juna und Felix, dafür, dass ich nicht das Teammitglied bin das sie sich erhofft haben und das sie brauchen würden.

Ich bin keine Hilfe und ich habe das Gefühl, ich werde eigentlich nur noch mitgeschleppt weil Juna aus einem  persönlichen-Namen-dingens-Grund das Gefühl hat, sie kann sich nicht von mir als Teammitglied trennen. Aber das ist nicht wahr. Wenn ich nicht mehr tragbar bin dann muss ich gehen, und das ist absolut ohne Zusammenhang zu dem wie wir privat zueinander stehen.

Sie ist in einer ähnlichen Situation wie ich früher. Mit dem Namen, mein ich. Und ich hab ihr ein paar Tipps geben können zum Gesuch stellen und ihr erzählen wie es mir damals damit gegangen ist. Sie ist der erste Mensch überhaupt, der mir begegnet, der sich aus ähnlichen Gründen wie ich von seinem Vornamen trennen will. Natürlich helfe ich da, wenn ich kann.

Aber das soll nicht bedeuten, dass ich unantastbar werde im Bezug auf das Serverteam.
Und genau das habe ich ihr auch geschrieben.
Ich will mich entschuldigen, tausendfach, aber ich weiss, Entschuldigungen sind meistens relativ leer. Ich weiss einfach nicht, wie ich dem Nachdruck verleihen kann; ich habe ihr angeboten, mehr als meinen Anteil an den Serverkosten diesen Monat zu zahlen, weil Geld anscheinend die einzige verfluchte Möglichkeit ist, die mir einfällt, um Schaden wieder gut zu machen.
Ich widere mich selbst an.
Wie denn dann?

WIE DENN DANN?
Ich weiss es nicht.
Ich kann nicht der sein, den sie brauchen.
Ich kann nicht, weil ich in genau diesen Dingen absolut unzulänglich bin.
Weil meine Fähigkeiten und meine Belastbarkeit nicht ausreicht.
Nicht nur im Beruf fehlt es mir daran, auch im Privatleben kann ich Manches nicht tun weil ich ein fucking Weirdo bin der nicht mit Menschen umgehen und nur schlecht mit Konflikten zurecht kommen kann.

Und doch; ich bin nicht meine Erkrankung.
Immer un dimmer und immer und immer wieder dasselbe Mantra.

Immer wieder, IMMER WIEDER.
Aber - was bin ich denn dann?
Eingestellt darauf, dass ich vielleicht mein Leben lang Medikamente nehmen muss und auf Betreueung angewiesen bin, das bin ich eigentlich. Denke ich. Vielleicht.
Es ist nicht so, als hätte ich es je laut ausgesprochen. Nicht für mich, nicht für andere.
Dass ich das vielleicht nicht will.
Das ich mir mein Leben vielleicht anders vorgestellt habe.
Das ich gerne unterrichten wollen würde. Das ich gerne mehr aus mir rauskommen würde.

Das ich gerne besser mit Menschen würde umgehen können.
Das ich gerne ein besserer Mensch wäre.
Mehr da. Mehr nützlich. Mehr jemand, der Gutes tun kann und tut.
Mehr.
Alles.

I always ask the sun how it feels to be warm
'cause my hands haven been cold for too long
I ask the moon how it makes so many friends
'cause to me, it doesn't make much sense


Whispers | Chillyman & Melanie

Aah.. und wieder geht es nur um mich.
Wieder kann ich nicht anders als auf mich zentriert alles andere auszublenden.
Schreiben gute Menschen Tagebücher? Schreiben selbstlose Menschen Tagebücher?
Was steht da? Was muss ich tun um so zu werden?

Wie komme ich von dieser Selbstsucht los?
Wie kann ich endlich ein guter Mensch sein?

Mehr als nur Entschuldigung und Sorry und "hat nicht gereicht"
Mehr als Grade nicht und so weit weg und unnahbar
Mehr als Hintergrund und verwaschene Farben und Töne ohne Melodie

Wie?
Wie?

Ich will mehr schreiben. Aber nicht von mir. Über mich.
Und doch lande ich immer wieder genau da: Ich denke mir: diese Situation war schön. Diesen Menschen mag ich.
Ich.
Ich.
ICH

Ein Mensch, der mir in den Weiten des Internets begegnete, schrieb immerzu in der dritten Person von sich selbst. Ich weiss nicht, warum er das tat, aber manchmal frage ich mich, ob es das ist?
Aber auch dann kann ich dieses "Ich" nicht aus meinen Text wegdenken - ob nun wörtlich oder zwischen den Zeilen, das spielt keine Rolle.

Vielleicht schreiben deswegen Leute Bücher.
Ganz ohne Ich und direktem Bezug zu sich selbst erzählen, was auf der Seele brennt.



Anna-Rose
C'est à ça que ça se résume?
Année après année après année

Kann mich doch nicht von dir lösen
nicht im Guten, nicht im Bösen

Anna-Rose
certainly
you were and are
me

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen