Ich' steh gelangweilt in der Nähe meines Lebens
Etwas mürrisch erkenn' ich an, dass es meines ist
Ich wüsste nicht, was soll ich denn mit irgendjemandem reden?
Was soll ich erfahr'n, wenn meine Sprache keiner spricht?
Gehen | Tua
Konterdenken. Gegenteilig handeln. Gegen die negativen, schweren Gedanken angehen.
So, wie ich es immer und immer und immer und immer wieder gelernt habe, in Therapien, in Kliniken, in Fachbüchern, von anderen.
Denn positive Gedanken sind Nährboden auf dem Selbstakzeptanz und eine neutrale Wahrnehmung wachsen kann.
Positiv - aber wie, wenn ich so sehr angst habe, das es mich überheblich macht?
Ich fürchte mich davor, die Grenze nicht rechtzeitig zu erkennen und übers Ziel hinauszuschiessen - zu vergessen mich selbst zu regulieren, zu kontrollieren, mich im Zaum zu halten.
Positive Gedanken sind Nährboden auf dem Selbstakzeptanz und eine neutrale Wahrnemung wachsen kann - und der nur eine Seite zeigt. Das Narrativ desjenigen, der immer nur auf die guten Dinge schaut ist keines, das auch im Guten endet.
Wer den Blick für die weniger guten Dinge, die problematischen Ecken verliert kann nicht weiter wachsen. Kann nicht reflektieren.
Und wenn ich die Fähigkeit verliere, mich immerzu selbst zu reflektieren, dann habe ich wahrlich nichts mehr, was mich davor bewahrt, ein Monster zu sein.
Ist es ein Anfang, positive Dinge zu denken und sie einfach mal so stehen zu lassen?
Konterdenken, aber in einem neutralen Rahmen.
Ich erinnere mich.
Mein 18 Geburtstag war der schönste meiner bisherigen Geburtstage. Michelle und Lisa haben mich zuhause überrascht mit 20 Dingen. 17 Kleinigkeiten, an Ballons gebunden, einen Kuchen in Sternform mit unglaublich grossartiger blauer Glasur, und zwei Menschen, sich selbst, die mir bis heute eines der grössten Geschenke sind, die mir die Welt beschert hat.
Ich denke gerne an diesen Tag zurück, auch wenn zu dieser Zeit alles furchtbar im Argen lag. Ich mit mir, die Welt mit mir, ich mit der Welt. Aber diese Inseln aus Zuneigung und Da-sein haben meinen rohen Gefühlen Schliff verpasst, sie haben mir geholfen in kurzen Momenten aufzuatmen.
Ein Besuch und ein paar Ballons und ein Kuchen - inmitten des Sturmes meines Lebens einem Wunder gleich.
Ich erinnere mich.
Meine Schwester hat mir ab und an Dinge mitgebracht. Ein Brot in Stangenform als sie in einer Bäckerei gearbeitet (geschnuppert?) hat. Ein Brot das halt irgendwie anders war, ein bisschen wie ich, das mir geschenkt wurde, das extra für mich mitgenommen wurde - so viel Liebe in einem so kleinen Stückchen Lebensmittel.
Die rosa Smarties weil ich die toll fand, die hat sie mir ebenfalls mitgebracht. Als kleines Trostpflaster, weil Schokolade glücklich macht - ich habe ihren genauen Worte vergessen - aber was ich nicht vergessen habe war diese Welle aus Tränen die in mir drinnen geflossen ist, weil in dieser winzigen Geste, diesen winzigen Pillen aus Kakaomasse und Pastellfarbe so viel mehr lag als ich irgendwie verdauen konnte. Mehr als ich verarbeiten, verstehen konnte.
Heute weiss ich - ich war gerührt. Und ein bisschen schuldig gefühlt hab ich mich, weil sie extra an mich gedacht hat.
Damals - an meinem Geburtstag und an den Tagen mit den Mitbringsel - wusste ich gar nichts, ausser das es mich aus der Bahn geworfen hat.
Die Feinheiten verschiedener Emotionen konnte ich nur schlecht herauslesen und ab einem gewissen Level war jedes Gefühl schlecht, egal was die Ausgangslage war. Vielleicht habe ich deswegen nicht so reagiert wie ich es gesollt hätte, nicht vermitteln können wie dankbar ich bin.
Danke, Lisa und Michelle.
Danke Anna.
Danke.
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