Meine Schleifapparatur ist ein bisschen kaputt. Meine Kochstation, die Weiterverarbeitungsmaschine.
Und so bleiben die Emotionen roh und zu gross für meine Setzkästen und Vitrinen.
Mir bleibt nichts übrig, als sie zu stapeln wie sie sind, Stein auf Stein auf Stein, Gefühl auf Gefühl auf Gefühl, aber leider halten sie nicht so gut und geraten durcheinander, und irgendwann steh ich da, knietief in wild durcheinandergewürfelten, rohen Emotionen.
Es ist schwer, an solchen Tagen unter Leute zu gehen, noch schwerer als sonst schon, weil ich so schlecht ausbalanciert bin, voll mit ungeschliffenen, unverarbeiteten Gefühlen die darauf warten, zu kleinen, blitzblanken Murmeln zurechtgemacht und weggepackt zu werden, dahin wo sie gehören.
Jeder Mensch muss das machen. Sein Empfinden sortieren, einordnen und an den richtigen Ort bringen.
Die Natur hat mir mitgegeben, dass diese Steine bei mir viel grösser und unhandlicher sind als bei anderen, weswegen ich sie erst zurechtmachen muss, ehe sie in die Abteile der Schubladen passen. Ecken und Kanten wegschleifen, anpassen, und dann wegbringen.
Mehr Arbeit, mehr Aufwand - aber auch mehr Möglichkeit, das Schönste aus diesen Steinen herauszuholen. Durch den Schliff glänzen sie mehr als die anderer, sind bunter, schimmernder.
Mehr Arbeit, mehr Aufwand - an guten Tagen machbar, okay. An schlechten Tagen, mit Sand im Getriebe und fast leeren Batterien mehr, als ich leisten kann.
Therapie heisst die Maschinen bedienen lernen, kochen, verarbeiten, anpassen. Maschinen bedinen und warten lernen, und irgendwann - irgendwann hoffentlich, vielleicht, mit etwas Glück einen gewissen Automatismus reinzukriegen. Nicht mehr jeden Tag alle Lämpchen überprüfen müssen, nicht mehr jeden Tag alles selber anschmeissen und überwachen.
Die Geräusche in mir drinn deuten lernen, wahrnehmen, wenn etwas nicht in Ordnung ist und genug Ressourcen haben, kleinere Defekte selber beheben zu können.
Lernen, aus diesen übergrossen, rohen Steinen kleine, schöne Murmeln zu machen, mit etwas Mehraufwand aber ohne Kapazitätsverlust gegen Aussen.
Noch bin ich davon weit entfernt - aber irgendwann. Irgendwann, so hoffe ich, jeden Tag.
Irgendwann werde ich das können.
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