Montag, 21. Juni 2021

Glasmurmelspiel

 Manchmal denk ich mir, ich will wirklich lernen zu zeichnen.
Ich will Dinge festhalten, sie in all ihrer Schönheit wiedergeben.

Schnee, wie Puderzucker verstreut über der Welt-
Licht, dass sich in braunen Augen bricht und die hunderte von Facetten hervorbringt-
Das durchsichtige Glas gefüllt mit Büroklammern das auf der Ablage auf Arbeit steht -
Blumen, Blüten mit ihren Regelmässigkeiten und Muster-
Zitrusfrüchte, Zitronen und Orangen und Limetten in der Mitte durchgeschnitten-
Meine Figuren und ihre ästetischen Posen-
Bücher, Bücher, Bücher - Buchrücken, Bücher von vorne, von der Seite, aufgeschlagene Bücher -
Hände auf Klaviertastaturen, Hände, die über Notenblätter streichen-
Die Maserung von Aquarellpapier-
Pinsel, Farbkästen-
Baumrinde und Blätter und Wurzeln-
die exakte Geometrie von Gebäuden, mit seinen Fenstern und Türen und Ecken-

Die Welt ist voll mit so wunderschönen Dingen und manchmal fühle ich, dass ich überfliesse wenn ich versuche all die Anblicke in mir drin zu verwahren, dass da gar nicht genug Platz ist.
Nicht genug Platz und nicht genug Zeit um all diese Dinge zu sehen, spüren, erleben.
Nicht genug Zeit um einen Skill so zu perfektionieren, dass ich bis ins kleinste Detail wiedergeben kann, was mich daran so bewegt.
Es heisst ja, wenn du Dinge erleben kannst ohne sie irgendwie festhalten zu müssen, dann lebst du im Moment.
Aber wenn ich immer nur im Moment lebe, dann laufe ich über, dann zerspringe ich in tausend kleine Teile, inmitten dieser schillernden, abertausend-facettenreichen Welt, inmitten all dieser Farben und Klänge und Empfindungen.

Manchmal, wenn sich die Sonne im richtigen Winkel in der geschliffenen, polierten Emotionsmurmel bricht, dann denk ich mir: Es ist so wunderschön, diese Gefühle in all ihrer Intensität wahrnehmen zu dürfen.
Manchmal bin ich dankbar dafür, dass ich alles so viel stärker empfinde.

Manchmal ist die Welt so wunderschön.

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