Montag, 8. Mai 2023

Monologe

Vor einer Weile hatte ich mit Laphi ein Gespräch über Liebe und freundschaftliche Gefühle, und darüber, dass diese nie bedingungslos sein kann. Respektive, OB sie das eben nicht sein kann.

Seither begleitet mich das Thema, und ich glaube, ich bin irgendwie in einer argumentativen Sackgasse gelandet.

Ich glaube durchaus, dass es wirklich bedingungslose Zuneigung geben kann. Meine positiven Gefühle anderen gegenüber ist nicht wirklich an eine Bedingung geknüpft. Nicht daran, dass sie erwidert werden, und auch nicht daran, dass diese Person Teil meines Lebens ist. Beides sind zwar wünschenswerte Sachen, aber eben keine Bedingung dafür, dass ich jemanden mag. Auch Dinge wie Weltanschauungen oder bestimmte Verhaltensweisen sind zwar durchaus diskussionswürdige Gegenstände einer zwischenmenschlichen Beziehung, aber wenn ich jemanden mag, dann hör ich in der Regel nicht „einfach so“ damit auf. Ich weiss nicht, ob mich das in letzter Konsequenz irgendwie prinzipienlos macht; Menschen auch dann zu mögen, wenn sie in grundlegenden Dingen anderer Meinung sind wie ich. Allerdings rede ich auch nicht davon, dass ich mich mit jedem einfach so anfreunden kann. Wenn mir beispielsweise jemand offen Fremdenfeindlich, homophob oder wissenschaftskritisch gegenübertritt, dann wird höchstwahrscheinlich gar keine zwischenmenschliche Bindung zustande kommen. Ist das aber erst einmal passiert dann gibt es, glaube ich, kaum etwas, das daran rütteln kann.

Ich kann mitteilen, wenn ich eine Aussage schwierig finde, oder wenn eine Meinung von der meinen abweicht, aber diese Unterschiede im Empfinden solcher Dinge sind kein Totschlagargument gegen einen Menschen, an dem ich etwas gefunden habe, das ich gerne mag. (Ich mein, sind wir mal ganz ehrlich, ich hätte nie eine so enge Freundschaft zu Schweri aufbauen und erhalten können wenn ich ihm nicht frei heraus mitteilen könnte, dass ich sein Verhalten grade echt abenteuerlich finde. Aber ebenso kann er mir halt auch mitteilen, wenn er bei einer Sache grade völlig anderer Meinung ist, ohne dass er befürchten muss, dass ich ihn deswegen direkt aus meinem Leben schmeisse, egal wie.. uh.. „alternativ“ er sich äussert)

Eine gute Sache rechtfertigt natürlich keine 10 Schlechten, und wenn ein mir lieber Mensch etwas in meinen Augen Furchtbares tut, dann teile ich das auch mit, aber ich versuche mich eben auch damit auseinanderzusetzten, WARUM es dazu gekommen ist.

Ich will noch etwas darüber schreiben, dass es manchmal auch zu Kontaktabbrüchen kommen kann, aus verschiedenen Gründen, aber das krieg ich grad nicht auf die Reihe. Aber das Wichtige daran: Selbst, wenn ich keinen direkten Kontakt mehr zu jemandem habe, ändert das doch nichts daran, dass ich diese Person mag. Mein Mögen ist nicht an die Bedingung geknüpft, dass dieser Menschen auch „verfügbar“ ist.

Aber abgesehen davon, dass es mich vielleicht zu einer parteilosen Person macht, der man durchaus den Vorwurf machen kann, dass ich meine Überzeugungen nicht bis in die letzte Konsequenz mittrage, indem ich arg gegenteilige Meinungen toleriere, so stelle ich mir auch immer wieder die Frage: Werde ich dem Menschen gerecht, wenn ich ihn, völlig unabhängig davon, wie er ist, mag? Immerhin sind die meisten dieser Themen welche, die grossen Raum im Leben einnehmen und viel dazu beitragen, dass jemand ist, wer er eben ist. Vieles basiert auf ur-persönlichen Strukturen die man sein Leben lang nicht ablegt. WEN mag ich, wenn ich jemanden mag, der diese Grundüberzeugungen mitbringt, mit denen ich nicht einverstanden bin. Mag ich dann den Menschen, oder meine Vorstellung von ihm? Und wie wertet man das?

Ist es diskreditierend meinen Freunden gegenüber, weil es heisst, dass mir nicht wirklich was an ihnen liegt, sondern rein an der Beziehung zu ihnen? Was mag ich, wen ich wen mag? Was macht es aus, jemanden zu mögen?

Und: Wäre es so schlimm, wenn meine Zuneigung nicht bedingungslos ist? Sind Bedingungen zwichenmenschlicher Beziehungen nicht das, was sie irgendwie ausmachen?

Ich weiss es nicht. Nach all den vielen Überlegungen komme ich zu keinem Schluss.

Ich weiss es einfach nicht.

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