Mittwoch, 22. Juni 2016

Tag 81 | Alltagstragödien

There's a child in me, 
Still hiding behind the old tree
But aren't we all hiding
'Till the moment we're dying
And maybe I'm free
But freedom just means that I'm lost
It feels like I'm driving
Without ever arriving

-Blackfield | Far Away




Es geht mir nicht gut.
Ich sehe keine Zukunft für mich,
ich sehe mich nicht.
Alles, was ich tue, kommt mir furchtbar dumm und überflüssig vor,
alles was ich sage ist unnötig und zuviel.
Ich stecke bis zum Hals in der Wertung drin und mir fehlt die nötige Kraft,
ihr entgegenzuwirken.
Es ist mir aber grade auch egal.
Ich will nur irgendwo abseits vor mich hinexistieren,
nicht denken nicht fühlen nicht wahrnehmen.
Nichts.
Ich möchte grade nichts mehr.

Ich war heute spontan mit zwei Mitpatientinnen nach der Klinik noch was trinken und ein Eis essen,
und wir sind auf ganz komische Dinge zu sprechen gekommen.
Ich glaube, das hat diese Stimmung bei mir auch etwas ausgelöst.
Vielleicht, weil ich mir tatsächlich irgendwie etwas vernachlässig vorkomme,
von anderen und von mir selber.
Die zwei fanden das richtig heftig, das ich zweimal versucht habe, mir das Leben zu nehmen,
und es aktiv keiner bemerkt hat.
Für mich ist es einfach eine Tatsache in meinem Leben,
ich finde es schwer, mir Wert zuzumessen.
Aber jetzt, wo ich langsam damit anfange,
fällt mir auf, wie sehr sowas wehtut, einfach weil ich jetzt vergleichswerte habe.
Ist es denn egal, ob ich lebe oder sterbe?

Blöde Frage.

In der Ergo heute morgen habe ich mich an Pedigrohr versucht,
war ganz okay, aber mir hat die Freude gefehlt.
Ausserdem habe ich akribisch das Pokéball-Mosaik-Teil zerstört,
weil ich es jetzt nie mehr verschenken werde.
Die Ergotherapeutin hatte für diesen Prozess ein schönes Wort, das ich aber wieder vergessen habe.
Trotzdem erscheint mir "Zerstört" passender.
Weil es zerstört ist.

Irgendwie ist es schräg, zwischen all diesen Problemen in der Klinik nun die Erkenntnis zu haben,
wieder single zu sein.
Alltagstragödien.
Nichtigkeiten.
Die doch so unfassbar wichtig sind, dass sie einen um den Verstand bringen.
Ich verstehe Gefühle nicht.

Das Leben ist grade furchtbar.


Ach, ja.
Die Bilder.
Von Rechts Oben nach Rechts Unten:
Unsicherheit, Abgründig, Befreiung, Vergebung, Erhaltung
Seelenmüll.








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