Jonathan und ich haben heute in der Skillsgruppe rausgefunden,
dass es sich eigentlich irgendwie gar nicht lohnt, den ganzen Emotionskrams zu lernen.
Ich meine.. es gibt kein Patentrezept und keine Garantie das alles Gut bleibt,
von daher erschloss sich uns nicht ganz, wozu denn eigentlich.
Die Lösung, warum wir etwas bestimmtes fühlen, ist ja meist sowieso "weil ich dumm bin."
Nein, natürlich verstehen wir das schon.
Nur manchmal habe ich so meine knappen 10 "Therapie ist bescheuert" Minuten.
Okay, technisch gesehen IST Therapie bescheuert, es ist einfach total.. meschugge das gut 20 junge Erwachsene auf einem Haufen in einer WG leben und in der einen Sekunde fetzen sich alle und drei Minuten später spielen wir zusammen Karten.^
Wir stehen Morgens 5 Minuten alle zusammen vor der Station und nehmen "das Grün des Herbstes" wahr,
wir spielen Hangman um uns selber zu finden.
Alles und jeder ist ein Übungsfeld, wenn der stille Typ in der Ecke morgens "Hallo" flüstert schreien alle wie toll er doch ist,
und wenn der auffällige bunte Hund einmal nicht das halbe Inventar auseinander nimmt kriegt er Gummibärchen geschenkt.
Wir nehmen bunte Pillen zu jeder Tageszeit, und plötzlich ist Patientin X vom Zimmer nebenan auf der Akuten wegen einer Handvoll Smarties.
Und genau so ist das.
Alle sind irgendwie übersensibel und reizbar oder nah am Wasser gebaut und der, der dich zum heulen gebracht hat ist 5 Minuten später dein bester Freund.
Und du kennst diese Leute hier zu 100% überhaupt null.
Das ist irgendwie total schräg.
Du gehst ein Stück Weg in deinem Leben mit Menschen, die du vielleicht nachher nie wieder sehen wirst,
und erinnerst dich irgendwie nur noch an "den mit den Wutanfällen" oder "die mit Wahnvorstellungen".
Menschen werden hier komplett anders klassifiziert,
und während viele denken, es ist Wertefreier, denke ich dass das kompletter Bullshit ist.
Ja, natürlich, hier guckt keiner drauf wie du aussiehst, ein drittel der Leute schafft es ja kaum einmal die Woche zu duschen.
Es schaut auch keiner wie viel du wiegst, weil die eine Hälfte gar nichts isst und die andere Hälfte viel zu viel.
Es guckt dich auch keiner Krumm an wenn du weinst oder schreist, oder wütend aus dem Raum rennst.
Es ist eben so.
(Auch wenn wirklich wirklich wenige Leute so offen weinen oder schreien. Wirklich)
Dafür wirst du hier danach beurteilt wie du übers Leben denkst,
die Suizidalen sind im ständigen Kleinkrieg mit jenen, die das Leben mögen,
die Extrovertierten regen sich über die Introvertierten auf und umgekehrt.
Optimisten gegen Pessimisten und die Realisten fucken alle noch zusätzlich ab.
Hier existiert keine Mitte.
Entweder du hast alles im Griff oder gar nichts.
Entweder du erscheinst zu allen Therapien und machst alle Hausaufgaben oder du tust gar nichts.
Entweder du erzählst allen deine Lebensgeschichte oder gar keinem.
Entweder du heulst die ganze Zeit oder nie.
Entweder du hast kein Selbstvertrauen oder eine Narzisstische Persönlichkeitsstörung.
Entweder du machst böse Witze über deine Traumas oder kriegst einen Heulkrampf wenn du das Wort nur schon hörst.
(Oder beides. Tragischerweise sehr oft beides.)
Wir sind alle irgendwo in einem Extrem gefangen, und währenddem die Welt uns sagen will,
wir sollen die Grauzone finden, ist die Welt an sich ein einziges Extrem.
Das Lustige ist, Morgen sehe ich das vermutlich wieder ganz anders.
Weil auch ich in Extremen lebe.
Entweder es ist alles rosarot und perfekt hier,
oder es ist alles nur Scheisse.
Ich glaube, der Mittelweg ist nur eine Legende.
Den gibts gar nicht.
Ich schreibe Blödsinn.

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