Aktuell veröffentliche ich nur die Hälfte von all dem was ich eigentlich schreibe hier.
Das meiste ist depressiver, suizidaler Matsch und ich will niemandem Angst einjagen,
und will nicht immer nur rumheulen und mich beschweren.
Ich bin hier schliesslich in guten Händen.
Und trotzdem muss ich gewisse Dinge loswerden,
weil es mir die Möglichkeit gibt, im realen Leben dann eben weniger zu heulen und Dinge anders zu nehmen.
Es ist alles so ein fucking Chaos und ich hab keine Ahnung wie ich es lösen soll.
Ich hatte die letzte Woche als Aufgabe, mich jeden Tag dreimal hinzusetzen und kurz zu dokumentieren was ich körperlich fühle und was emotional.
Und das ist so schwer.
Oft fühle ich... nichts?
Es ist so.. faselig. So schwurblig. So naflig. U know?
Ich merke es ist okay oder es ist nicht okay, aber mehr?
WIE merke ich das denn? Haben normale Menschen irgend eine Stimme die ihnen einflüstert das sie jetzt grade traurig sind? Oder wütend?
Ich meine, okay, weinen = trauer.
schreien wollen = wut.
Das versteh ich schon.
Aber was wenn da gar nichts derartiges ist.
Irgendwie ein komisches Gefühl im Bauch und sonst nichts.
Wie zur Hölle soll ich dann rausfinden wie ich mich grade fühle?
Ich hab ja keinen Anhaltspunkt.
Aber ich will mal ganz anders an all das rangehen.
Ich werde JJ fragen.
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Er starrte auf das leere Blatt vor ihm und das Blatt starrte zurück.
Als würde es sich über ihn lustig machen, weigerte es sich komplett, Buchstaben, Sätze auszuspucken die irgendeinen Sinn ergaben.
Wie fühle ich mich? Was empfinde ich körperlich?
Diese zwei Fragen kreisten in seinem Kopf wie Löschflugzeuge über dem brennenden Wald,
nur das sie kein Wasser abwarfen sondern Nervengift, dass sich in seine Hirnzellen frass und ihm jegliche Fähigkeit nahm auch nur einen klaren Gedanken zu fassen.
Mit dem Gefühl hatte er sich vorher bereits einige Zeit auseinandergesetzt, nur um zum Schluss zu kommen, das alles irgendwie neblig matschig war, und irgendwas, wirklich irgendwas das ihm sagte, dass es grade nicht wirklich okay war. Aber er konnte nicht benennen warum.
Es.. war einfach.
Ein Empfinden irgendwo in der Nähe der Wirbelsäule die ihm mithilfe irgendeiner ihm unbekannten Alientelepathie mitteilte, dass es ihm grade nicht gut ging.
Mehr war da nicht.
Körperlich.. körperlich, Körper, physisch, auf den Körper bezogen.
Da war.. nichts. Nichts?
Vorsichtig stach er sich mit der Spitze seines Minenbleistifts in den Handrücken, ein kurzer, unangenehmer Druck, die Vorstufe zum Schmerz.
Aber er fühlte es nur an ebenjener Stelle wo er es grade erzeugt hatte, was bedeutete, dass er grade sonst keine Schmerzen hatte, oder? Die hätte er sicherlich auch bemerkt, Schmerzen waren etwas sehr unangenehmes.
Mit einem Seufzen versuchte er, seine imaginären Empfindungsfühler noch weiter auszustrecken, jeden Winkel dieses Gefässes das seine Seele innehielt zu erkunden und seine Wahrnehmung auf alles zu richten, was nach einer körperlichen Reaktion aussah.
Gänsehaut? Ein Blick zum Arm - Nein.
Zittern? Er hielt kurz die Hand vor die Augen und beobachtete aufmerksam - Nein.
Verkrampfungen? Mit geschlossenen Augen versuchte er im Kurzverfahren alle seine Muskeln abzuchecken, wie er es im Yoga gelernt hatte - In den Schultern vielleicht ein bisschen?
Herzschlag? Oh. Blödes Thema.
Er zog eine Grimasse und warf den Blick aus dem Fenster als die Erinnerung an die "Was fühle ich" Session vom Vortag hochkam.
Grade jetzt erschien es okay, sein Herz schlug ganz normal. Und das konnte er auch so aufschreiben.
Aber gestern war das nicht so gewesen, da hatte er den Eindruck gehabt, er wolle ihm demnächst aus der Brust springen, so schnell hatte es geschlagen.
Und er hatte es einfach nicht geschafft, das aufzuschreiben.
Den Stift auf dem Papier, die Worte im Kopf hatte ihn das Gefühl überkommen, dass wenn er diese Worte jetzt ausschreibt, wenn er aufs Papier bringt das sein Herz schnell schlägt, dann müsse er unwillkürlich den Kopf gegen die Wand schlagen.
Oder sich auf die Finger beissen.
Oder schreien.
Irgendwas tun um sich von diesen Worten zu.. trennen, so zu tun, als hätte er sie niemals aufgeschrieben.
Das waren nicht seine Worte.
Es war nicht richtig, er durfte das nicht so aufschreiben.
Aber warum?
Durfte es das nicht empfinden? War es denn falsch, einen schnellen Herzschlag zu haben?
Fürchtete er sich davor, nicht ernst genommen zu werden? Fürchtete er sich davor, dass ihm gesagt werde, es sei nicht richtig und er müsse alles nochmal schreiben? Befürchtete er irgendeine Konsequenz aus dem Niederschreiben dieser dummen, stupiden komplett unbedeutenden Worte?
Er konnte sich selber keine Antwort darauf geben.
Es war einfach falsch.
Wieder die Alientelepathie, die ihn einfach empfinden liess, das es so nicht stimmt, ohne ihm den geringsten Hinweis zu hinterlassen, warum.
Er wusste auch nicht, warum es jetzt ging darüber nachzudenken, es sogar aufzuschreiben, jetzt, wo es sich grade normal anfühlte.
Zwar fühlte er wie seine Anspannung leicht nach oben ging wenn er die Worte "Herz" und "schlagen" aufschrieb, aber es war okay und absolut möglich.
Ähnliches hatte er schon im Zusammenhang mit seiner Atmung beobachtet, dass es ihm unmöglich war, auszusprechen das er Mühe hatte zu Atmen weil sich alles so eng anfühlte, das er einen Druck auf der Brust verspürte.
Das sich seine Ohren warm anfühlten.
Allerdings war es durchaus möglich, generell zu schreiben, dass sich sein Körper warm anfühlte, ohne es auf ein Körperteil zu beziehen.
Fast erschien es ihm, als grause es irgendwas in seinem Bewusstsein davor, zu benennen das es sein Körper war.
Dass das ER war. Dieses Gefühl, diese Wahrnehmung, das Empfinden gehörte zu ihm, dem Menschen der er war, diesem Ich.
Dinge, die er nicht erfassen konnte.
Er war sich zu einhundert Prozent sicher, dass seine Wahrnehmung und seine Hirnkapazität nicht dazu ausreichte, um zu begreifen, was es bedeutete, "Ich" zu sein. Eine Persönlichkeit zu sein.
Immerhin war er einfach.
Er war ein Mensch mit Kopf und Körper und Beinen und Armen und allem was zu einem normal entwickelten Menschen gehörte, er hatte Gedanken und Gefühle und Empfindungen und manchmal taten Dinge weh, manchmal waren sie schön.
Aber sie passierten nicht ihm.
Sondern dieser dritten Person ihm Spiegel deren Leben er dokumentierte.
Er fühlte sich als wäre er durch Magie in das Leben einer Figur geraten die er selber erfunden hatte,
und wärenddem er schrieb was sie tat und fühlte tat und fühlte er es selber, ohne es zu sein.
Er war ein Bewusstsein im Körper eines Anderen, hatte die Macht Finger zu bewegen, Dinge zu sagen, konnte Dinge lernen und begreifen.
Aber es er tat es stellvertretend für die Figur, die er eigentlich war.
Natürlich war ihm klar, rational, das er eine Person war und tat Dinge die direkten Einfluss auf ihn hatten.
Er stylte sich die Haare weil er sich dann gut fühlte und es ihm gefiel und er dann eine kleinere Chance hatte, von irgendwem ausgelacht zu werden wegen ungestylten Haaren.
Er konnte auch in den Spiegel schauen und sich denken aha, das sieht gut aus. Aber nicht "Ich sehe gut aus". Weil das nicht passte.
Weil er vielleicht, irgendwo tief in sich drin die Furcht hatte, sich selber eingestehen zu müssen,
dass er eigentlich durch und durch scheisse war.
Er tat das also schon für sich, weil es nicht zu tun würde bei ihm schlechte Gefühle auslösen.
Aber diese Gefühle und die Gedanken wollten einfach nicht zu dem Körper passen den er mit sich herumschleppte.
Es war so.. getrennt.
Er konnte herleiten, dass sein Körper Einfluss auf seine Gefühle hatte, weil es seiner war.
Aber das alles zusammen ein Ich ergab fand er sehr abenteuerlich.
Dieses "Ich" kam ihm so schnell über die Lippen.
Ich möchte dies, Ich fühle dies, Ich denke das, Ich bin jenes.
Es war so normal weil es zur Sprache dazugehörte, es war eine Möglichkeit Dinge auszudrücken die mit seiner Person zu tun hatten. Mit diesem Ding um ihn herum, dieser Verkörperung seiner Seele, die eigentlich jemand anderem gehörte.
Er fand keine Worte dafür.
Keine, die nicht klangen, als hätte er grade völlig den Verstand verloren oder sich irgendwelche Mittelchen eingeworfen.
Aber vielleicht hatte er ja den Verstand verloren? Oder er hatte ihn nie gehabt?
Er war sich nicht sicher, ob er sich schon immer so gefühlt hatte.
Eher erschien es ihm, als hätte er früher nur nie darüber nachgedacht.
War es das, was all die klugen Leute um ihn herum meinten, wenn sie ihm sagten, er dürfen den Kopf nicht zusehr einstellen?
Das er einfach irgendwann angefangen hatte, darüber nachzudenken?
Er erinnerte sich an einen Abend, wo er seine Hände angestarrt und festgestellt hatte, dass das SEINE waren.
Seine Hände, er konnte die willentlich bewegen.
Er konnte machen, das sie sich krümmten oder streckten, er konnte sie auf eine Oberfläche legen und spüren.
Erfassen ob die Oberfläche rau oder glatt, warm oder kalt war, weil er ein Hirn hatte das in einem Kopf sass den er in dem Moment nicht sah,
aber er sah seinen Finger und fühlte die Oberfläche und das ergab einfach keinen Sinn.
Er konnte sich Biologisch erklären das seine Nerven dafür zuständig waren, elektrische Signale, Synapsen, all der Kram.
Aber das war nicht fassbar.
Er konnte es im realen Leben nicht begreifen.
Wie konnte er denn sein?
Wie konnte denn all sein Denken und fühlen und empfinden, selbst in den Beinen und Füssen,
wie konnten seine Emotionen die nirgends im Körper waren sondern.. einfach da, wie konnte all das nur aus diesem einen Organ ganz oben kommen?
Wieso, wenn er dachte, dachte er im Kopf?
Wieso formten sich die Worte seiner Gedanken nicht irgendwo in den Händen?
Er hatte die Augen geschlossen und das Gesicht in den Händen vergraben,
sich ein Gehirn vorgestellt, ein Gefäss - der Körper und ein Wille. Als Flamme die diese beiden Dinge verbindet.
Und urplötzlich hatte er wahnsinnige Angst.
Das war alles so surreal.
Das war alles gar nicht wirklich.
Alles nur erfunden, er war nur erfunden.
Und trotzdem fühlte er und spürte und empfand und dachte und all das.
Er erinnerte sich nicht daran, was er danach gemacht hatte.
Nur an dieses absolut wahnsinnige Gefühl, sich selbst und diese Existenz gar nicht fassen zu können.
Und die Angst.
Also war Angst der Grund?
Irgendwie konnte er sich das nicht vorstellen.
Viel eher hatte er wohl einfach zuviel langeweile und eigentlich gar keine Probleme,
und nur das Bedürfnis sich aufzuspielen und irgendwas zu erfinden.
Aber es war nicht erfunden.
Oder?
War es das?
War es das nicht?
Urplötzlich wusste er das nicht mehr.
Wusste er gar nichts mehr.
Konnte er sich den trauen?
Seiner Erinnerung, seinen Gefühlen?
Was war eigentlich real?
Was stimmte nicht mit ihm?
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