"Arakawa under the bridge" beschäftigt sich subtil aber sehr schmerzhaft mit den Misständen unserer Leistungsgesellschaft und den Normen die in Stein gemeisselt scheinen.
Es geht um einen jungen Mann, der durch gewisse Umstände dazu kommt, unter einer Brücke zu leben, wo er auf einige sehr aussergewöhnliche Menschen trifft, die sich ihre eigene kleine Community aufgebaut haben.
Der Major, der behauptet ein Kappa zu sein, aber ganz offensichtlich nur ein Kostüm trägt, ein Mädchen das überzeugt ist, von der Venus zu kommen, zwei Brüder die mit Metallhelmen umherlaufen, weil sonst ihre übernatürlichen Kräfte ausgespürt werden können, ein Typ mit Sternmaske, der behauptet der Mond zu sein.
Kou, der junge Mann, ist gleichermassen fasziniert und angewidert von der offensichtlichen Durchgeknalltheit dieser Menschen.
Er versucht sich als Lehrer, will ihnen "common sense" beibringen, sie zu dem machen, was er als "gesellschaftfähig" bezeichnet.
Und genau das ist der Knackpunkt: Wer entscheidet das denn?
Warum zum Teufel sollte jemand nicht mit einer Sternmaske auf dem Kopf Gitarre spielen und die Abendsonne geniessen?
Warum sollte jemand nicht als Kappa durch den Fluss schwimmen?
Warum.. WAS macht es denn aus, dass es nicht "der Norm entspricht"?
Wer ist diese Norm denn überhaupt?
Doch nicht mehr als ein menschengemachtes Konstrukt, das über jahrhunderte so festgefahren ist,
dass es wie in sich festgefressene Metallstreben über uns prangt.
Ich denke, dass es kaum jemanden gibt, der WIRKLICH und UNVERFÄLSCHT an alle Normen unserer Gesellschaft glaubt.
Jeder hat das ein oder andere Ding, das ihn zu einem potentiellen Aussenseiter machen könnte, würden andere Wort davon hören.
sexuelle Fetische, kulinarische Vorlieben, Dinge die uns zufriedenstellen; es gibt so viel Wunderbares auf unserer Welt, dass sich aber keiner traut anzugehen.
Keiner glaubt dran, aber alle fürchten ein Freak zu sein, wenn sie aus dieser Warteschlange treten,
diese traurig-komische Parade die dich von deiner Geburt an bis zu deinem Tod in einer graden Linie an all den Sachen, die nicht "sozial akzeptabel" sind, vorbeiführt.
In Arakawa under the bridge gibt es auch Shiro, ein Mann der nur auf weissen Linien läuft, weil er mit sich ausgemacht hat, dass seine Frau sonst in ein Huhn verwandelt wird.
Damit er gehen kann, wohin er auch immer will, hat er sich einen Markierwägelchendingens gekauft, der weisse Linien für Sportevents zieht.
Als der Charakter vorgestellt wurde, musste ich ein bisschen weinen, weil er so viel verkörpert was in unserer Gesellschaft falsch läuft.
In unserer "Gesellschaft", die eigentlich nur ein Hohlkörper ist, denn keiner steht wirklich da und will zu 100% alles verkörpern was uns vorgeschrieben wurde doch "Durchschnittsmessungen".
Es gibt keinen Durchschnittsmensch.
Es gibt keine Durchschnittsmeinung.
Es gibt nur die Illusion, Regeln zu folgen die dich als akzeptabel dastehen lassen.
Zum Teufel damit.
Aber keiner traut sich, was zu ändern.
Diese Metallstreben über den Köpfen aller sind schon so lange ineinanderfestgesetzt das ohne Vorschlaghammer, nein, ohne Abrissbrine nichts zu machen ist.
Die determination von Vielen komprimiert auf eine Stelle, um alles niederzureissen was uns so sehr einsperrt.
Hey, lach doch mal.
Steh mal auf die Strasse und wirf Konfetti, oder mach Seifenblasen.
Wünsch dem Typen im Abteil gegenüber einen schönen Tag.
Lauf ohne Schuhe, dafür mit Socken durch die Stadt.
Trag mal diese echt grässliche Hose, wenn sie dir gefällt.
Schrei mal auf dem Dorfplatz, dass du glücklich bist.
Setzt dich mal hin und geh kurz in dich; was möchtest du tun?
Ich sage nicht, das alles Schlecht ist was die Gesellschaft hervorbringt.
Aber ich glaube daran, dass wir eine viel viel buntere und friedlichere Welt hätten, wenn es keine Normen gäbe.
Wenn der Mensch nicht den Hang dazu hätte, alles runterzubrechen auf ein Beispielsdummy, das es in Wirklichkeit gar nicht gibt.
Hey, zieh dir doch mal ne Sternmaske über.
Lauf doch mal nur auf weissen Linien.
Schlaf doch mal unterm freien Himmel, und erzähl mal von deinen Träumen.
Frag den anderen doch mal, wie das Leben auf der Venus so ist.
Lass dem anderen doch mal seine Welt.
Sevi, den ich in der Klinik kennengelernt habe, ist fest davon überzeugt das wir nicht von der Erde sind.
Er glaubt, das wir von Millionen von Jahren hier angekommen - aus ausgesetzt worden - sind, aus welchen Gründen auch immer.
Und das durch das ständige Aufleben und Untergehen von Hochkulturen dieses Wissen verlorengegangen ist.
Das wir eigentlich alle Aliens sind.
Er wurde ausgelacht dafür, das is doch Spinnerei, nicht wissenschaftlich Belegbar.
Ich finde den Gedanken hingegen spannend und ein bisschen tröstlich.
Unsere Seele ist auch nicht wissenschaftlich Belegbar, und doch zweifeln weitaus weniger Menschen daran.
"Das menschliche Gehirn kann es sich nicht vorstellen, nicht zu existieren",
und doch zweifelt keiner am Tod.
Wir sehen so wenig, wir kriegen so wenig mit, wir verbauen uns so viel in dem wir es einfach als "falsch" abtun.
Ich hab keine Ahnung was eigentlich mein Punkt bei dem ganzen ist, aber das musste endlich endlich mal von meiner Seele runter.
Ich hab seit Tagen im Kopf diesen Text geschrieben.
Normen, Dinge die wir glauben und sehen, die Gesellschaft..
Warum ist eigentlich Inzest schlecht?
Abgesehen vom biologischen Faktor der nicht bestreitbar ist.
Aber.. davon ab?
Warum ist es schlimm wenn sich zwei Menschen in gegenseitigem Einverständnis lieben?
Who the fuck cares das sie per Zufall aus demselben Genpool stammen.
Warum ist das so verschrien?
Warum glauben alle, das sie auseinanderfallen wenn sie sich nicht mehr an gängige Werte halten?
Du fällst nicht auseinander.
Du wirst frei, frei tatsächlich genau das zu sein, was du sein möchtest.
Geh, besetz ein Haus, wenn du möchtest, werd Strassenmusikant.
Gründe eine Hilfsorganisation und mach Einsätze in fremden Ländern.
Es ist richtig.
Und genauso richtig ist es, eine Ausbildung zu machen und dein Leben den Anzug nicht mehr auszuziehen.
In einer Bank oder an der Supermarktskasse, 40 Jahre lang im selben Betrieb.
Los, geh, tu es.
Du bist frei, zu tun, was auch immer du willst.
Niemand kann dir irgendwas vorschreiben.
(Beim Punkt "solange andere Menschen nicht zu schaden kommen damit" lässt es sich sehr hart streiten. Beispielsweise ob Hausbesetzungen schaden, oder wie schlimm Diebstahl in einer riesigen Ladenkette ist. Körperverletzung, Mord und so, da wirds halt schwierig.
Aber technisch gesehen.. kann auch da dir niemand was vorschreiben.
Ich bin überzeugter Pazifist und ich werde nicht aufhören, dafür zu Kämpfen, dass Waffen irgendwann nicht mehr gegen andere Lebewesen gerichtet, sondern zum Schaffen eines gemeinsamen Lebens genutzt werden können. Und trotzdem hat jeder das Recht, Sportschütze oder Mitlitärmensch zu sein. Jeder kann sein Leben gestalten, wie es ihm beliebt)
"In a world where you can be anything I choose to be kind"
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