And I'll love the world, like I should
Yeah, I'll be good, I'll be good
For all of the times that I never could
I'll be good | Jaymes Young
Ich bin müde.
Ich schaue mir Dokus an über Eltern die um ihre Kinder trauern. Eigentlich habe ich mit irgendeinem Markencheck angefangen, aber der Youtube-Algorytmus war der Meinung, ich brauche jetzt was anderes.
Ich weine ein bisschen mit den Leuten im Video, weil ich sehe wie traurig sie sind und ich nichts für sie tun kann, und weil ich daran denken muss, dass mein Vater anders wäre.
Ich will ihm nicht absprechen, dass es ihn traurig machen würde wenn ich tot wäre, aber ich ich denke, er wäre es nicht wegen mir, sondern weil seine Lebensumstände verändert wurden.
Ich glaube nicht, dass mein Vater um MICH trauern würde, um mich als Person, mit all meinen charakterlichen Zügen, sondern darum, dass seine Normalität umgeworfen wurde.
Das ist nichts schlechtes, man verstehe mich nicht falsch, jede Trauer beinhaltet einen kleinen Teil davon. Abschied nehmen von dem Leben, dass man gehabt hätte, wenn der Schicksalschlag nicht gewesen wäre. Das ist normal.
Und doch wünschte ich mir, ein kleines bisschen um meiner selbst willen vermisst zu werden.
Aber ich weiss, dass mein Vater mich für keinen guten Menschen hält. Er mag mich nicht und wären wir nicht Blutsverwandt und er in seiner etwas merkwürigen Realität mir emotional verpflichtet so würde ich nie wieder von ihm hören.
Mein Vater liebt mich nicht weil ich ich bin, sondern weil es seiner Normalität entspricht, seine Kinder zu lieben. Das macht mich ein bisschen traurig.
Aber einmal mehr macht es mir auch bewusst, dass ich halt nicht das bin, was er sich erhofft hat in seinem Kind.
Nicht wie meine Schwestern, mit denen er zwar auch ab und an aneinandergerät, die er aber aufrichtig um ihrer selbst willen liebt. Das spürt man.
Er kann stolz auf sie sein, er kann Zeit mit ihnen verbringen, er kann etwas in ihnen sehen, was er in mir nie gesehen hat.
Manchmal macht mich das ein winziges bisschen eifersüchtig.
Aber es ist okay, so war es schon immer. Und ich weiss auch, dass es meine Schuld ist, dass es heute so ist.
Wäre ich nicht, wie ich bin, dann wäre heute viele anders, vermutlich einfacher.
Vielleicht wäre ich dann jemand, der wirklich und innig geliebt werden könnte.
Es tut mir leid, dass ich so bin.
Ich will das nicht schreiben, weil ich nur einen Bruchteil von dem formulieren kann was mir wirklich im Kopf herumschwirrt. Aufgrund diesen Bruchteiles werde ich aber von dem Empfangenden beurteilt und eingeordnet. So funktioniert menschliche Kommunikation, das ist nunmal so. Und genau deswegen mag ich Kommunikation nicht. Interaktion.
Ich werde nie alles erfahren, ich werde nie alle wenns abers wies vielleichts neins jas von meinem Gegenüber erfahren um mir ein wirklich fundiertes Bild zu machen.
Genauso wird der andere nie alles von mir wissen, er wird nie wissen was steckt hinter welchem Wort und welche Überlegung hat zu welchem Satz geführt.
Menschen sind Aliens, jeder einzelne, denn jeder ist seine ganz eigene Spezies mit eigenen Regeln und Funktionsweisen.
Wenn ich hier schreibe, ich beneide meine Schwestern um die Liebe unseres Vaters so fällt mir ein, dass ich aber unbedingt erwähnen muss, dass sie nichts dafür können, dass ich ein Idiot bin, dass auch sie ihre Probleme mit ihm haben, dass ich bedenke, dass auch sie an sich arbeiten, dass-
Alles. Nichts.
Dieser Text ist so unfassbar eindimensional dass mir schon wieder entfallen ist, warum ich ihn überhaupt schreibe.
Aber was bringt denn jammern, all diese Energie versuche ich lieber in was Positives umzuwandeln.
Ich versuche über Spenden an Organisationen, die Eltern die für ihre Kinder alles tun, unterstützen, ein kleines bisschen Busse dafür zu tun, dass ich kein Kind bin das seinen Eltern Freude bereitet.
Ich habe versucht mich zu ändern, weisst du?
Schritt um Schritt auf dich zuzugehen und verstehen zu lernen, wie deine Realität funktioniert.
Versuchen zu verstehen wie du aufgewachsen bist, was deine Eltern dich wohl gelehrt haben. Deine Wertvorstellung verstehen und was dir wichtig ist. Ich habe dich gebeten, mir eine Liste mit 50 Dingen zu schreiben, die du magst. Ich habe versucht deinen Glauben zu verstehen und selber aktiv tzu werden. Ein guter Schüler, ein erfoglreicher Mensch. Eine saubere, akurat aufgeräumte Wohnung. Viel lesen und einen grünen Daumen entwickeln.
Heterosexuell sein und an Nachwuchs, an einer bürgerlichen Familie interessiert.
Ich habe versucht auzusloten, was du dir von mir wünscht.
Ich habe versucht, immer ein bisschen näher dem zu kommen, was du gerne hättest das ich bin.
Aber ich kann es nicht.
Ich bin ein Idiot der sich nicht weiterentwickeln kann. Es ist meine Schuld.
Ich kann nur jammern und während ich diese Zeilen schreibe will ich schreien, weil ich auch jetzt nichts anderes tue als nur zu jammern, ich will das hier nicht schreiben weil ich mich davor fürchte zu erklären, was in mir vorgeht.
Weil ich dann zugeben muss, dass ich kein guter Mensch bin. Weil es dann alle wissen.
Ich will nicht schreiben, aber ich muss, weil mich diese Worte in meinem Kopf ertränken.
Ich will jemand sein, der geliebt werden kann für den, der er ist.
Aber ich weiss nicht, wie.
Und manchmal weiss ich auch gar nicht mehr wofür.
Ich kann kein guter Mensch sein.
Bitte verzeiht es mir.
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