Ich hab' mein Halbjahreszeugnis erhalten und die Noten für die Semesterarbeit.
Beides ist.. sehr gut.
Es ist schwierig für mich, dass zu schreiben, weil ich wieder fürchte, egoistisch zu wirken. Überheblich, selbstverliebt.
Aber da meine Noten übersetzt ein "sehr gut" bedeuten, ist es etwas leichter.
Und doch kann ich mich kaum freuen, denn die Angst vor dem "Danach" ist wieder übermächtig.
Einen Job finden irgendwann, alles aufgleisen, eine Wohnung finden, ein Leben führen.
Geld zur Seite legen, dritte Säule, später mal was haben für die Rente.
Das ist alles so unfassbar bescheuert. Es bleibt einem nichts übrig als sich mit Mitte 20 schon zu Sorgen wegen Dingen, die in 40, 50 Jahren passieren.
Und wieder; wer weiss, ob ich da noch lebe? Wer weiss denn schon, was wird?
Ich fühle alte Muster auf meiner Zungenspitze, in den hintersten Winkeln meines Gehirns; keine Zukunft, nur die Gegenwart und ein Weg, der im Nebel verschwindet.
Ich sehe nichts, ich höre nichts, ich kann nichts tun ausser auf diesem Weg weiterzugehen und zu hoffen, dass ich vor keine Mauer laufe.
Am Freitag in der Schule ist Vanessa richtig böse geworden auf mich.
Weil ich gesagt habe, ich fürchte mich davor, das Englischzertifikat und das Computerzeugs zu machen,
weil ich mir sicher bin, dass ich es nicht bestehen werde.
Sie meinte, sie finde es furchtbar, dass ich das denke und das ich aufhören solle damit weil sie mir sonst mal so richtig die Meinung sagt.
Ich weiss nicht so richtig, wo ich das verräumen soll.
Rational ist mir bewusst, dass sie das getan hat, weil sie an mich glaubt.
Aber ich bin so schlecht darin damit umzugehen, wenn jemand böse auf mich ist und mich anschnauzt. Ich gerate sofort in die Defensive und möchte mir auf die Zunge beissen.
Mich nie wieder beschweren und ihr keinen Grund geben, nicht wieder böse zu werden.
Ich bin so schlecht darin, mich anderen mitzuteilen. Ich weiss einfach nicht, wie ich das tun soll.
Ich will ja gar nicht jammernd rüberkommen, aber offensichtlich funktioniert das nicht so gut.
Und nun.. bleibt mir nichts anderes übrig als mich Hals über Kopf in diese Zertifikate zu stürzen damit keiner denkt, ich wäre faul oder nicht bereit, an mir zu arbeiten.
Ich habe so unglaubliche Angst davor, es geht nicht. Ich kann doch nicht so gut englisch, nicht gut genug für diese Prüfung. Ich mache doch meist nur irgendwas und für den Unterricht reichts halt zufälligerweise, aber ich habe keine Ahnung von der eigentlichen Materie.
Ich besitze kein wirkliches Sprachgefühl und tue mich schwer damit, Wortschatz auf- und auszubauen.
Wie soll das denn gehen?
Und doch muss ich.
Es gibt keinen anderen Weg.
Ich will kein nutzloser, fauler Mensch sein. Ich will weiterkommen.
Ich fürchte mich davor.
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