Mittwoch, 6. April 2016

Tag 29 | Vorgespräch mit Tiefgang

"Ich war doch so schön ausgemalt, aber hab die Farben verwischt"

-Casper / Blut sehen (Die Vergessenen Pt. II)


Heute war fĂĽr ein Mittwoch verdammt viel los.
Hat ganz entspannt begonnen mit Ergo,
Speckstein ist so ein dankbares Material.
Es ist so geduldig, wenn ich ungeduldig bin.
Es ist so sanft zu mir, obwohl ich so grob zu ihm bin.
Und einfach nur wunderschön.
Ich könnte stundenlang einfach nur sinnlos Specksteinsplitter schleifen^^
Aber gegen Ende gings mir total auf den Geist,
mir ist die eine Spitze von Projekt Verrat-ich-nicht abgebrochen,
und das Ding ist so total filigran das es echt schwer zu kleben ist.
Habs mit Sekundenkleber probiert, aber Jin & Sekundenkleber war noch NIE eine gute Idee.
Auch heute nicht.
Die Ergotherapeutin hat mich dann gerettet indem sie mir verraten hat,
dass sie speziellen Speckstein-Leim hat.
Yay.
Hoffentlich ist es Morgen schon getrocknet und hält :c

Ab dem ganzen Theater habe ich total vergessen, dass ich um viertel nach Zehn zum Vorgespräch für die interaktionelle Gruppe erwartet werde.
Aber irgendwie.. war das weniger einn Vorgespräch, als mehr eine volle Therapiestunde.
Auch wenn das wohl nicht unbedingt so beabsichtig gewesen ist,
aber es war unheimlich schwierig.

In der Interaktionellen geht es halt vorallem darum, miteinander im Kontakt zu sein,
den Gruppenteilnehmer rĂĽckzumelden unnd selber RĂĽckmeldungen zu erhalten,
wie man wirkt, wie man sich anderen gegenüber verhält und so.
Es werden Themen aus der Gruppe aufgegriffen und besprochen.
Und irgendwie sind wir dann ganz woanders gelandet,
bei der Frage, wieso ich nicht von mir erzählen kann und wieso sie, die Gruppenleiterin und Psychologin glaubt,
dass es mit meinem Elternhaus zu tun hat und der Tatsache,
dass ich mit meinen Problemen nie ernst genommen worden bin.

Egal was geschmerzt hat, egal mit wem es Ärger gab, immer hiess es "Reiss dich zusammen,
tu nicht so."
Das prägt.
Und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr ergibt das auch Sinn, dass das prägt.
Ich meine, ich hab darĂĽber bisher nie nachgedacht.
Wir sind eben etwas... zielgerichteter aufgewachsen als andere, gute Noten und saubere Zimmer waren etwas wichtiger als menschliche und charakterliche Fähigkeiten.
Ich habe nie darüber nachgedacht, dass teile meiner Borderlineerkrankung auch von da herrühren können.
Ich meine, ich weiss das die Gewalt und die Misshandlung auch ausserhalb der Familie dazu beigetragen hat.
Aber dass da noch mehr schief gelaufen ist, ist mir nicht eingefallen.
Irgendwie hört man auf zu suchen, wenn man eine logische Erklärung hat.

Das beschäftigt mich so dermassen, schon die ganze Zeit.

Ich will meinen Eltern, vorallem meinem Vater, eigentlich nicht vorwerfen,
dass sie mich nicht geliebt haben oder lieben.
Bei meiner Mutter werde ich sowieso nie erfahren was ihre BeweggrĂĽnde waren,
wieso sie mich geschlagen und gedemĂĽtigt hat. 
Spätestens seit dem Anime "Shigatsu wa Kimi no Uso" habe ich das loslassen können.
Ja, es ist schon lustig, was alles so dazu beitragen kann, dass man plötzlich ein Aha-Erlebnis hat.
Ein Lied, ein Zitat oder eben eine Serie - und mit einem Male ist etwas glasklar was vorher irgendwo versteckt war.

Ich trage niemandem irgendetwas nach.
Meine Vergangenheit war eben so, fertig. Hass oder Wut ändert nichts,
es macht nur zusätzlich im hier und jetzt eine schlechte Stimmung, und das muss nicht sein.

Ich merke schon, das lässt mich immer noch nicht los.
Wie ich festgestellt habe, hab ich erst am Freitag BP-Gespräch.
Wäh.
Irgendwie habe ich das BedĂĽrfnis, morgen darĂĽber zu reden.
Aber ich glaube, ich werde mich nicht trauen, auf meine BP zuzugehen und um ein ausserplanmässiges Gespräch zu beten.
Mal schauen.

Generell ist morgen nicht viel los, ich schaue ob ich Morgens in die Ergo kann,
sonst hab ich von viertel nach neun bis viertel nach elf ein Loch,
das ist doch schon etwas arg lang.

Ach, ich werde es sehen..



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