Samstag, 25. Februar 2017

Shinki

Ich ärgere mich darüber, das es mir nicht gelingt, meine jüngere Schwester zu fragen,
ob sie diesen Blog lesen will.
Ich meine holy, was isn dadran so schwer?
Ich bin so furchtbar.

Am Donnerstag hatte ich eine interessante Unterhaltung mit einer meiner Schülerinnen.
Sie war mit der Berufsschule in einem Gefängnis und musste danach ihre Eindrücke und den Transfer zu ihrem Beruf (Sie lernt FaGe) in einer Arbeit wiedergeben.
Und sie hat da sehr harte Ansichten.
Ihrer Meinung nach, verdienen Leute im Gefängnis keine Pflege und keinen Luxus,
sie findet es schon relativ krass das sie ab und zu in einen Fitnessraum dürfen oder auch Arbeit haben da.
Schliesslich haben die was Böses getan, also sollte ihnen das Recht auf Beschäftigung vorenthalten bleiben.
Auch meinte sie, sie könnte nie in einem Gefängnis arbeiten, weil sie dauernd vor Augen hätte,
dass diese Menschen böse Dinge getan haben und sie ihnen dann eigentlich nichts Gutes tun will.

Das fand ich echt.. oha.
Vielleicht auch, weil ich da komplett anders bin;
für mich spielt es keine Rolle, was ein Mensch gesagt oder getan hat,
ich finde, man das Gute in jedem Menschen versuchen zu fördern.
Irgendwie kommt es mir so vor, als würde ich jemanden aufgeben,
wenn ich sage, er hat aufgrund seiner Taten nichts Gutes mehr verdient.

Und das ist etwas, was man niemals nie tun darf; einen Menschen aufgeben.
Etwas, was ICH nie tun darf, niemals tun möchte.
Ich meine.. angenommen, jemand ermordet einen Menschen, den ich über alles liebe,
und dieser jemand, der Täter, wird plötzlich sehr schwer krank, und ich bin die einzige,
die die Möglichkeit hat, ihn zu pflegen... ich würds tun.
Gut, es ist sicherlich nochmals was anderes, direkt in der Situation zu stecken.
Aber ich meine, was zur Hölle bringt es denn, wenn ich den Hass einfach weitergehen lasse?

ICH habe die Chance an so einer Situation was zu ändern, in dem ich meinem Gegenüber mit Güte begegne,
indem ich zwar absolut wütend, traurig, verständnislos sein kann,
aber trotzdem versuche, dem anderen nicht seine Würde und sein Mensch-sein abspreche.
Denn dazu habe ich gar nicht das Recht.
Egal, was jemand getan hat.

Manchmal würde ich mich gerne an Orte wie Gefängnisse begeben und einfach mit den Insassen reden.
Mich ganz lange mit ihnen unterhalten, erfahren, was sie für Menschen sind,
was sie für Träume und Wünsche haben, was ihre Lieblingsfarbe ist und was sie gerne essen,
ob sie an Gott glauben und ob sie einen Sinn im Leben sehen.
Was sie als erstes tun  würden, wenn sie wieder frei wären und vielleicht auch, was sie zu ihrer Tat bewegt hat.

Ich verteidige Kriminalität nicht, ich finde es richtig, dass jemand, der was Schlimmes, was Unrechtes getan hat,
seine Strafe absitzt. Ich finde es auch gerechtfertigt, für manche Dinge einem Menschen die Freiheit lebenslänglich zu entziehen.
Weil man manche Vergehen einfach nicht "vergelten" kann.

Aber mich interessiert das warum.
Wie geht es dem Täter jetzt damit.
Warum bereut er seine Tat nicht, oder warum bereut er sie eben schon?
Was hat ihn dazu bewegt?
Würde er es wieder tun?
Was für ein MENSCH ist er denn letzlich?
Wo sind seine Stärken, was liebt er, was hasst er?
Ich will den Menschen, der da vor mir sitzt und Schlimmes getan hat, kennenlernen.
Ich will seine guten Seiten sehen. Seine Passion.
Weil die sind da.
Immer.


(Okay, vielleicht klinge ich selber wie ein Vollpsycho weil mich sowas interessiert. Aberrrr Menschen sind so spannend. Alle Menschen, egal welches Alter, Herkunft, Religion, egal ob "gut" oder "schlecht", egal was sie tun oder sagen oder denken. Ich will noch viel viel mehr über Menschen erfahren.)



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