Freitag, 21. Juni 2019

Paloma Lemonade

An Tagen, an denen gar nichts mehr zu gehen scheint übe ich mich in Dankbarkeit.

Wenn ich morgens nicht aufstehen mag und es mit Ach und Krach zur Arbeit schaffe, dann versuche ich dankbar zu sein dafür, dass ich eine Arbeitsstelle habe die mich vernünftig bezahlt, die es respektiert wenn ich halt mal mehr Zombie als Mensch bin, oder wenn ich meine Emotionen zeitweise nicht so gut im Griff habe.
Wenn ich Mittags Wäsche waschen will und nervigerweise feststelle, dass mein Waschmittel alle ist, versuche ich dankbar dafür zu sein, dass ich mir selber aussuchen darf mit welchem Waschmittel ich wasche, dass ich überhaupt eine Wahl habe und die Möglichkeit, welches zu kaufen.
Wenn ich um eins wieder ins Büro muss, was zuhause vergesse und die blöden Treppen noch mal hochrennen muss, dann versuche ich dankbar dafür zu sein, dass ich ohne Einschränkung überall hin und wieder weg komme, dass ich spontan ein paar Treppen nehmen kann, nicht auf Aufzüge oder dergleichen angewiesen bin.
Wenn ich meine Fenster putzen muss, dann versuche ich dankbar dafür zu sein, dass ich eine so schöne und helle Wohnung habe, dass ich mir einen Nachmittag oder sogar zwei Zeit lassen kann, dass ich selber entscheiden kann in welchem Tempo ich putzen will.
Wenn es Mittags mal wieder nur räudige Kacke gibt in der Mensa (wie zum Beispiel Zungenroulade, WER KOCHT DENN SOWAS), dann versuche ich dankbar dafür zu sein, dass ich mir aussuchen kann, ob ich in der Mensa essen will oder nicht, dass ich mich alternativ zu den Menüs an der Salatbar oder dem Sandwichbuffet bedienen kann, dass ich auch spontan bei mir zuhause was kochen kann, das ich die Wahl habe.
Wenn ich auf Arbeit spontan einen Besprechungstermin dazukriege weil es irgendwie vergessen ging vorher, dann versuche ich dankbar zu sein, dass ich dazulernen darf, dass ich eine Arbeit habe die mich wirklich interessiert. Ausserdem, dass ich spontan sein kann, dass ich nicht krankheitsbedingt dazu gezwungen bin meine Tage immer gleich zu gestalten, sondern meine Psyche es mir erlaubt Dinge einfach so zu ändern.

Ich versuche dankbar zu sein, für mein Leben und die Umstände, die so gut sind wie sie sind, dafür, dass ich zwar in vielem eingeschränkt bin, aber mein Leben dennoch meistern kann irgendwie.
Dafür, dass ich in so vielem frei entscheiden kann, dass ich mir meinen Alltag so zurechtbauen darf, dass er für mich lebenswert ist.
Ich bin so unfassbar dankbar das mir trotz allem so viel Lebensqualität möglich ist.
Ich bin dankbar.

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