Donnerstag, 27. Juni 2019

Ringelblumentee

Kleine Schritte gehen, kleine Brötchen backen.

Letzeres war das Motto einer Kunstinstallation einer freischaffenden Künstlerin, meine liebe Simone A., die ich vor Jahren bei einem Klinikaufenthalt kennengelernt habe.
Sie hat - wortwörtlich - kleine Brötchen gebacken für ihre Erfolge, für die kleinen Schritte, um sich selber daran zu erinnern, dass Rückwärts das neue Vorwärts ist, und morgen eben auch noch ein Tag.
Runterschalten, sich selber zeit geben.
Sie hat dazu sogar ein Buch geschrieben und einen Blog geführt -> pure108.tumblr.com/
Ist mir grade wieder eingefallen.

Ich muss im Moment viel an diese "kleinen Brötchen" denken, der Abend in ihrem Atelier wo sie überall verstreut rumlagen, und sie zu mir sagt "Schau mal, so viele kleine Schritte, viel mehr als wenn ich sie in Grossen gegangen wär"
Was bedeutet es denn für mich, kleine Schritte zu gehen?
Vor etwa einem Monat bin ich 25 geworden, ein Alter, über das ich nie nachgedacht habe.
Ich war immer fest überzeugt, dass ich sowieso vorher sterben werde.
Und jetzt, wo es so weit ist - bin ich ein bisschen verloren.
Was macht man denn mit einem Leben, das man nun eben doch will?
Klar, es ist ein Erfolg, etwas Schönes wirklich sagen zu können "Ich will dieses Leben haben."
Aber.. was tut man denn mit so einem Leben?

Auch meine Betreuerin meinte, kleine Schritte klinge doch gut; einfach mal da Anfangen, wo mich die ersten Bedürfnisse hinführen.
Gut, dann... möchte ich irgendwann eine Wohnung haben, halt nicht eine, die übers Wohnheim läuft, so wie die aktuelle, sondern ne eigene. (Gemietet, mein ich)
Am Liebsten mit 1 1/2 oder 2 Zimmer, mit einer Badewanne und moderner Einrichtung.
In einer Siedlung oder einem Wohnviertel, wo Familien leben, wo Haustiere erlaubt sind.
Das sollte machbar sein, oder?
Mein erster Schritt wird sowieso erst Mal die Ausbildung abzuschliessen. Aber danach.. ist es möglich, eine kleine Wohnung zu finden, oder?
Ist das ein kleiner Schritt? Oder bin ich wieder weit weg von der Realität und in irgendwelchen egoistischen Vorstellungen gefangen?

Kleine Schritte.. ich will Welcome to the monkey house fertiglesen.
Ich will am Samstag einen Ventilator kaufen gehen, lieber Umluftofenwohnung als Ober & Unterhitze. (Marcel hat einen Venti mit Katzenohren. Ich bin ein bisschen neidisch!)

Ich möchte.. einfach ein kleines Leben führen.
Eine Arbeit haben, ein bisschen Geld, eine Wohnung mieten, Abends was Lesen oder Hörbuch hören, im Winter heisse Schokolade mit Sahne trinken, im Sommer Wassermelone essen. Meine Freunde treffen, mich mit ihnen unterhalten und hören, wie es ihnen so geht.
Ich möchte.. leben.
Klein, unscheinbar, ohne grosse Villa, ohne Auto, ohne Eigenheim.
Nur.. ein bisschen leben.
Das wäre schön.

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