Mittwoch, 9. August 2017

Drucker braucht Kupfer

Ein Tag im Leben der Jil:

"Jiiin, lass ma da zur Post gehen, ich will da was haben."
"Die hat ĂĽbrigens schon geschlossen."
"Ich weiss, ich will ja zu dem Automaten davor. Da kriegen Junkies saubere Nadeln."
"Aha, und wofür zur Hölle brauchst du ne saubere Junkienadel?"
"Weil ich mir damit dann Bluuuut abzapfen kann"
"Wtf nein, was denn los mit dir? Das ist nicht viel anders als sich zu schneiden Jil"
"Ja aberrrrr.. neeein, ich will das doch gar nicht um mich zu verletzten, ich will mein Blut mit Vodka mischen und es dann trinken!"

Und spätestens da ist dann nicht mal mehr mir was eingefallen.
Dieses Mädchen ist schon irgendwie einzigartig.. :D


Am.. irgendwann die Tage hat meine Schwester angerufen.
Einfach so, ohne Grund, weil sie quatschen wollte.
Das hat mich sehr gefreut.

Die Sache mit Stefan ist irgendwie eskaliert, einfach so.
Wobei mir grade auffällt, dass ich davon glaube ich, gar nie was geschrieben habe.
Stefan war mein Mitpatient auf der Akutstation, 17 Jahre alt, zum ersten Mal in einer Klinik,
und in SO vielen seiner Verhaltensweisen habe ich zu 100% die kleine Jin wiedererkannt.
Und habe mich sofort absolut fĂĽr ihn verantwortlich gefĂĽhlt.
Ich meine, ja, ich habe grundsätzlich den Anspruch an mich, anderen Menschen weiterzuhelfen,
ihnen als weiser Guide zur Seite zur stehen. Das Problem ist nur, das bin ich nicht.
Oder eher, nicht das Problem, eher der Punkt ist, dass ist das nicht bin.
Ich merke ganz klar, das ich zu den Therapieerfahrenen gehöre und sehr erwachsen mit meiner Situation und meiner Erkrankung umgehe.
Aber das bin ich doch keine 24/7, zwischendrin steh auch ich vor der Mauer und denk mir "Yo, das wars jetzt, tschö", oder hab einfach 0 Lust mir was sagen zu lassen, hab keinen Bock noch mehr, irgendwas zu verändern.
Ich bin nicht vollkommen, und das merke ich in solchen Situationen schon sehr.
Einfach, weil ich mich von ihm und seiner Art zu sehr hab einnehmen lassen,
oder eher von seinen Problemen.
Er ist ein sturer Bock und in 90% der Fälle redest du mit einer Wand, wenn du ihm Tipps gibts.
Und das.. jaaaaaaaaaa ich kenne das, klar, aber es stresst so ab.
Meine GĂĽte.
Ich will ihm ein PostIt an den Kopf hauen, wo drauf steht "Vollidiot".
Und dann will ich ihn in den Arm nehmen und ihm sagen das alles Gut wird.
Ja okay, das letzte nicht ganz. Also, ich will ihm sagen, das alles Gut wird, aber ihn nicht in den Arm nehmen.
Auf der einen Seite fĂĽhle ich mich total verantwortlich, dass er in der Zeit, in der ich nun nicht mehr auf der Akuten bin, irgendwie in eine ganz seltsame Ecke abgerutscht ist,
auf der anderen Seite.. warummm dennn.
Es ist doch nicht meine Verwantwortung.
Aber ich habe das GefĂĽhl, dass das falsch ist.
Oder eher: Ich habe keine Ahnung was Richtig und was Falsch ist.
Es ist traumhaft.

Und ich hab nicht mal die Hälfte von allem was abgegangen ist und abgeht erklärt aber ich mag irgendwie nicht.
Das Thema ist dumm und es ist irgendwie auch ein bisschen durch grade, von daher.




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