Mittwoch, 16. August 2017

Splash Free!

Dinge, die dir so vermutlich nur in der Klinik passieren, Teil 2397:

Lauf mit einer Erkältung durch die Station und JEDER ZWEITE fragt entsetzt,
ob alles okay ist oder ob man dir helfen kann.
Weil sie dein Schniefen als Heulen fehlinterpretieren.
Es ist traumhaft.

Und falls sich jetzt jemand gedacht hat, heulende Leute sieht man sowieso die ganze Zeit,
das ist ja nichts besonderen: Tatsächlich ist das eher falsch.
Die Meisten Patienten heulen in ihren Zimmern, bei den Therapeuten oder Pflegern,
im Oasen-Raum oder irgendwo im Wald.
Auf der Station selber.. ja, klar, es kommt vor, aber es ist nichts was du alle paar Naseweit antriffst.
Zumindest nicht auf der Therapiestation, auf der ich aktuell bin.

Es.. passiert ein bisschen viel aktuell.
Ich habe sehr viel Programm, versuche nebenher mich ein bisschen zu sozialisieren und die Zeit wirklich zu nutzen.

Irgendwie ist es auch krass, wie viel ich bisher gar nie gelernt hab,
obwohl ich jetzt schon das Gefühl habe, in den letzten Jahren ENORM viel gelernt zu haben.
Da ist SO VIEL was ich noch nicht weiss und noch nicht kann,
was ich an mir entdecken und an das ich mich gewöhnen muss.

Gefühle zulassen, genau in dem Moment in dem sie auftauchen.

Ich habe letzte Woche (oder wars vorletzte?) als ich bei meiner Therapeutin war,
einfach so angefangen zu heulen, obwohl wir über irgendwas total banales geredet haben.
Und das ist so.. EKLIG wenn du einfach nicht aufhören kannst damit,
obwohl du gar nicht akut traurig bist und es passierrrtttt einfach und du kannst es dir null erklären.
Und ich meine, so geht es mir ja eigentlich immer.
Ich kann seltenst wirklich sagen, wie es mir eigentlich geht.
Es ist einfach eine Angewohnheit, die ich habe, kurz die Situation zu vergleichen und dem entsprechend zu antworten.
Ich denke mir Ah, es ist grade alles gut, also geht es mir gut,
oder Grade kommt das und das auf mich zu, das macht Menschen nervös, also bin ich nervös.

Schlicht und einfach, weil ich KEINE AHNUNG habe was in mir wirklich abgeht.
Es ist meistens so ein Einheitsbrei aus.. allem und nichts?
Und das rauszuspüren ist superschwer, supereklig und superlangwierig.

Das Wochenende war wieder ein bisschen dumm,
weil es wieder zur Auseinandersetzung zwischen meinem Vater und seiner Frau und mir kam.
Es ist so schwer für mich, mit dem irgendwie umzugehen, weil ich auf der einen Seite total verstehen kann,
dass die zwei Mühe haben mit mir und der Situation, und dass sie vielleicht wissen möchten was bei mir grade abgeht,
zum anderen KANN ich aber einfach über bestimmte Sachen nicht mit ihnen reden.
Und Brigitte hat sich von allen existierenden Themen genau DAS ausgesucht zum ansprechen,
was mich zu 9248% abfuckt und zwar jedes einzelne Mal wenn es angesprochen wird.
Deswegen habe ich ihr klar gesagt, ich möchte darüber nicht reden.
Woraufhin sie wieder hochgegangen ist von wegen sie darf ja nie was sagen, ich rede nie mit ihr, ich blocke alles ab, und so weiter.
Und dass das für sie so nicht ertragbar ist und sie sich total angespannt fühlt.
Ja, okay, ich möchte ihr irgendwie sagen das mir das total leidtut und ihr Tipps geben wie sie vielleicht damit besser umgehen kann,
aber gleichzeitig möchte ich mich vor sie hinstellen und ihr gratulieren,
weil es mir so, wie sie sich grade fühlt, 24/7 geht.
Ich will für meine Bedürfnisse einstehen und mich distanzieren,
weil mir aktuell alles zuviel ist und ich Abstand möchte,
ich will aber auch nicht das sture, dumme Kind sein, dass nichts versteht und sich weigert empathisch zu sein.
Das ist ein Seiltanz der mich echt killt.

Ich hab extra von der Peer hier einen Flyer und eine Anmeldung für ein Seminar mitgenommen,
wo ein Trialog zwischen Angehörigen, Betroffenen und Fachleuten stattfinden soll.
Ich hab von so vielen Leuten, und zwar von allen drei Parteien, gehört, dass sie das total sinnvoll fanden und es ihnen viel geholfen hat.
Aber die zwei waren gar nicht begeistert.
Vorallem weil sie offenbar nur hingehen wollen, wen ich mitgehe.
Was.. irgendwie total den Punkt verfehlt, weil sie meine Ansicht kennen, und es primär darum geht,
sich mit anderen auszutauschen, vielleicht dasselbe, wie ich sage, in anderen Worten von anderen Betroffenen zu hören,
oder andere Angehörige um Rat fragen können, wie die es erleben.
Es ist einfach schade, dass sie auf der einen Seite zwar immer alles wissen wollen,
aber so ein Angebot dann ausschlagen.
Dafür gehen sie zu einer Therapeutin, die mich noch nie im Leben gesehen hat, keine Ahnung hat an welchem Punkt ich mit meiner Krankheit stehe,
ihnen aber Tipps gibt, wie sie mit mir umgehen sollen.
Das ist so ein bisschen... Okay, ja, was?
Ich stells mir einfach total schwierig vor.
Ich meine, mir ist es immer ein Anliegen, dass ich, wenn ich neue Theras oder whatever kriege,
mindestens ein Gespräch mit meinem Vater, jetzt halt mit Anhang, stattfindet,
einfach weil meine Theras etc. dann das, was ich erzähle auch realer einschätzen können.
Weil sie einen minimalen Eindruck von den Leuten gekriegt haben, über die ich rede.
Ich weiss nicht recht, wie das funktionieren soll anders.
Grade bei Borderline, wo die Patienten wie Tag und Nacht sein können.
Keiner ist genau gleich, nurschon, weil für die Diagnosestellung von 9 Punkten einfach mindestens 5 gegeben sein müssen.
Das ist so ein RIESIGES Feld.

Aber gut, wenn mein Vater und seine Frau finden, dass es ihnen weiterhilft und sie so weniger Stress haben,
ist das ja okay. Es geht in diesem Falle ja hauptsächlich darum.

Ich möchte den beiden gerne einen Brief schreiben,
aber eben bewusst jedem einen eigenen.
Auch, weil ich ein bisschen zeigen möchte, das mich eben beide Meinungen, aber halt getrennt voneinander interessieren.
Hauptsächlich will ich aber sagen, dass ich grade nicht mit ihnen über so Zeugs direkt reden will,
weil ich damit aktuell nicht umgehen kann und das lieber mit einer neutralen Drittperson tun möchte.
Ich weiss aber nicht recht wie ich es schreiben soll.
Mit was anfangen.
Da sie sich zu 29347823% die Briefe gegenseitig zeigen werden,
kann ich nicht ihr einfach die Sache grob und meinem Vater etwas ausführlicher erklären,
weil sie sonst wieder denkt, sie sei weniger wert oder so.

(Es ist ein bisschen lustig, das ich hierbei auf eine Verhaltensweise treffe, die ich von mir selber absolut kenne. Ich kann da mindestens genauso schlimm sein. Aber ich seh wenigstens ein, das ich ein Problem diesbezüglich habe..^^)

 Ich will nicht böse zu Menschen sein.
Ich will nicht schlecht über sie denken.
Jeder Mensch ist einzigartig und es wert, für seine guten Eigenschaften anerkennt zu werden.
Und trotzdem komme ich nicht umhin, Widerwillen zu verspüren.

Es ärgert mich, das es mir so geht.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen