Der Tag heute war.. interessant.
Er war spannend, er war intensiv, er war lustig, er war heavy, er war schwierig, er war.. er war.
Es ist grade schwer, akkurate Worte zu finden.
Nenne wir es einfach fordernd.
Hatten Morgens die normale Morgenrunde mit "Morgeneinstimmung",
da bringt jedes Mal ein anderer Patient etwas kleines mit, entweder einen Text,
Musik, ein Video, ein.. keine Ahnung, Kartenspiel? Irgendwas halt, dass mit der Person in Verbindung steht.
Heute gabs zwei Zitate - und irgendwie hat mir echt T. gefehlt (Mitpatient des letzen Aufenthaltes),
um abgefuckte Blicke zu tauschen, weil es einfach unmöglich ist früh Morgens hoch-philosophisches Zeugs auch nur im Ansatz zu verstehen.. xD
Seis drum - danach war Yoga, und verdammt, ich hatte vergessen wie grossartig Yoga ist o.o
Da geht alles vergessen - alles was mir im Kopf rumspinnt, alle Schmerzen und alles Unwohlsein,
man existiert einfach in seinem Raum auf dieser violetten Matte und nichts anderes ist wichtig.
Zudem hat der Pfleger, der die Gruppe leitet, eine sehr angenehme Stimme fĂĽr sowas,
es wirkt nicht "reingeworfen", sondern unterstützt den Fluss der Übungen schön.
Hat sehr gut getan!
Dann gemeinsames Mittagessen, das ist einmal die Woche und da essen alle (die da sind) gemeinsam mit (einem Teil) der Pfleger.
Das ist eigentlich ganz lustig, es entstehen interessante Gespräche.
Als ich das erste Mal in dieser Klinik war, fand ich das des Todes unangenehm, generell vor anderen zu Essen und so,
aber dieses Mal ging das super flott.
Hah! Jin hat dazugelernt :3
Brav.
Wobei es schon faszinierend sind, wie sehr sich die Gespräche unterscheiden..
Von "Mein Kind hat sein erstes Gummientchen gekriegt" ĂĽber "Und dann sagt die mir, ich wĂĽrde nur echten Kranken das Krankengeld wegnehmen" bis hin zu "Am Wochenende war ich Skifahren" ist alles dabei.
Eine verrĂĽckt-normale Alltagsmischung, was halt so bei rumkommt in einer Klinik.
Ein Mitpatient hatte heute Austritt, der wurde noch verabschiedet.
Ich glaube, ich kenne den von irgendwoher oO
Aber mir will einfach nicht einfallen, woher. Wird mir wohl auch nicht mehr einfallen, jetzt wo ich ihn nicht mehr seh^^
In der Wartezeit zwischen Mittagessen und Therapie habe ich vor allem Kreuzworträtsel gelöst und Kaffee getrunken.
Ich hab sehr seltsame Macken in Kliniken xD
Normalerweise mache ich weder das eine noch das andere - Kaffee ist eklig und für KWR bin ich zu dämlich.
Muss die Klinik-Aura sein, oder so.
Ach, mit einer Mitpatientin habe ich mich auch noch unterhalten, die hatte Standort (Ein Gespräch mit Pfleger & Psychologe, das einmal im Monat stattfindet um den aktuellen Stand zu besprechen und evtl Veränderungen anzugehen),
und hat ihren Austrittstermin gekriegt.
Darüber war sie sehr verärgert, oder zumindest nicht ganz einverstanden.
Sie formulierte es als "rausschmiss", grade jetzt, wo sie sich hier so wohl fĂĽhle.
Tatsächlich habe ich das auch letzes Mal einige Male gehört,
aber irgendwie ist das.. schräg. Natürlich fühlt man sich da irgendwie wohl, man muss sich nicht verstellen, man hat jederzeit wen zum reden,
aber trotzdem ists ja da, um draussen weiterzumachen.. denke ich zumindest.
Die Einzelstunde mit meiner Zuständigen aus dem Pflegeteam war.. heftig.
Sehr heftig.
Es ging um meinen Vater, seine Neue und die Tatsache, dass alle Dinge von meiner Mutter kompromisslos rausfliegen,
mein Vater seine Freundin heiraten wird und sie hier einzieht.
Ja nun..
Es ist einfach dämlich, oder besser gesagt ICH bin dämlich.
Als ob das jetzt so ein Akt wäre, Mutter ist tot, Haus ist gross, Neue ist da, feddich.
Aber mein Kopf macht da son endloses Drama draus, dass es ein Elend ist.
Ich.. weiss nicht einmal, was mein Problem dran ist. Oder doch, aber nur so halb.
Mir ist klar, dass man nicht alles ewig behalten kann, mir ist klar, dass das Leben weitergeht,
ich freue mich auch fĂĽr meinen Vater und ob seine Neue hier einzieht oder nicht ist mir schnurz,
es ist mehr.. dieses böse, beissende Gefühl meine Mutter ausm Haus zu werfen.. auch wenn das nicht so ist.
Das Ganze verwirrt mich unheimlich.
Ganz interessant aber, dass meine BP eine Stiefmutter ist - quasi ein Perspektivenwechsel sowohl fĂĽr mich als auch fĂĽr sie^^
Auch wenn es da ein wenig anders ist von den Umständen her. Spannend ist es trotzdem.
Und vielleicht hilft es ja auch ein wenig?
Wird man sehen.
Nach der Stunde war ist erstmal komplett platt und dusselig im Kopf,
schlechte Voraussetzungen fĂĽr die anstehende Literaturgruppe.
(Mir ist das grade zu blöd die ganzen Therapien hier zu erklären, ich mach mal nen extra Tab dafür)
Ich war auch kurz davor diese abzusagen, noch mehr Hirnmatsche hätt' ich tatsächlich nicht vertragen.
Einer Intuition folgend bin ich trotzdem hingegangen - und es war gut!
Das Thema war nicht ganz so tief schĂĽrfend wie normalerweise, es war eine lockere, offene Runde.
Das hat gut getan und mir die Möglichkeit gegeben, ein wenig Luft in den Kopf zu kriegen.
Ging um Achtsamkeit und dessen Nutzen, die Umgebung wahrnehmen und das es eben tatsächlich wichtig ist, auch auf kleine Dinge zu achten.
ABER und das war so grossartig: "Manchmal soll diese scheiss-schöne Blume einfach nur scheiss-schöne Blume sein. Geh Bäume umarmen oder sonstwohin, aber lass mich in Ruhe!"
Ach, das war so toll :D
Manchmal darf man eben grad keine Lust auf das Kleine im Leben haben, das ist voll okay.
Aktiv achtsame Unachtsamkeit - Hyaaaa!
Heh.. und jetzt sitze ich hier und bin irgendwie erschlagen von all den Vorkommnissen und GefĂĽhlen,
ich habe irgendwie die leise Ahnung, dass dieser Klinikaufenthalt um Welten intensiver wird als der Letzte.
Es ist Dienstag und ich bin schon so mĂĽde wie sonst erst Freitags.
Soll diesen Freitag auch nochmal RĂĽcksprache halten mit meiner BP, ob ich nicht ĂĽberfordert bin so.
Mal gucken.
Wird schon.
Das Leben ist schön. ♥
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