Ein Fragment meines Ewig-Projektes "How to be human"
Eine Geschichte eines Jungen, der mit dem silbernen Löffel im Mund geboren wird, als Teenager von Zuhause ausreisst, weil ihm der ganze verlogene Firlefanz zuviel ist, und daraufhin unterschlupf bei einer Gruppe Strassenkinder (oder eher jungen Erwachsenen) findet und eine Lektion fürs Leben lernt.
Mir war danach, das aufzuschreiben.
edit: Wenn ich mir das so durchlese.. sehe ich einige ganz klare Parallelen zu mir selber.. mhhhhhhhhhhhhhhhhhhh wiesoooooooo nurrrrrrrrr ^^
Cosinus Finger flogen über die alten, verstaubten Tasten, rangen dem Instrument einen Klang ab, den keiner von ihnen erwartet hätte.
Sicher, das Klavier hatte seine beste Zeit lange hinter sich, und sicher, Cosinus war kein Starpianist,
und doch fanden sich die drei jungen Männern und das Mädchen auf eigenartige Art und Weise einer Schönheit gegenüber die sie nicht hatten kommen sehen.
Lion lehnte mit halb geschlossenen Augen am Türrahmen. Seine Nase war Blutverschmiert und er hatte jenste Kratzer im Gesicht und auf den Armen. Er lauschte den Klängen und blieb doch wachsam.
Im Gegensatz dazu hatte sich madman gänzlich der Musik hingegeben, er sass auf dem Boden, Rücken an Rücken mit dem bebenden Insturment, Augen - eins davon blau anlaufend - geschlossen und Hände voll mit Schmutz und Blut im Schoss gefaltet.
Candy stand neben Lion und lauschte mit leicht offenem Mund, ihre aufgesprungene Lippe umrandet von schmutziger Kruste.
Irgendwie wirkte das ganze fast ein bisschen Ausseridrisch, und wenn man bedachte, dass sie vor wenigen Minuten noch eine Gruppe Anderer fast krankenhausreif geprügelt hatten erschien die Szene noch mehr fehl am Platz.
Lightning setzte sich ebenfalls, sorgsam darauf achtend seine angeknacksten Rippen nicht noch mehr zu strapazieren, und versank in der Musik.
Es war eine einfache, ruhige Melodie die fast etwas kindliches an sich hatte,
es klang wie ein Lied das ein acht oder neunjähriger an seinem ersten Konzert für Eltern zum Besten gibt.
Und vermutlich war es auch genau das, dachte Lightning. Immerhin lebte Cosinus schon seit er 12 war auf der Strasse.
Es stimmte Lightning glücklich und traurig zugleich, diesem Fragment aus einem Leben zu lauschen, dass viel zu früh und viel zu abrupt geendet hatte.
Er wusste noch immer nichts über die Umstände von Cosinus und warum er auf der Strasse lebte - aber es erschien ihm, als sei dieses kleine Liedchen Teil einer Erinnerung, die zwar bittersüss, aber nicht komplett schlecht war.
Es erinnerte ihn ausserdem an seine eigene Kindheit, die ersten Gehversuche am Schlagzeug und an sein heiss geliebtes Instrument im Hause seiner Eltern.
Ob es wohl noch da stand?
Hatten seine Eltern sein Zimmer ausgeräumt?
Dachte sie manchmal an ihn?
Lagen sie manchmal wach und fragten sich, wo ihr Sohn grade war?
Vermissten sie ihn?
Plötzlich fühlte er sich müde.
Erschöpft von der Schlägerei, erschöpft vom Schreien,
erschöpft davon, um sein Leben zu kämpfen hier in diesen Gassen, die er so sehr liebte wie sie ihm zuwider waren.
Er fühlte sich unendlich müde und er wusste, dass es nicht die Art von Müdigkeit war die sich mit einer langen, ausgiebigen Pause im alten Stall auf dem Stroh beheben liess.
Eine Art von Müdigkeit die sich nicht mit dem weichsten Bett der Welt kurieren liess.
Viel eher machte ihn der Gedanke an das grosse, komfortable Bett in dem Zimmer das er einst sein Zuhause nannte noch viel müder. Die Gesichter seiner Eltern als sie ihm die neue Garnitur Bettwäsche geschenkt hatten, Weihnachten vor zwei Jahren. Das Lächeln seiner Mutter und der wohlwollende Blick seines Vater.
Unvermittelt spürte er einen Stich in der Brust.
Seine Eltern.
Lightning war müde vom fühlen, müde vom existieren.
Müde davon, dass seine Eltern so verquere, komplizierte Wesen waren und davon, dass er sie dennoch liebte. Er war müde davon, gegen sie zu rebellieren und er war müde davon, ihnen zu gehorchen.
Sehnlichst wünschte er sich einen Ort, wo es ihm erlaubt war einfach zu sein.
Ohne das jemand von ihm erwartete das er gute Noten schrieb oder dem Typen, der zur anderen Gruppe gehörte ordentlich aufs Maul gab. Wo niemand verlangte das er jemanden mochte oder verachtete.
Einen Ort wo er das Gefühlt hatte, hinzugehören ohne sich dieses Gefühl hart erarbeiten zu müssen.
Und versteckt hinter dem zerissenen Ärmel seines abgenutzten Sweaters weinte Lightning einige Tränen.
Für sich, für diese Gefühle denen er nicht Herr wurde, für seine Eltern die so gottverdammte Idioten, aber nunmal seine Eltern waren,
für Winston der zwar zu den anderen gehört hatte aber dennoch ein Mensch gewesen war,
für Wing die verschwunden blieb, für all die Kinder die kein Zuhause hatten und für diejenigen, die eines hatten, es aber nicht sehen konnten.
Lightning weinte zur wackeligen Musik von dem alten Klavier, dessen unbeholfene Töne von den zerfallenen Wänden wiederhallten.
Und wenn auch nur einer der anderen Anwesenden seine Tränen bemerkten, so beschlossen sie, es niemals zu erwähnen.
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