Samstag, 12. Mai 2018

✞ milagro ✞

Ich will mir von der Seele schreiben, dass Jil und ich heute auf dem Nachhauseweg von Basel erfahren haben, dass sich Sebi, der 8 Wochen mit uns auf Station gewesen war, am Mittwoch das Leben genommen hat.

Es ist.. traurig und es tut auch ein ganz klein bisschen weh, aber es ist.. okay.
Wer wüsste denn besser als wir, dass es in diesem Moment für ihn wohl einfach keinen anderen Weg mehr gab.
Und ich möchte ein bisschen für ihn weinen und mich ein bisschen an diesen Menschen erinnern,
als der er mir im Juli und August begegnet ist.
An einen Raum voll mit Lachen und furchtbar schlechtem Englisch,
an diese hellen Augen und dieses schöne Gesicht.
An seine sehr laute Stimme und seine sehr grosse Verzweiflung.
Wie er strahlen konnte, so richtig von innen heraus, und wie er es regnen lassen konnte im ganzen Haus.
Wie er mit Lea zusammen immer Kreuzworträtsel gelöst hat.
Ich will mich an den Sebi erinnern der mir von seinem Geliebten in Kolumbien erzählt hat,
den er nicht mehr wiedersehen kann, weil seine Mutter nicht damit klarkommt das ihr Sohn schwul ist, und weil es so weit weg ist und keiner das Land verlassen kann.
An den Menschen, der im Stockkampf so zu sich selber gefunden und in jedem was Gutes hat entdecken können.

Ich möchte mir für einen Moment an einen Menschen erinnern, mit dem ich ein kleines Stücken meines und seines Weges gegangen bin, bevor wir uns an der nächsten Gabelung wieder getrennt haben.
Grad so, als wäre die Zeit gekommen.

Ein bisschen frage ich mich, ob es okay ist, dass ich es zwar traurig finde, aber nicht so richtig.. tragisch-betroffen bin.
Weil ich ihn im Prinzip kaum kannte, kein Kontakt bestand.

Und trotzdem will ich einen Moment innehalten und kurz an ihn denken.

Das ist für dich.





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